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WOHNEN: Der Traum von der richtigen Matratze

Rund einen Drittel unseres Leben verbringen wir im Bett. Deshalb ist die Wahl der richtigen Schlafunterlage für ein gesundes Leben entscheidend. Doch wie wählt man die richtige Matratze aus? Experten geben Rat.
Andreas Bättig
Manchmal ist eine Matratze nur schon gut, wenn sie zum Rumhüpfen reicht. (Bild: Getty)

Manchmal ist eine Matratze nur schon gut, wenn sie zum Rumhüpfen reicht. (Bild: Getty)

Andreas Bättig

Wer eine neue Matratze sucht, der steht vor einer schwierigen Entscheidung. Es gibt unendlich viele Anbieter und noch mehr Modelle. Die Matratze ist mittlerweile gar zum Hipsterobjekt geworden. Auf Social-Media-Plattformen wie Facebook werden sie offensiv beworben. Für die Hilding-Anders-Gruppe aus dem schwedischen Malmö, dem führenden Bettenhersteller in Europa und Asien, ist die Schweiz hinter Russland und Frankreich der drittwichtigste Markt. Die Schweden, die 2007 die Traditions­marke Bico übernahmen, beschäftigen in der Schweiz rund 120 Mitarbeiter und erzielen ­einen Umsatz von rund 60 Millionen Franken.

Die Entscheidung für die richtige Matratze fällt umso schwerer, weil wir diese meist über mehrere Jahre behalten. Die Preisspanne dabei ist gross: Sie bewegt sich zwischen 200 und 5000 Franken. Doch ist teuer auch gleich besser? Und wie ist die Beratung in diesen Geschäften? Ein Besuch bei diversen Möbel- und Matratzenfachgeschäften sollte diese Fragen klären.

Die richtige Matratze ist «unauffällig»

Das Fazit: Die Beraterinnen und Berater hielten sich vornehm zurück. Zwar wurde fast bei allen Verkaufsgeschäften gefragt, welche Schlafposition man gerne einnimmt (Rücken- oder Bauchschläfer?), ob man lieber hart oder weich liegt und wie gross die Matratze sein sollte, das war’s dann aber meistens schon gewesen. Immerhin: An keinem Ort wurde einem eine Matratze aufgeschwatzt, und die Beratung war freundlich. In der Regel wurde ziemlich schnell ein Probeliegen empfohlen, was grundsätzlich ja nicht falsch ist, aber ob die Matratze die Wirbelsäule tatsächlich richtig stützt, wurde nicht begutachtet. Ausnahmen waren Ikea mit Matratzen im unteren Preissegement und das Bettenfachgeschäft Thaler im mittleren bis oberen Preissegment. Bei Thaler wurde nach einem umfangreichen Gespräch gar die Wirbelsäule elektronisch vermessen.

Dabei geht es laut Hans-Peter Brix, Testleiter der deutschen «Stiftung Warentest» und einer der führenden Experten bei Matratzentests, gerade darum, dass die richtigen Fragen beim Matratzenverkauf gestellt werden. «Liegen Sie lieber hart oder weich? Schwitzen Sie stark? Sind Sie eher Bauch oder Rückenschläfer? Was für ein Bett haben Sie? Ein hohes oder ein niedriges?» Erst wenn diese Fragen geklärt sind, sollte man auf den vorgeschlagenen Matratzen Probe liegen. «Wer dabei die Matratze kaum spürt, sie also sehr unauffällig ist, ist sicher schon mal auf gutem Wege», sagt Brix. Dann müsse darauf geachtet werden, dass die Matratze die Wirbelsäule gut stützt. Konkret heisst das: Wer auf der Seite schläft, sollte mit den Schultern leicht in die Matratze einsinken können. «Man kann das gut auch selber überprüfen, in dem man den Abstand mit Daumen und Zeigefinger des obersten Wirbels am Nacken zur Matratze misst und dann der Wirbelsäule nach unten bis zum unteren Rücken fährt. Der Abstand zur Matratze sollte beim untersten Wirbel ziemlich gleich sein», sagt Brix.

Bei Rückenschläfern sollte beim Liegen kein Rundrücken (Hängematteneffekt) entstehen. Der Körper sollte aber so weit einsinken können, dass zwischen Matratze und unterem Rücken keine Hand mehr reinpasst.

Preis ist kein Qualitätsmerkmal

Das Probeliegen im Geschäft reicht aber laut Brix in der Regel nicht aus, um die optimale Matratze finden zu können. «Einige Verkaufsläden bieten zur Kundenbindung den Käufern an, die Matratze über mehrere Wochen zu Hause zu testen. Das sollte man unbedingt nutzen.» Mittlerweile seien auch zahlreiche Start-ups in die Matratzenbranche eingestiegen, die nur noch direkt übers Internet nach Hause liefern. Wenn einem die Matratze nicht passt, sei der Umtausch in der Regel kein Problem. «Der Körper gibt meistens schon zu verstehen, welche Matratze für ihn die richtige ist und welche nicht», sagt Brix. Wie gut eine Matratze ist, spiegelt sich gemäss Brix übrigens nicht im Preis wieder. «Der Preis ist kein Massstab für die Qualität. In unseren Tests haben gerade günstige Matratzen überzeugt. Das ärgert die Branche natürlich immer.»

2000 Liter Feuchtigkeit in zehn Jahren

Eine Matratze hält laut Brix meist 8 bis 10 Jahre, bevor man sie ersetzen sollte. «Eigentlich hält die Matratze meist viel länger. Doch in den zehn Jahren sondert der Körper gut 2000 Liter Feuchtigkeit in die Matratze ab. Zusammen mit Hautschuppen bildet sich ein perfektes Klima für unterschiedliche Organismen wie Hausstaubmilben», sagt Brix. Deshalb sollte man aus hygienischen Gründen die Matratze wechseln.

Für alle, die morgens zu faul oder zu müde sind, das Bett zu machen, für die hat Hans-Peter Brix eine gute Nachricht: «Morgens sollte die Matratze nicht gleich mit der Decke komplett bedeckt werden. Das Bett darf durchaus unordentlich sein. So kann die Matratze aufgenommene Feuchtigkeit wieder abgeben.» Etwas später könne man dann immer noch das Bett machen.

Schlafstörungen durch falsche Matratze

Dass die richtige Matratze für ­einen gesunden Schlaf wichtig ist, bestätigt auch Jens G. Acker, Schlafspezialist und Chefarzt der KSM Klinik für Schlafmedizin in Bad Zurzach. «Eine Matratze ist für die richtige Schlafposition entscheidend. Sie sollte die Wirbelsäule in ihrer natürlichen S-förmigen Haltung stützen», sagt Acker. So können sich die Bandscheiben über Nacht erholen und sich wieder mit Flüssigkeit aufsaugen. Eine falsche Matratze könne zu Rückenschmerzen und so zu Schlafstörungen führen.

Auch gegen Schnarchen kann die richtige Matratze helfen. «Die Matratze sollte weich genug sein, dass sie eine Seitenlage ermöglicht. So kann beim Schlafen die Rückenlage vermindert werden, die häufig die Ursache fürs Schnarchen ist», sagt Acker. Schnarchen, das mit Atempausen einhergeht, sollte durch Schlafexperten untersucht werden.

Schliesslich gibt es noch eine ganz einfache Regelung für guten und erholsamen Schlaf: so wenig Ablenkung wie nur möglich. Auch wenn es nur das Handy betrifft. «Das Handy sollte nicht mit ins Bett genommen werden und gehört ausgeschaltet», so der Schlafspezialist.

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