Wer ist hier das Opfer?

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Ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch
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Diese wehrhafte Maus endet ausnahmsweise nicht auf der Fussmatte einer Katzenbesitzerin. (Bild: Leserbild: Priska Collenberg)

Diese wehrhafte Maus endet ausnahmsweise nicht auf der Fussmatte einer Katzenbesitzerin. (Bild: Leserbild: Priska Collenberg)

Katz und Maus liefern sich nicht erst seit Tom und Jerry legendäre Duelle. In den Comics ist es üblicherweise die Maus, die der Katze aufs Dach gibt. In natura ist es aber meist umgekehrt. Das bezeugen unzählige, unbestellt angelieferte tote Mäuse auf heimischen Fussmatten. Das Katz-und-Maus-Spiel geht bekanntermassen meist zu Gunsten der Stubentiger aus. Nicht so im Fall, wie er sich kürzlich im Garten von Leserin Priska Collenberg zutrug. «Als ich meine Katze Tschätara mit der Maus spielen sah, holte ich schnell mein Handy.» Sie habe nicht gedacht, dass es bei ihrer Rückkehr noch viel zu sehen gebe.

Doch: «Als ich wieder da war, habe ich gemerkt, dass das keine normale Maus ist. Sie hat doch tatsächlich mit meiner Tschätara geschimpft!» Auf dem Bild kann man gut das sperrangelweit geöffnete Maul erkennen, durch das der unerschrockene Nager seiner Gegenspielerin den Marsch bläst – oder besser gesagt: pfeift. Der durchdringende Ton sei im Garten weitherum zu hören gewesen. Die Tschätara sei ganz beeindruckt gewesen und habe verdutzt aus der Wäsche geschaut. Es habe dann so ausgesehen, als ob die Maus verrichteter Dinge von dannen zöge.

Was folgte, war dann aber in allerbester Tom-und-Jerry-Manier.Wir erinnern uns: Meist gibt die kleine Maus der grossen Katze aufs Dach. «Nach einigen Schritten drehte das Mäuschen sich doch tatsächlich um und sprang der Katze mit Anlauf voll ins Gesicht, bevor es verschwand», schildert Priska Collenberg. Für einmal hat die Geschichte eine andere Wendung genommen. Ganz so wie im Comic.

Gute Geschichten basieren eigentlich immer auf dem Prinzip der Überraschung. Ob im Kino, im Fernsehen oder im Buch: Einen Krimiautor würden wir meiden, wenn er es nicht schafft, mit unseren Erwartungen zu spielen, Verdächtige aufzubauen und schliesslich den Täter (oder das Opfer) dort zu verstecken, wo wir ihn am wenigsten erwartet hätten. Auch wir Journalisten sind immer auf der Suche nach solchen Geschichten – dabei geniessen wir nicht die Freiheiten des Krimiautors. Denn wenn wir eine Story erzählen, muss sie sich auch tatsächlich so zugetragen haben. Dazu brauchen wir Fakten und Quellen. In diesem Fall hat unsere Leserin beides geliefert. Vielen Dank!

Urs-Ueli Schorno
ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch