WINTER: Wer was weiss zu Schnee und Eis

Wie lange braucht eine Schneeflocke, bis sie die Erde erreicht? Wie bremst man beim Schlitteln am besten? Ein gutes Dutzend Fragen und Antworten zur kalten Jahreszeit.

Sabine Kuster, Laura Gianesi und Alexandra Fitz
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Eine Schneeflocke ist bis zu einer Stunde unterwegs, ehe sie auf dem Boden landet. Manchmal schafft sie es nicht ganz bis dort. (Bild: Getty)

Eine Schneeflocke ist bis zu einer Stunde unterwegs, ehe sie auf dem Boden landet. Manchmal schafft sie es nicht ganz bis dort. (Bild: Getty)

Sabine Kuster, Laura Gianesi und Alexandra Fitz

 

Ist Schnee essen ungesund?

Schnee essen ist nicht wirklich gesund, da Schmelzwasser ähnlich wie destilliertes Wasser keine Mineralstoffe enthält. Trinkt man zu viel davon, dann entzieht Schmelzwasser den Zellen im Körper die Mineralien, um den Unterschied auszugleichen, und bringt den Elektrolythaushalt durcheinander. Aber nur, wenn über feste Nahrung nicht genug Mineralien aufgenommen werden.

Eva Schober, Schweiz. Verband der Ernährungsberater/innen


Mögen Elefanten Schnee?

Ich beobachte bei jedem Wintereinbruch, wie selbst die Elefanten sich neugierig ins Freie begeben und ein wenig der weissen Masse kosten. Auch das südamerikanische Nagetier Capybara ist vom Schnee fasziniert. Das Interesse ist also da, aber weil die exotischen Tiere nicht über das nötige Rüstzeug verfügen, um über längere Zeit an der Kälte zu bleiben, ziehen sie sich bald wieder in die Wärme zurück. Ein Tier, das sich perfekt an kalte Temperaturen angepasst hat, muss Schnee und Kälte nicht automatisch mögen. Auch Eisbären sind glücklich, auf einer Heizung sitzen zu können, wenn es ihnen zu kalt wird.

Robert Zingg, Zoo Zürich


Rechnen die Schneeforscher damit, dass ihnen mit dem Klimawandel die Arbeit ausgeht?

Nein, sicher nicht. Unser Hauptarbeitsgebiet ist die Alpenregion, die auch in Zukunft noch Schnee haben wird. Gemäss Klima­modellen müssen wir in Zukunft eventuell auch damit rechnen, dass es einzelne Perioden mit grösseren Schneefällen als bis jetzt geben könnte.

Cornelia Accola, Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), Davos


Wie stellt man weisse Farbe so rein wie Schnee her?

Beim Herstellen von Farbe müssen alle Komponenten in der richtigen Reihenfolge und Konzentration gemischt werden – wie beim Kuchenbacken. Die entscheidende Zutat bei weisser Farbe ist das synthetisch hergestellte Weisspigment Titandioxid. Titandioxid ist auch in Zahnpasta und im Papier enthalten.

Wolfram Selter, Farb- und Lackproduzent Bosshard und Co., Rümlang


Wieso knirscht Schnee, wenn wir darauf treten?

Schnee, der am Boden liegt, besteht nicht mehr aus einzelnen Körnern, die Schneekristalle sind zusammengewachsen – gesintert. Wenn wir über den Schnee gehen, zerbrechen wir die Schneekristalle und ihre Verbindungen. Dabei gibt es einen Knall, wenn auch einen sehr feinen, und das hören wir als Knirschen. Am deutlichsten hört man das Knirschen, wenn es kälter ist, ab etwa –8 oder –10 Grad. Wenn es wärmer ist, ist der Schnee beziehungsweise das Eis recht weich, und es gibt einen stärkeren Wasserfilm zwischen den Kristallen. Dadurch können die Kristalle besser aufeinander gleiten, und es kommt nicht zu so vielen Brüchen – dann knirscht es weniger. Neuschnee knirscht besonders gut, da er aus vielen filigranen Kristallen besteht, die leicht brechen.

Cornelia Accola, SLF


Warum sind die meisten Winterschuhe hässlich?

