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WISSENSCHAFT: Vulkanausbruch könnte Christianisierung in Island beschleunigt haben

Forscher haben einen grossen Vulkanausbruch in Island um das Jahr 1000 n. Chr. genau datiert. Sie gehen auch davon aus, dass die Eruption und deren Folgen die Christianisierung der Insel befördert hat.
Eyjafjallajökull legte 2010 den Flugverkehr lahm. Nun haben Wissenschafter die Folgen der Eruption des Vulkans Eldgjá erforscht. (Bild: AP)

Eyjafjallajökull legte 2010 den Flugverkehr lahm. Nun haben Wissenschafter die Folgen der Eruption des Vulkans Eldgjá erforscht. (Bild: AP)

Der Ausbruch des Eldgjá im Süden Islands produzierte riesige Lavaströme und eine Wolke von vulkanischen Gasen. Die Eruption war so enorm, dass sich nahezu 20 Kubikkilometer Lava über die Landschaft ergoss – genug, um theoretisch ganz England zu bedecken, wie die Universität Genf in einer Mitteilung schreibt. Der Ausbruch ereignete sich weniger als ein Jahrhundert nachdem die Wikinger und Kelten die Insel 874 besiedelt hatten. Wann Eldgjá genau Lava zu spucken begann, war bisher unklar.

Einbohrkerne aus Grönland können einen Teil der Geschichte erzählen, da sie Asche von Eldgjá enthalten. Ein Forschungsprojekt unter der Leitung der britischen Universität Cambridge mit Beteiligung der Universität Genf analysierte diese Rückstände. Die Wissenschaftler kamen zum Schluss, dass der Ausbruch im Frühling 939 begann und bis mindestens im Herbst 940 dauerte. Die zweite oder dritte Generation der Siedler dürfte die Eruption miterlebt haben. «Es ist sogar möglich, dass einige der ersten Einwanderer, die im Kindesalter nach Island gekommen waren, Zeugen des Ausbruchs wurden», sagt Clive Oppenheimer vom Departement für Geografie der Universität Cambridge.

Das Ende der heidnischen Götter

Nach der Datierung gingen die Forschenden den Folgen der Eruption nach. Chroniken entnahmen sie, dass es nach dem Vulkanausbruch aussergewöhnlich strenge Winter und kalte Sommer in Europa, im mittleren Osten und in China gegeben hatte. Dies untermauern Untersuchungen an Bäumen auf der nördlichen Halbkugel, deren Jahresringe zeigen, dass auf den Ausbruch von Eldgjá eines der kältesten Jahre der vergangenen 1500 Jahre folgte.

Für die junge Kolonie hatte die Eruption schlimme Folgen. Wahrscheinlich verliessen die Menschen ihre Felder und litten Hunger. Dafür spricht laut den Wissenschaftern ein in Island populäres Gedicht. «Voluspá», verfasst gegen 1270, prophezeit das Ende der heidnischen isländischen Götter. Dies entspricht der Christianisierung Islands, die sich um das Jahr 1000 vollzog. Das Gedicht beschreibt Explosionen, zudem ist die Rede von mehreren kalten Sommern. Für die Forscher ist das Gedicht eine direkte Anspielung auf den Ausbruch von Eldgjá. Sie gehen davon aus, dass die Erinnerung an dieses traumatisierende Ereignis aktiv dazu benutzt wurde, um die Christianisierung der Insel zu fördern. (sda)

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