Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

ZEITREISE: Tafeln wie die Burgfräulein

Spaghetti mit Tomatensauce und Pommes frites kannten die Leute im Mittelalter noch nicht. Geschmeckt hat es trotzdem, was wir aus alten Rezeptbüchern nachgekocht haben.
Bettina Kugler
Teller braucht es keine, Gabeln kamen nicht auf den Tisch. Dafür wurde auch bei Königen gerülpst. (Bild: hmsg)

Teller braucht es keine, Gabeln kamen nicht auf den Tisch. Dafür wurde auch bei Königen gerülpst. (Bild: hmsg)

Bettina Kugler

Bis der Dessert aus dem schweren Kessel über dem Feuer geschöpft wird, dauert es ein paar Stunden. Davor gibt es vor allem Speisen aus Getreide – und viel Grünzeug. «Die armen Leute im Mittelalter», seufzt Lotta und rührt mit dem Plastiklöffel im Kohlgemüse, «die mussten immer so gesund essen!» Aber eigentlich dürfen wir nicht jammern: Was an Zutaten bereitsteht für unser dreigängiges Menü, konnten sich früher nur reiche Leute leisten. Wir haben Weizenmehl für den Teig der Würzbrötchen, die es eingangs zur Suppe gibt. Wir haben Pökelfleisch, das macht die Suppe kräftig würzig. In einem Sud aus Bier werden wir Lachs garen. Das Rezept dazu stammt aus dem Kloster Mondsee in Österreich und ist uralt. Es wurde als Festgericht für die Mönche gekocht: Dafür, dass sie für einen reichen Mann am Jahrtag seines Todes eine Messe lasen. «Pittanz» nannte man die Spende, später auch das dafür servierte Essen. Andächtig löffeln wir also den zweiten Gang und freunden uns mit dem Wirz an.

Ein Gang nach dem anderen köchelt über dem Feuer

Nur ein paar Strassen weiter wäre es kinderleicht, sich auf die Schnelle zu verköstigen: Gerade ist Stadtfest. An den Ständen werden Pommes frites und Thaicurry verkauft, Crêpes und Flammkuchen, Fleischspiesse, Brezeln – alles zur unkomplizierten Verpflegung im Stehen. Doch nein; wir wollen wissen, wie im Mittelalter getafelt wurde. Im Innenhof des Historischen Museums ist schon alles vorbereitet. Küchenmeisterinnen sind Jolanda und Sarah; die Küche befindet sich unter freiem Himmel: ein offenes Feuer, darüber ein Dreibeintopf. Abgewaschen wird am Brunnen.

An der langen Tafel mit dem gestärkten weissen Tischtuch werden wir nachher Platz nehmen. Nicht ganz historisch korrekt übrigens, sondern auf beiden Seiten des Tisches. Auf dem Bild oben siehst du, dass das bei hohen Herrschaften nicht so war. Sie sassen in einer Reihe und wurden von vorne bedient. Die Diener sind nicht mit auf dem Bild. Vielleicht ist dir auch aufgefallen, dass keine Teller auf dem Tisch stehen. Auch Gabeln hatten die Leute nicht. Sie galten als Werkzeug des Teufels. Vom Fleisch oder Fisch auf Servierplatten wurde mit dem Messer abgeschnitten, dazu gab es Brot. Die Hände wusch man sich zwischendurch mit Wasser.

Rülpsen? Ein Zeichen dafür, dass es köstlich mundet

Was nicht stimmt: Dass es erlaubt war, ins Tischtuch zu schnäuzen! Rülpsen und Furzen aber schon – sonst hätte der Gastgeber sich Sorgen gemacht, ob es auch schmeckt. So mittelalterlich wollen wir uns dann aber bei Tisch doch nicht benehmen. Vielleicht hat es ja auch damit zu tun, dass wir beim Rüsten und Kochen geholfen, sogar auf einem flachen Stein Körner zu Mehl gemahlen haben. Das braucht Zeit – in der man schön abschalten und innerlich zur Ruhe kommen kann. Weil wir aber zwölf Personen sind und alle zur Suppe Sauerteigbrötchen mit Thymian, Kümmel und geröstetem Koriandersamen probieren möchten, nehmen wir auch Mehl aus der Packung.

Während wir mahlen, Kräuter hacken und Mandeln im Mörser zerstossen, wird es still wie im Kloster. Am Feuer und bei Tisch erzählt Jolanda, was und womit gekocht wurde im Mittelalter. Die Rezepte hat Sarah herausgesucht; sie ist Archäologin. Lange Zeit, sagt sie, wurden höchstens die Zutaten aufgeschrieben. Die Jahreszeit bestimmte den Küchenzettel. Daran halten wir uns beim Nachtisch. Es gibt süssen Mandelsulz, eine Art Panna Cotta aus Mandelmilch, und dazu Rotweinpflaumen mit Zimt und Koriander. So köstlich, dass der grosse Topf sorgsam ausgekratzt wird. Und wir als reiche, ziemlich satte Hofdamen vom Tisch aufstehen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.