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WINTERSPORT: Ischgl zelebriert wieder den Ausnahmezustand

Seit Jahren reitet Ischgl auf einer Erfolgswelle - auch dank zahlungskräftiger Schweizer Kundschaft. In dem beschaulichen Ort im Tirol findet man alles, nur keine Ruhe.
Mehr als 10'000 Fans beim Rod Stewart-Konzert 2000. (Bild: KEYSTONE/Arno Balzarini)

Mehr als 10'000 Fans beim Rod Stewart-Konzert 2000. (Bild: KEYSTONE/Arno Balzarini)

Andreas Steibl mag es gerne laut. Und der Tourismus-Chef von Ischgl provoziert auch gerne. So warf er in einem Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag» vor drei Jahren den Schweizer Wintersportorten vor, viel Geld von den Gästen zu verlangen, aber wenig Komfort zu bieten und erst noch unfreundlich zu sein. Das löste eine heftige Kontroverse aus. Steibl konnte es recht sein. Er hatte sein Ziel wieder einmal erreicht: Ischgl war in aller Leute Munde.

Ischgl will alles sein, nur kein herkömmlicher Wintersportort. «Wir spielen mit der Grenzwertigkeit. Wir polarisieren. Wir sind einzigartig», erklärte Steibl Anfang November bei einem Pressetermin mit Schweizer Journalisten in Zürich. Erholung wird den Gästen denn auch schon gar nicht mehr versprochen. «Relax. If you can ...» lautet der aktuelle Werbeslogan.

1600 Einwohner und 11’600 Gästebetten

Stattdessen gibt es nonstop Party. Dafür wird im kleinen Dorf im westlichen Zipfel Tirols mit der grossen Kelle angerührt. Zum Saisonauftakt und -ende werden internationale Topacts in die Bergwelt geholt wie Elton John, Robbie Williams oder die Scorpions. In dieser Saison setzen die Verantwortlichen ganz auf die deutschen Stars. Am Samstagabend ist Andrea Berg zu Gast, Ende April wird Helene Fischer erwartet. Und dazwischen geht in den «Krawallbuden in Ballsaalgrösse» («Frankfurter Allgemeine Zeitung») die Post ab. Ischgl (1600 Einwohner und 11’600 Gästebetten) ist die Welthauptstadt des Aprés-Ski mit dem grössten Champagner-Konsum von ganz Österreich. «Tagsüber wird hier der Spassfaktor in Schnee-Zentimetern gemessen, abends in Promille», schrieb «Die Welt». Die Ischgler zumindest sind stolz darauf.

Après-Ski ist Geschmackssache. Die Erfolgsgeschichte von Ischgl ist auf jeden Fall eindrucksvoll. 1964 fing alles mit einer Bahn an. Heute gibt es 45 Liftanlagen und 240 Kilometer Piste. Um dies zu ermöglichen, wurden in den vergangenen 39 Jahren 529 Millionen Euro investiert. Die Förderleistung der Bahnen beträgt 63’900 Personen in der Stunde, die Wartezeit beträgt laut Steibl nirgends mehr als drei Minuten.

Die Wintersaison dauert stets von Ende November bis im Mai. Darauf gibt es Garantie. Schliesslich liegen 80 Prozent des Skigebietes liegt über 2500 Metern über Meer und zudem hat man in den vergangenen zehn Jahren 25 Millionen Euro in Beschneiungsanlagen investiert. Zu den wichtigsten Kunden zählen neben den Deutschen, Holländern und Belgiern die Schweizer. «Für Österreicher sind wir relativ teuer, doch für die Schweiz sind die Preise Micky Maus», sagt Steibl. 80 Prozent der Schweizer Gäste stammen aus dem Raum Ostschweiz, Zürich und Bern. Der Markt in der Westschweiz ist noch nicht richtig erschlossen. Doch das ist nur eine Frage der Zeit. Ischgl will auch dort den Schweizer Wintersportorten Konkurrenz machen.

70 Prozent der Gäste sind Wiederholungstäter, sprich Stammgäste. Und damit die auch kommen, wenn sie älter sind, wird in Ischgl die Spitzengastronomie vorangetrieben. 16 Hauben im «Gault Millaut»und 24 Sterne kann der Ort bereits aufweisen.

Andreas Steibl bringt nun schon seit 15 Jahren Ischgl unter die Leute. Vor zwei Jahren wollte ihn St. Moritz verpflichten. Er brauchte nicht lange, um den Verantwortlichen eine Absage zu erteilen. «Ich wäre für St. Moritz zu schräg», sagt er. Und er würde wohl auch zu viel Lärm machen.

Dominik Buholzer

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