YVETTE ESTERMANN: Olympiasiegerin oder gar Fürstin von Monaco?

Sie lernte erst mit 18 Jahren schwimmen. Und vielleicht, wer weiss, hätte Yvette Estermanns Leben einen komplett anderen Verlauf genommen. Sie hätte Schwimm-Olympiasiegerin werden können – oder gar Fürstin von Monaco, wer weiss?

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Fühlt sich sichtlich wohl im Wasser: Yvette Estermann. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Fühlt sich sichtlich wohl im Wasser: Yvette Estermann. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Doch der Reihe nach. Wir treffen die gut gelaunte SVP-Nationalrätin aus Kriens im Migros-Fitnesspark an der Haldenstrasse in Luzern. Man spürt: Es zieht die Spitzenpolitikerin förmlich ins Wasser. «Ja, ich bin eine spät gezündete Wasserratte», lacht sie nach den ersten, kräftigen Schwimmzügen. Erst beim Eintritt in die Universität von Bratislava sprang der Schwimm-Funke über. «Alle Ärzte, das war im Sozialismus Vorschrift, mussten Schwimmen können. Also wurde ich sozusagen zu meinem Glück gezwungen», erinnert sich die 43-jährige Luzernerin. «Ganz am Anfang gab es Trockenübungen auf den Sprungbrettern, wir Anfänger wurden als ?Idiotenschwimmer? belächelt.» Yvette Estermann aber wollte es allen zeigen: «Ich wollte Spitze sein im Schwimmen, nahm jeden dieses Fach als Sportkurs und lernte in einem Jahr praktisch alle Schwimmarten, die es gibt.»

Schuld sind immer die Haare...
Und siehe da: Die SVP-Spitzenpolitikerin, die nach zwei Jahren im Luzerner Grossrat 2007 in Bern die Nationalratsbühne betrat, zeigte so viel Talent, dass der «immer lustige und sehr fachkundige» Schwimmtrainer sie mit 19 Jahren anfragte, ob sie denn nicht an Wettkämpfen teilnehmen und eine Karriere als Spitzensportlerin einschlagen wolle. Eine Bedingung stellte der Trainer aber: Yvette müsse ihr damals über einen Meter langes, schwarzes Haar abschneiden. «Das wollte ich unter keinen umständen», schmunzelt Yvette Estermann heute noch. «Allein deshalb lehnte ich das Angebot dankend ab.» Ihre schönen Haare sind also Schuld, dass nichts wurde aus potentieller Sportkarriere, Medaillen und Siegesfeiern.

Seit 17 Jahren glücklich verheiratet
Auch nichts aus einer Liebe mit Fürst Albert aus Monaco, der am 8. und 9. Juli nächsten Jahres seine langjährige, blonde Freundin, die frühere Südafrikanische Olympiaschwimmerin Charlene Wittstock, heiraten wird. «Fürstin von Monaco, na ja, das wäre ja wie im Märchen», lacht Yvette Estermann. «Um den Fürsten zu erobern, hätte ich aber bestimmt mein Haar, das somit doppelt schuldig ist, blond färben müssen?» Doch Schluss jetzt mit den Spekulationen. Tatsache ist, dass Dr. med. Yvette Estermann seit 17 Jahren glücklich verheiratet ist mit Sachbuch-Autor Richard Estermann (68) und die beiden einen 15-jährigen Sohn, Richard Estermann, haben. Fakt ist auch, dass Schwimmen noch heute ihre Lieblingssportart ist. «Von Mai bis Oktober schwimme ich täglich zu Hause in unserem kleinen, nicht geheizten Aussenpool», erzählt die versierte Politikerin, die «unser ziemlich krankes Gesundheits-System am liebsten total umkrempeln» würde. Oft schwimme sie auch im See, oder beim Wandern in den Bergseen. Estermann: «Sinken die Wassertemperaturen aber unter 15, 14 Grad, ist Schluss damit. Für die kälteren Monate geht?s dann ab ins Hallenbad.»

Staubsaugen in Fecht-Schrittstellung
Genüsslich und gekonnt zieht Wasserratte Yvette Estermann ihre Bahnen. Und erklärt die Vorzüge ihrer Sportart: «Praktisch alle Muskulaturen werden gleichmässig beansprucht – und man muss nicht Rennen oder Joggen dabei. Zudem kann ich beim Schwimmen total abschalten, runterfahren vom Stress.» Um immer fit zu sein, geht Yvette Estermann, die sich vor drei Jahren zum 40. Geburtstag den Wunsch eines Schnupperkurses im Reiten erfüllte, im Winter auch Schneeschuh-Laufen. «Auch der Haushalt hält mich sportlich auf Trab», schmunzelt sie zum Schluss. «Etwa beim Staubsaugen zu Hause, dann gehe ich immer leicht in die Knie, nehme die Fecht-Schrittstellung ein.» Hauptsache ihre schönen, langen Haare, die ja ihr Leben doch massgeblich beeinflussten, nicht in den Staubsauger kommen?

André Häfliger