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ZEITREISE: Thailand: Muscheln zwischen den Zehen

Thailand ist vielen zu touristisch geworden. Vor allem jenen, die eher Ruhe denn Party suchen. Doch das andere, das alte Thailand, gibt es noch. Und es ist bestechend.
Text und Bilder: Elisabeth Reisp
Zahlreiche Tempel säumen den Fluss Chao Phraya in Bangkok. (Bild: Elisabeth Reisp)

Zahlreiche Tempel säumen den Fluss Chao Phraya in Bangkok. (Bild: Elisabeth Reisp)

Elisabeth Reisp

Berühmt und berüchtigt ist der Osten Thailands. Vor allem das dichtbebaute und von Touristen aller Art besuchte Pattaya ist den meisten ein Begriff. Der Osten geht aber noch viel weiter. Weiter südlich, dort, wo das benachbarte Kambodscha nur einen Steinwurf entfernt liegt, finden ruhesuchende Touristen ihr Paradies – und ein Stück ursprüngliches Thailand mit echter Herzlichkeit.

Doch wie die meisten Ferien in Thailand, beginnt auch diese Reise in Bangkok. Der legendäre Sündenpfuhl Thailands, der spätestens seit dem Kinoerfolg «Hangover 2» abenteuerlustige Touristen selbst in die verruchtesten Seitengassen und Clubs lockt. Viele reisen in der geheimen Hoffnung an, eine Nacht zu erleben, die sie nicht mehr so schnell vergessen. Wer in Bangkok richtig abtauchen will, sollte aber erst einmal hoch hin­aus. Zum Beispiel auf eine der vielen Rooftop-Bars mit atemberaubendem Panorama auf das nächtliche Bangkok. Der obligatorische Cocktail hat ebenfalls das Zeug dazu, einem den Atem zu verschlagen: Alkohol ist in Thailand sagenhaft teuer. Ein Cocktail kostet umgerechnet 20 Franken. Die Aussicht auf die Neun-Millionen-Metropole im rosaroten Dämmerlicht ist das Geld aber allemal wert.

Wer in Bangkok unterwegs ist, lässt sich am besten im Taxi chauffieren. Die Preise sind für Schweizer Verhältnisse mehr als erschwinglich. Für kürzere Strecken innerhalb der Quartiere sind Tuk-Tuks das bevorzugte Transportmittel. Es kostet ein paar wenige Franken und ist zugleich eine kleine Sightseeingtour durch die pulsierende Stadt. Motorrad-Taxis sind für fortgeschrittene oder furchtlos-naive Thailand-Touristen. Wer sich dies in der Rushhour antut, zählt danach trotz angezogener Knie und an den Körper gepresster Ellbogen ein paar blaue Flecken. Nicht einmal alle Thailänder wagen sich auf den Sozius eines Motorrad-Taxis.

Für drei Franken ein Teller Phad Thai am Strassenrand

Der liebliche Geruch von frisch gekochtem Phad Thai, der frische Duft von Zitronengras und der scharfe Gestank von Pla Raa, also fermentiertem Fisch – das ist der Geruch von Thailand. Garküchen säumen die Strassen überall, sei es im umtriebigen Bangkok oder in einem kleinen Fischerdorf, abseits jeglichen zivilisatorischen Überflusses und wirtschaftsgetriebener Hektik. Essen ist in Thailand ein allgegenwärtiges Thema. Fliegende Händler verkaufen Satay-Spiesse und kleingeschnittenes Obst. Über Gaskochern oder einem Holzkohleofen wird beinahe zu jeder Tages- und Nachtzeit gebrutzelt, was die von China und Indien beeinflusste, aber stets sehr leichte Küche Thailands hergibt. Probieren ist ein Muss, und für westliche Verhältnisse ist das Essen von der Strasse sehr günstig. Für drei Franken sitzt man vor einem vollen Teller an einem Klapptisch in der Garküche am Strassenrand.

