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Zu viele Meniskusoperationen

In der Schweiz werden zu viele unnötige Knieoperationen durchgeführt, die nicht mehr nützen als Physiotherapie oder Medikamente. Gemäss einer Studie des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Zürich führten finanzielle Fehlanreize dazu.
Bruno Knellwolf

Bruno Knellwolf

Chirurgische Eingriffe am Knie mittels Gelenkspiegelung, der Arthroskopie, gehören in der Schweiz zur medizinischen Routine. Ursprünglich wurde sie dazu verwendet, jungen verunfallten Patienten zu helfen. Mit der Zeit wurde dieses Schlüssellochverfahren auch bei älteren, unfallfreien Patienten angewandt. Dies obwohl 65 Prozent der Menschen im Pensionsalter sowieso abnutzungsbedingte Meniskusschäden haben. Seit längerem zeigen grosse Studien zudem, dass die Meniskusoperation mit Arthroskopie keinen Vorteil im Vergleich zu nichtchirurgischen Methoden mit Medikamenten und Physiotherapie bringt.

Diese Erkenntnis müsste dazu führen, dass weniger arthroskopiert wird. Doch eine Studie des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Zürich zeigt, dass dem nicht so ist: In der grössten Patientengruppe der 40- bis 64-Jährigen gingen die Knieoperationen nicht zurück. Entsprechend hoch sei also möglicherweise demzufolge die Zahl unangemessener arthroskopischer Eingriffe am Knie bei Patienten mittleren Alters. Aus diesen unnötigen Meniskusoperationen können grob geschätzt Kosten von rund 40 bis 70 Millionen Franken resultieren – in Abhängigkeit des Anteils und der Kosten von privatversicherten Patienten. Nur bei den über 65-Jährigen reduzierten sich die Operationszahlen. Untersucht wurde auch der Versicherungsstatus der Operierten. «In unserer Studie haben wir beobachtet, dass die Patienten je nach Versicherungsmodell unterschiedlich häufig operiert werden. Und Privatkunden werden mehr operiert», sagt Muheim. Analysiert wurden Daten von 1,2 Millionen Versicherten der Krankenversicherung Helsana, welche die Studie unterstützt hat. Ebenfalls höhere Kosten werden verursacht, weil ein grosser Teil der Patienten die Arthroskopie stationär erhält und nicht ambulant. Muheim und seine Kollegen ziehen daraus den Schluss, dass das Vergütungssystem in der Schweiz finanzielle Anreize für eine Operation setze. Gleichzeitig seien die Anreize für eine konservative Therapie kleiner. «Sinnvolle Behandlungen sollten in irgendeiner Form besser vergütet werden als weniger sinnvolle», sagt der Studienautor. Muheim denkt an Prämienrabatte für konservative Therapien. «Wenn man die Meniskusoperation von der Vergütungsliste der Krankenkasse streicht, hilft das vielleicht kurzfristig, aber die Fehlanreize werden an anderer Stelle zu einem anderen Zeitpunkt wieder zu Tage treten», sagt Muheim.

Erst einmal die konservative Therapie versuchen

Einen arthroskopischen Eingriff hält er für unangemessen, wenn keine ausreichende konservative Therapie mit Physiotherapie und Schmerzmittel versucht worden sei. «Oder wenn aufgrund von Alter oder Vorgeschichte eine Kniearthrose als Ursache für den Meniskusriss vermutet werden muss. Unbestritten ist eine Operation nur, wenn ein Knie nicht mehr gestreckt werden kann», sagt Muheim. «Generell ist es so, dass die meisten Meniskusbeschwerden über die Zeit von alleine nachlassen», sagt Muheim. Studien zeigten, dass es den Patienten nach sechs Monaten gleich gut gehe, ob sie konservativ oder operativ behandelt worden seien.

Auffällig ist auch , dass die Anzahl an Meniskusoperationen in den Kantonen unterschiedlich ist. Schwyz, Baselland Appenzell und St. Gallen haben doppelt so hohe Zahlen wie der Schweizer Durchschnitt. Im Kanton St. Gallen könnte die Ärztedichte eine Rolle spielen, vermutet der Kniespezialist Henrik Behrend. Eine unzureichende Durchdringung des aktuellsten Standes der Wissenschaft in gewissen Regionen könnte auch ein Grund sein. Um das erklären zu können, müssten die Studiendaten genauer aufgearbeitet werden.

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