Es gibt zwei Gründe: Winterschuhe müssen eine Sohle mit gutem Profil haben. Und weil der Schuh auch gefüttert ist, sieht er aus, als wäre er grösser als man selbst. Ich habe Ugg-Boots aus Lammfell, die hässlichsten Schuhe der Welt, und Militärstiefel, die auch weit weg von schön sind. Wenn es wichtig ist, nehme ich deshalb die High Heels in der Handtasche mit.

Anna Haldimann, Styling-Coach


Wie steuere ich einen Schlitten am besten?

Es gibt drei wichtige Punkte: Sitz aufrecht auf dem Schlitten. Strecke die Beine nicht durch, sondern winkle sie an und bremse mit dem flachen Fuss statt mit der Ferse. In dieser Position gelangt uns der aufgestobene Schnee nicht ins Gesicht, und die grössere Fläche der Füsse verkürzt den Bremsweg. Auch verkleinert man so das Risiko auf verdrehte Knöchel und Knie.

Christian Mark, Sportgeschäftbesitzer in Bergün GR


Weshalb haben Sie Schnee zum Beruf gemacht?

Wasser ist eines der faszinierendsten Elemente auf der Erde, wenn nicht das faszinierendste. Die Wolken transportieren Wasser in allen drei Aggregatzuständen um den Globus. Darin ist eine ungeheure Energie enthalten – die Atombombe ist ein Nadelstich dagegen! Schnee im Besonderen gibt es in einer unendlichen Vielfalt. Es sind wohl noch nie zwei genau gleiche Kristalle zur Erde gefallen. Und wie sich der Schnee dann wandeln kann! Am Montag bin ich schneeschuhwandern gegangen: Der Pulverschnee hatte sich schon etwas gesenkt, das heisst transformiert. Da liegt ein jungfräulicher Hang vor einem, dabei ist er vielleicht schon lawinenschwanger. Der Schnee ist schön und gleichzeitig gefährlich, das ist faszinierend.

Werner Muter, Lawinenexperte


Wie lange dauert es, bis eine Schneeflocke vom Himmel auf die Erde gefallen ist?

Eine halbe bis zu einer Stunde.

Cornelia Accola, SLF


Am Boden werden die Flocken vom Salz aufgelöst. Wie?

Salz setzt den Schmelzpunkt von Eis und Schnee herab. Dies nennt man die sogenannte Schmelzpunkterniedrigung. Der Gefrierpunkt dieser Lösung beträgt bis zu minus 21 Grad Celsius.

Cornelia Accola, SLF


Wie muss ich fahren, wenn die Strassen vereist sind?

Passen Sie das Tempo an und vergrössern Sie den Abstand zum vorderen Fahrzeug. Und ganz wichtig: Wer keine Winterpneus montiert hat, soll das Auto unbedingt stehen lassen! Kommen Sie beim Bremsen ins Rutschen oder in einer Kurve ins Schleudern, dann kuppeln Sie bei Autos mit manueller Schaltung aus, treten Sie voll auf die Bremse und tätigen Sie keine hektischen Lenkbewegungen. Rechnen Sie generell mehr Zeit ein, dann gibts keinen Stress. Ohne Stress fährt man gelassener und sicherer.

Daniel Graf, Mediensprecher Touring Club Schweiz


Warum ist die blaue Skipiste nicht etwa grün?

An die Gründe für die Farbenwahl der Pisten kann sich niemand mehr genau erinnern. Die Einteilung der Pisten nach Schwierigkeitsgraden wurde aber auf eine Empfehlung der Rechtskommission des internationalen Skiverbands FIS in den späten Sechzigern eingeführt.

Andreas Keller, Leiter Kommunikation Seilbahnen Schweiz


Warum macht es glücklich, am Morgen aus dem Fenster in die verschneite Welt zu blicken?

Schnee verbinden wir mit Kindheitserinnerungen. Es ist die Leichtigkeit der Kindertage, die uns erfasst. «Wenns schneit, fange sogar ich als 60-Jährige mit der Zunge wieder Flocken.» Es ist auch die Reinheit der Landschaft. Eine Ruhe stellt sich ein, alle Geräusche sind gedämpft.

Marina Berini, Dozentin Schulfach Glück