Nach einer Nacht in Bangkok geht die Reise weiter in den Südosten auf die Insel Koh Kood. Von Trat, eine Flugstunde von Bangkok, ist die Insel etwa zwei Fährstunden entfernt. Koh Kood ist wie ihre Nachbarinsel Koh Chang zu einem sehr grossen Teil Naturschutzgebiet. Das schützt die Perlen im Golf von Thailand vor übermässigem Tourismus. Für die Einheimischen und die Hoteliers eine Gratwanderung. Tourismus ist in Thailand ein bedeutender Wirtschaftszweig, der zehn Prozent des Bruttosozialprodukts generiert. Über 30 Millionen Gäste aus dem Ausland besuchen jedes Jahr das neue «Land des Lächelns». Die Auswüchse davon lassen sich an bekannten Hotspots wie Pattaya und Phuket ausmachen. Bisher ist die südöstliche Ecke Thailands noch ein Geheimtipp. Die Einheimischen dort sind aber hin- und hergerissen. Sie wissen, Gäste bringen Geld. Doch oft auf Kosten der Natur.

Wie Robinson Crusoe, aber mit Luxus

Auf Koh Kood wird vorsichtig und nachhaltig Tourismus betrieben. Die Inselbewohner leben grösstenteils in kleinen Fischerdörfern. Gerade mal 2000 Einwohner zählt das 113 Quadratkilometer grosse Eiland. Das Innere der Insel ist dichter Dschungel. Nur zwei Strassen durchbrechen den Urwald. Nicht immer sind sie befahrbar: Bei Hochwasser sind die Furten und Brücken nicht einmal mit dem Geländewagen zu durchqueren.

Auf Koh Kood sind vor allem Resorts im höheren Preissegment angesiedelt. Das hat die Insel bis jetzt vor dem Schicksal bewahrt, dass sich an den Stränden Hotel an Hotel reiht. Auf Koh Kood werden die luxuriösen Resorts in aller Regel mit viel Rücksicht auf Nachhaltigkeit und auf die Umgebung gebaut. Der dichte Urwald schützt die Gäste zudem vor jeglicher Ablenkung und der Welt draussen. Die Einsamkeit eines Robinson Crusoe – gepaart mit jedem erdenklichen Komfort.

Auf Koh Kood ist das vom Tourismus noch unbefleckte Thailand besonders eindrücklich erlebbar. Um es zu entdecken, braucht es in dieser Region aber einen Reiseguide. Denn Englisch sprechen nur jene, die eine höhere Anstellung in einem Hotel haben. Der Guide der Reisegruppe hat es sich selbst beigebracht, erklärt er stolz. Über Wochen und Monate habe er jeden Abend nach der Arbeit Bücher gewälzt und die Sprache gelernt. Er wollte unbedingt Guide werden, erklärt er und führt stolz durch sein Dorf: ein Fischerdorf auf Stelzen im türkisblauen Meer.

Schmale Stege führen zwischen den Häusern durch, die oft auf einer Seite offen sind. In den offenen Wohnräumen wird gekocht. Wieder dieser Duft von frischem Fisch und mildem Thai-Curry. Die Bewohner des Dorfes beäugen die Touristen freundlich, aber aus scheuer Distanz. Tourismus als Einnahmequelle haben die Inselbewohner noch nicht für sich entdeckt. Entsprechend gibt es praktisch keine Souvenirläden, keine Geschäfte für Massagen oder Maniküre. Einfach nur das echte Leben.

Auf dem Rücken eines Elefanten durch den Dschungel

Lebendiger und bunter ist das Treiben auf der Nachbarinsel Koh Chang. Die Hauptinsel ist zugleich auch Namensgeberin des Inselarchipels und besonders bei einheimischen Touristen bekannt und beliebt. Entsprechend setzen täglich mehrere Fähren vom Festland über, in der Hauptsaison sowieso. Je nach Hotel verlässt man die Fähre an einem anderen Steg. Der südlichste ist der 300 Meter lange Bang-Bao-Pier. Dort reihen sich auf beiden Seiten dichtgedrängt kleine Verkaufsläden und Stände. In der Auslage findet sich alles, was das heimische Handwerk zu bieten hat, über Kleider und Lebensmittel bis zu Kleinigkeiten, die gerade das richtige Mass an Kitsch aufweisen, um als originelles Mitbringsel zu Hause verschenkt zu werden. Erschlossen ist das Eiland nur durch eine Strasse, welche die Insel nicht ganz umschliesst.

