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WIEN: Opernball: Ersatzkaiser trifft Kaktusblüte

Einmal im Jahr wird die Wiener Staatsoper in einen Tanzsaal umgebaut: Heute geht der Opernball, das Fest der Republik Österreich, wieder über die Bühne – mit einem Ex-Grünen als Ersatzkaiser.
Rudolf Gruber, Wien
Richard «Mörtel» Lugner mit seinem Ehrengast, Hollywoodstar Goldie Hawn (Mitte), und seiner Ex-Frau Christina «Mausi» Lugner.Bild: Herbert Pfarrhofer/APA (Wien, 22. Februar 2017)

Richard «Mörtel» Lugner mit seinem Ehrengast, Hollywoodstar Goldie Hawn (Mitte), und seiner Ex-Frau Christina «Mausi» Lugner.Bild: Herbert Pfarrhofer/APA (Wien, 22. Februar 2017)

Rudolf Gruber, Wien

Kommunistische Jugend Österreichs – gibts die noch? Der Opernball schafft es, sie wiederzubeleben. Die KJÖ hat einen «sozialen Protest» gegen das «dekadente Fest der Reichen» angekündigt. Gewaltexzesse wie in früheren Jahren sind indes nicht zu befürchten, die jungen Leute verzichten auf einen Aufmarsch vor der Staatsoper und bleiben mit der Schlusskund­gebung im Museumsquartier auf sicherer Distanz, weshalb die Champagnertrinker den Schlachtruf «Eat the rich!» vermutlich nicht hören werden.

Andere Zeiten. Doris Schmid­auer, früher Anti-Opernball-Demonstrantin und seit wenigen Wochen Österreichs First Lady, wechselt von der Strasse in die Präsidentenloge. Auch ihr Gatte Alexander Van der Bellen beehrt als frisch gewähltes Staatsoberhaupt den «Ball der Republik» das erste Mal und muss gleich den Ersatzkaiser spielen. Für den 73-jährigen Ex-Chef der Grünen dürfte dies eine grössere Herausforderung sein, als eine kluge Rede zu schreiben. Der legendäre rote Kanzler Bruno Kreisky nahm es vor Jahrzehnten mit Ironie: Der Opernball, grummelte er sinngemäss, sei eine Art Rache der Geschichte, die einstmals junge Revolutionäre nötigte, auf ihre alten Tage Frack und Orden zu tragen.

Ungeschliffener Vorstadtcharme

Das Ballpublikum ist längst nicht mehr so erlesen wie früher, hohe ausländische Staatsgäste bleiben seit Jahren aus. Die neureiche Wiener Bussi-Gesellschaft dominiert das Geschehen, deren auffälligste Erscheinung ist nach wie vor der Wiener Ex-Baulöwe Richard «Mörtel» Lugner. Seinen Glanz leiht er sich von weiblichen Berühmtheiten, die er sich nach Wien einlädt. Diesmal wird die Hollywood-Legende Goldie Hawn («Die Kaktusblüte») in Lugners «Losch» Platz nehmen und sich für ein üppiges Honorar seinem ungeschliffenen Vorstadtcharme aussetzen. Eine Kostprobe davon lieferte der 84-jährige Möchtegern-Casanova, als er die 71-jährige Oscar-Preisträgerin mit den Worten ankündigte: «Es ist eine ältere Dame, sie ist nicht zickig, obwohl sie gut aussieht. Ich glaube, sie ist pflegeleicht.» Musikalisches Highlight ist der deutsche Startenor Jonas Kaufmann. Er wird zur Eröffnung die Blumenarie «La fleur que tu m’avais jetée» aus Georges Bizets Oper «Carmen» singen. Ein anderer deutscher Superstar glänzt durch Abwesenheit, ist aber doch präsent: Modezar Karl Lagerfeld kreierte die Krönchen für die 72 Opernball-Debütantinnen, der Tiroler Kristallkonzern Swarovski fertigte sie an. Die jungen Damen werden mit 72 jungen Kavalieren das Ballfest im Schreittanz nach Carl Michael Ziehrers «Fächerpolonaise» eröffnen. Lagerfeld will seine Krönchen als Hommage für den Strauss-Walzer «An der schönen blauen Donau» verstanden wissen, der vor 150 Jahren in Wien uraufgeführt wurde.

1300 Flaschen Sekt und Champagner

Debütantin ist auch die neue Opernball-Prinzipalin mit dem schlichten Namen Maria Grossbauer. Mit 36 Jahren ist sie die bislang jüngste Ballmanagerin. Tratschmedien haben sofort das Gerücht gestreut, sie verdanke den Job ihrem Ehemann, der Vorstand der Wiener Philharmoniker ist, denen auch ihr Vater als Posaunist angehöre. Grossbauer verteidigt sich: Sie kenne die Staatsoper von Kindesbeinen an, und sie werde ihre Kompetenz beweisen. Jedenfalls ist das Fest auch heuer ausverkauft, was auch den Hausherrn, Staatsoperndirektor Dominique Meyer, freut.

5000 Gäste werden erwartet, 1300 Flaschen Sekt und Champagner stehen bereit. Eine schlichte Eintrittskarte kostet 290, eine Tischreservierung zwischen 400 und 1200 Euro. Für eine Loge muss man schlappe 11500 bis 20500 Euro hinblättern, um dabei zu sein, wenn es wieder heisst: «Alles Walzer!»

Hinweis

Der Wiener Opernball wird heute Abend ab 20.15 Uhr auf ORF 2 und 3sat live übertragen.

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