ZÜRICH: Beim Thema Polanski wird Rima mal ganz ernst

In Zürich ist am Samstag das 5. Filmfestival zu Ende gegangen. Bis zum Schluss blieb die Verhaftung von Ehrengast Roman Polanski das dominierende Thema. Auch der Zuger Comedian Marco Rima verheimlichte seine Meinung nicht.

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Marco Rima mit Ehefrau Christina am Zürcher Filmfestival. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Marco Rima mit Ehefrau Christina am Zürcher Filmfestival. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Mit der Preisverleihung sowie den Ehrungen der beiden US-Filmstars Morgan Freeman und Michael Keaton ist am Samstagabend das 5. Zürich Filmfestival zu Ende gegangen. Ohne Happy End. Roman Polanski, ursprünglicher Ehrengast in Zürich, sitzt immer noch im Gefängnis. Die Reaktionen am roten Teppich sind fast verstummt. Einzelne Rufe «Free Polanski» waren zwar zu hören, einige Kunstschaffende trugen die Lettern «Free Polanski» ganz in Rot hinten klein auf ihrer Akkreditierungskarte. Das war es dann aber auch.


«Unglückliche Umstände»
Die Superstars Freeman, Keaton und auch «Easy Rider» Peter Fonda bedauerten lediglich und unisono die «unglücklichen Umstände», mehr auch nicht. Im Gegenteil: Die Stimmung kippte auf dem roten Teppich eher gegen Polanski.

«Ich bin höchst erstaunt über die Reaktionen vieler Kunstschaffenden, die Polanski ganz unkritisch in Schutz nehmen», erklärte der Zuger Comedy-Star Marco Rima. «Ich habe eine klare und dezidierte Meinung: Roman Polanski hat Schuld auf sich geladen. Er muss sich dem stellen, da gibt es weder Ausreden noch Ausflüchte in den Promi-Status. Bei aller Bewunderung für sein Lebenswerk tut es mir leid, dies sagen zu müssen.»


Kritik am Zeitpunkt
Wie die ganz grossen Stars bedauerte die Prominenz am roten Teppich einzig die Umstände der Verhaftung. «Komisch, dass dies gerade anlässlich einer vorgesehenen Lebenswerk-Ehrung von Polanski geschehen musste. Warum wurde das nicht mal an seinem Feriensitz in Gstaad erledigt?», fragte sich Giusep Fry, der Manager unter anderem von Ariella Kaeslin. «Ich kann nicht ganz verstehen, warum man über 30 Jahre braucht, um diesen Fall zu lösen», erklärte die abtretende TV-Direktorin und künftige EBU-Chefin Ingrid Deltenre, die gleichzeitig aber eingestand, dass «der Fall sehr komplex» sei. Es liege nicht an uns, den Fall zu beurteilen, erklärte TV-Sportmoderator Sascha Ruefer.


«Fall Seldwyla»
Miss-Schweiz-Managerin Karina Berger störte sich auch an den Umständen der Verhaftung: «Es hätte bestimmt hundert andere Möglichkeiten gegeben, diesen Fall zu lösen. Inhaltlich wissen zuletzt nur Polanski und das Opfer, was genau geschehen ist.»

Ex-Miss-Schweiz Silvia Affolter sprach von einem «Fall Seldwyla», ohne dass sie Polanski «in Schutz nehmen» wolle. Schauspieler Martin Rapold nannte die Umstände der Verhaftung ein «Fall Libyen II»: «Das war alles andere als intelligent, eher peinlich. Gestört hat mich vor allem der Umstand, dass die betroffenen zwei Schweizer Departemente Justiz und Kultur offenbar ganz und gar nicht miteinander kommuniziert haben.»

Ex-Turmspringerin Jacqueline Walcher-Schneider schliesslich hat eine klare Meinung: «Bei allem Respekt vor Polanskis Lebenswerk – er hat ein schlimmes Verbrechen begangen und gehört dafür bestraft.»

André Häfliger, Zürich