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WISSEN: Der Frühling geht durch die Nase

Laue Lüftchen bringen die ersehnten Blumendüfte: Flieder, Magnolie und Maiglöckchen umschmeicheln die Nase. Selbst der Modergeruch des Waldbodens weckt Glücksgefühle.
Angela Barnetta
Die Hyazinthe ist mit ihrem schwülstigen Duft eine beliebte Frühlingsbotin. (Bild: Getty)

Die Hyazinthe ist mit ihrem schwülstigen Duft eine beliebte Frühlingsbotin. (Bild: Getty)

Angela Barnetta

Schöne Frühlingstage verführen dazu, in Wäldern, Parks oder Gärten herumzuschlendern, um an Blüten und Pflanzen zu schnuppern. «Ich liebe den Duft der kleinen Veilchen, die entlang der Wege wachsen», schwärmt Robin Clery, Pflanzenchemiker und Duftexperte bei Givaudan in Dübendorf. «Man muss die Nase ganz dicht an die Blüte halten, um den lieblich süssen Duft zu erhaschen.» Viele lassen sich im Frühling gerne von einem Hauch Hyazinthe, Narzisse oder Maiglöckchen verzaubern. Oder von Rosenduft, den die meisten Menschen mögen. «Diesen blumigen und frischen Duft bezeichnen Aromatherapeuten als harmonisierend», ergänzt die Sensorik- und Ernährungswissenschafterin Christine Brugger. Biokosmetik- und Dufthersteller schätzen Rosenduft als ausbalancierend und beruhigend. Es gibt aber auch Menschen, die insbesondere Rosen- oder Veilchenduft gar nicht riechen können. Sie leiden an einer Anosmie oder Geruchsblindheit, nehmen bestimmte Geruchseindrücke nur partiell oder gar nicht wahr.

Den Geruchssinn trainieren

«Nase und Gehirn können mehr Gerüche unterscheiden, als wir uns vorstellen können», sagt Robin Clery. Aktuellen Studien zufolge sollen es mehrere Millionen sein. Lediglich unsere Sprache gerät beim Benennen an ihre Grenzen. «Allein beim Rosenduft reicht die Bandbreite von zitrus über fruchtig, harzig und blumig in den verschiedensten Facetten bis hin zu balsamisch», sagt Christine Brugger. Ein Parfumeur kann zwischen 2000 und 4000 Düfte benennen. Ein ungeübter Mensch schafft etwa 400 Düfte. «Wer seinen Geruchssinn verfeinern will, muss viel trainieren», weiss Robin Clery. «Und die Gerüche strukturiert benennen lernen.» Stark riechende Frühlings­blüher wie Flieder und Magnolien steigen uns im Vergleich zu den dezent duftenden Schneeglöckchen, Krokussen oder Tulpen sofort in die Nase.

Der Geruch einer Blume besteht laut dem Experten je nach Sorte aus einigen wenigen bis über dreitausend mehr oder weniger ausgeprägt riechenden Einzelduftstoffen. «Persönliche Vorlieben und die Ausgewogenheit zwischen den einzelnen Duftnoten machen einen guten Blumenduft aus.» Der Duft von Jasmin sei ein gutes Beispiel. «Er beinhaltet Indol, was an sich nicht sonderlich überzeugend riecht.» Kombiniert mit den anderen Duftstoffen ergebe dies aber die perfekte Mischung und verleihe der Jasminblüte diese unverwechselbare Note. «Maiglöckchen und Flieder sind die beliebtesten Frühlingsdüfte, die in der Parfumindustrie verwendet werden.» Sie werden weitgehend synthetisch hergestellt, da brauchbares Blüten­extrakt fehlt.

Insekten anlocken und vertreiben

Blumen verströmen ihren Duft, um ihre Art zu erhalten. «So locken sie Insekten an, die sie bestäuben», sagt der Pflanzenchemiker. Der Geruch einer Blume könne aber auch Insekten vertreiben, die ihre Blätter fressen wollen. Oder andere Pflanzen in der Umgebung davor warnen. Allmählich beginne man zu verstehen, wie Pflanzen Gerüche wahrnehmen und nicht nur verströmen. Und dann gibt es Blüten, wie beispielsweise die der Aasblumen, die nach verdorbenem Fleisch stinken und so ziemlich jeden die Nase rümpfen lassen. Auch diese Pflanzen ziehen so Insekten an, die sie bestäuben.

«Düfte wecken Erinnerungen, die wir beim ersten Erleben im Gehirn abgespeichert haben», sagt Robin Clery. Wer als Kind den Duft der blühenden Frühlingswiese in Omas Garten oder den Modergeruch im nahen Wald liebte, wird auch als Erwachsener bei diesen Gerüchen an Grossmutters Garten oder den benachbarten Wald denken. Studien ­belegen, dass das, was wir als angenehm oder unangenehm riechend empfinden, anerzogen oder kulturbedingt ist und nichts mit den Genen zu tun hat. Blumendüfte können das Verhalten von Menschen nachhaltig beeinflussen. «Angenehme Düfte halten uns im Gleichgewicht und fördern das Harmonie­gefühl», sagt Christine Brugger. Dies sei ein Grund, weshalb in Hotellobbys oder im Eingangsbereich von Restaurants Wohlgerüche wie Rose oder Lavendel versprüht werden.

Dass sich mit Rosenduft Gelerntes über Nacht vertiefen lässt, haben Lübecker Hirnforscher herausgefunden. Während die Versuchspersonen schliefen, nutzten die Wissenschafter den Duft, um deren Erinnerungen an das tagsüber bei Rosenduft Verinnerlichte zu wecken. Sie fanden heraus, dass sich so kurz zuvor angeeignetes Wissen reaktivieren lässt. Die unbewusste Erinnerung an das Gelernte stärkte das Gedächtnis der Versuchspersonen, hielten die Forscher im Journal «Science» fest.

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