WIRTSCHAFT: Wie die Schweiz an Sotschi mitverdient

Wer an den Olympischen Spielen in Russland Geld verdient, macht dies in erster Linie dank guter Kontakte zu Russland. Zum Handkuss kam auch die Botta Management AG aus Baar.

Hans-Peter Hoeren
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Die Adler-Arena in Sotschi: Am Bau des Eisschnelllauf-Stadions war auch die Firma Sika Sarnafil aus Sarnen beteiligt. (Bild: Keystone)

Die Adler-Arena in Sotschi: Am Bau des Eisschnelllauf-Stadions war auch die Firma Sika Sarnafil aus Sarnen beteiligt. (Bild: Keystone)

Die Adler-Arena zählt zu den schnellsten Eislaufbahnen der Welt. Sie liegt im Olympia-Park rund 35 Kilometer vom Zentrum Sotschis entfernt. In dem ovalen Bau mit einer Kapazität von 8000 Plätzen steckt auch Technologie aus Obwalden. Die Wasser abdichtenden Dachfolien der Halle wurden in Sarnen gefertigt bei der Sika Sarnafil, einer Tochter des Baarer Baustoffkonzerns Sika. Ab morgen Samstag werden in der Adler-Arena die Eisschnelllauf-Wett­bewerbe ausgetragen.

Mit Gesamtkosten von rund 50 Milliarden US-Dollar ist Sotschi der teuerste Sportanlass der Geschichte. Davon verschlang allein der Bau einer 48 Kilometer langen Autobahn und einer Eisenbahnstrecke, die den Olympia-Park am Schwarzen Meer mit Skianlagen in den Bergen verbindet, rund einen Fünftel der Gelder. Auch in Brücken und Tunnels entlang der Strecke befinden sich zahlreiche chemische Baustoffe von Sika. Ebenso in vielen Sportanlagen wie dem Fisht-Stadium, dem olympischen Dorf für die Athleten.

Genaue Angaben zur Höhe des Auftragsvolumens macht der Bauchemiekonzern nicht. Man kann davon ausge­hen, dass es sich um einen grösseren Millionen-Auftrag handelt. Mehrere Si­ka-Mitarbeiter arbeiten bereits seit einigen Jahren vor Ort in Sotschi. Dass der Konzern den Grossauftrag an Land ziehen konnte, hat er neben seinem Know-how auch der Tatsache zu verdanken, dass er in der Nähe von Moskau seit längerem eine Tochtergesellschaft unterhält.

Weniger Aufträge als erhofft

Rund 200 Millionen US-Dollar an direkten Aufträgen haben Schweizer Firmen gemäss Marc Buser in Sotschi akquirieren können. Buser ist Russlandexperte des Schweizer Exportförderers Switzerland Global Enterprise (früher Osec). Hinzu kommen einige indirekte Aufträge. 2008 hatte die Organisation noch mit Aufträgen in einem Volumen von bis zu 2 Milliarden US-Dollar gerechnet. «Da waren wir deutlich zu optimistisch», gibt Marc Buser zu.

Bei den grossen Infrastrukturprojekten rund um Sotschi hätten viele Schweizer Firmen gegenüber den russischen Generalunternehmern nur geringe Chancen gehabt. Das hänge auch mit einem unterschiedlichen Geschäftsgebaren in Russland zusammen, welches zum Teil intransparent sei und oft auf persönlichen Beziehungen mit Entscheidungsträgern basiere. Anders gesagt: Schmiergeldzahlungen sind in Russland keine Seltenheit. Durch Korruption und Nebengeschäfte würden bei Grossprojekten in Russland bis zu 30 Prozent der Gesamtausgaben verschwinden, sagte Gian-Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbands FIS, unlängst im Schweizer Fernsehen.

Österreich macht grosses Geschäft

Grosse Baufirmen wie Implenia oder auch die deutschen Baukonzerne Hochtief und Bilfinger gingen nahezu leer aus. Implenia etwa übernahm eine Reihe von Beratungsaufträgen, als Bauunternehmung aber war der Konzern nicht vor Ort tätig. Der österreichische Strabag-Konzern hingegen, an dem der russische Oligarch Oleg Deripaska rund 20 Prozent hält, konnte sich in Sotschi Aufträge im Wert von rund 400 Millionen US-Dollar sichern. Gesamthaft sicherten sich österreichische Firmen Aufträge von über 1 Milliarde Franken. Gemäss Marc Buser könnte das auch mit den traditionell engen Beziehungen österreichischer Banken und Unternehmen nach Osteuropa zusammenhängen.

Baarer Firma kam zum Handkuss

Ungeachtet dieser erschwerten Voraussetzungen konnten aber zahlreiche Schweizer Firmen in verschiedenen Nischen Aufträge realisieren. Die Botta Management Group aus Baar beispielsweise hatte die Gesamtprojektleitung für den Bau des Zentralen Olympiastadions (COSS) inne und war in einer ersten Phase für analoge Arbeiten im Zusammenhang mit dem Bolschoi-Eishockey-Palast involviert. «Es handelt sich um bedeutende und prestigeträchtige Aufträge», teilt das Unternehmen schriftlich mit. Die Gruppe überwachte im Auftrag der Fifa auch den Bau der Stadien für die Fussball-Weltmeisterschaften in Südafrika und wird auch bei der WM in Brasilien mit von der Partie sein.

Auch der zur Vorarlberger Doppelmayr-Gruppe gehörende Schwyzer Seilbahnhersteller Garaventa kam in Sotschi zum Zuge. Doppelmayr baut in den Skigebieten rund um Sotschi 40 Seilbahnen. 35 davon werden zu den Olympischen Winterspielen in Betrieb sein. Das Gesamtvolumen des Auftrags liegt im tiefen dreistelligen Millionenbereich. Der Schwyzer Logistikkonzern Kühne + Nagel hingegen zeichnet für die gesamte Logistik rund um die offizielle Repräsentanz der Schweiz, das House of Switzerland, verantwortlich. Und der Ebikoner Schindler-Konzern war bei Infrastrukturprojekten wie Hotels oder Spitälern in Sotschi involviert.

Über einen Zeitraum von acht Jahren hinweg war hingegen Skilegende Bernhard Russi in Sotschi tätig; als Pistenarchitekt im Auftrag des Internationalen Skiverbands. Wie lukrativ der Auftrag war, wollte er nicht sagen. Gemäss dem «Blick» bewegt sich die Summe im sechsstelligen Bereich.

Omega ist offizielle Partnerin

Neben den erwähnten Zentralschweizer Unternehmen waren aber auch andere Schweizer Firmen erfolgreich bei der Auftragsakquise in Russland. So plante unter anderem die Bündner Firma Amberg Engineering 13 Tunnel entlang der Eisenbahnstrecke von der Küste in das Skigebiet.

Die Hotelkette Swissotel eröffnete im Januar zwei Fünfsternehotels in der Olympiaregion, und die zur Swatch Group gehörende Uhrenfirma Omega ist zum wiederholten Male offizielle Partnerin der Olympischen Spiele für die Zeitmessung.