An den Stränden reihen sich die Hotels aneinander. Das Herz der Insel ist aber ein geschütztes Reservoir. Zu entdecken ist es zu Fuss oder, für Wagemutige, auf dem Rücken eines Elefanten. Auf der Insel Koh Chang und rund um den Bezirk Trat gibt es zudem prächtige Mangrovenwälder an schwarzen und weissen Stränden. Im Kanu oder auf dem Stand-up-Paddel lässt sich dieses un­gewöhnliche Stück Natur am besten erleben.

Mehr Mangroven als Schutz vor Tsunami

Mangrovenwälder schützen das Land davor, vom Meer weggespült zu werden. Und vor Tsunamis. Im ganzen Land wurden zu Gunsten der Hotelkomplexe Mangrovenwälder gefällt. Der vom Volk verehrte und mittlerweile verstorbene König Bhumibol Adulyadej ordnete nach der Tsunamikatastrophe im Jahr 2004 an, die Mangrovenwälder wieder aufzuforsten. Auf der Bootstour durch die Mangroven werden daher auch die Touristen aufgefordert, einen Mangrovenspross zu pflanzen: den stricknadelgrossen Spross einfach mit den Würzelchen nach unten in die Luft halten und loslassen. Den Rest erledigt die Natur.

Das Meerwasser in den Mangroven ist von undurchsichtiger brauner Farbe. Keinen Zeh möchte man hineinhalten. Doch genau das tun die Fischer hier. Flink lassen sie sich in ihren für Thailand typischen bunten Fischerhosen vom Boot ins brusthohe Wasser gleiten. Wuseln mit ihren Füssen im Schlamm und zeigen mit akrobatischem Geschick, was sich zwischen ihren Zehen verbirgt: Eine kleine viereckige Muschel mit einem etwa zwanzig Zentimeter langen, glitschigen Schwanz. Sie verbergen sich zu Millionen im Schlamm. Was die Einheimischen zum Essen brauchen, holen sie sich aus dem Meer. Und was gefischt wird, wird auch verarbeitet. Es gibt keine Show für Touristen. Alles, was die Einheimischen machen, ist echt. Als Gast wird einem aber jederzeit die Freundlichkeit zuteil, über die Schultern gucken zu dürfen. Oder vielleicht sogar mal selbst Hand anzulegen. Auf jeden Fall wird es einem leicht gemacht, dieses noch unbekannte, urtümliche Thailand von ganz nah zu erleben.

Neun Millionen Einwohner zählt Bangkok. Vortritt wird selten gewährt, den muss man sich nehmen. (Bild: Elisabeth Reisp)

Neun Millionen Einwohner zählt Bangkok. Vortritt wird selten gewährt, den muss man sich nehmen. (Bild: Elisabeth Reisp)

Warum nicht die Insel Koh Chang vom Wasser aus auf einem Stand-up-Paddel entdecken? Mangroven lassen sich selten von so nahe bestaunen. (Bild: Elisabeth Reisp)

Warum nicht die Insel Koh Chang vom Wasser aus auf einem Stand-up-Paddel entdecken? Mangroven lassen sich selten von so nahe bestaunen. (Bild: Elisabeth Reisp)

An jeder Ecke werden in Garküchen typische Thai-Köstlichkeiten gekocht und verkauft. (Bild: Elisabeth Reisp)

An jeder Ecke werden in Garküchen typische Thai-Köstlichkeiten gekocht und verkauft. (Bild: Elisabeth Reisp)

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