ZÜRICH: Hafenkran in Zürich wird eingeschmolzen

Der ausrangierte Hafenkran, der mitten in der Stadt steht, polarisiert. Ein bürgerliches Komitee will ähnliche Projekte verunmöglichen. Seine Initiative hat jedoch vor allem symbolische Bedeutung.

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Der Hafenkran an der Limmat in Zürich. (Bild: Keystone)

Der Hafenkran an der Limmat in Zürich. (Bild: Keystone)

Eveline Rutz

Seine Tage sind gezählt. Ab dem 19. Januar wird der Hafenkran am Zürcher Limmatquai abgebaut. Danach wird er abtransportiert und eingeschmolzen. Die Stimmberechtigten wird er allerdings noch eine Weile beschäftigen. Sie werden voraussichtlich über eine Initiative zu befinden haben, die Hafenkräne, Poller und Schiffshörner in der Innenstadt verbieten möchte. Ein Komitee aus SVP, Junger SVP und Jungfreisinnigen wollte damit ursprünglich die aktuelle Kunstinstallation verhindern. Weil der Stadtrat einen Gegenvorschlag prüfte und schliesslich verwarf, gelangt das Volksbegehren nun aber erst zur Abstimmung, wenn der Gast aus Rostock längst verschwunden ist.

Der Kran wird so gedreht, dass der Arm über die Limmat hinausragt. In welchem Winkel der Ausleger in die Höhe ragt, bestimmen die Künstler, die dieses Projekt angeregt haben. (Bild: Keystone)
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Offiziell eingeweiht wird das umstrittene Kunstwerk am 10. Mai. (Bild: Keystone)
Ab diesem Zeitpunkt wird als Teil der Installation einmal wöchentlich ein lautes Schiffshorn durch die Stadt dröhnen. (Bild: Keystone)
Am Limmatquai neben dem Rathaus-Café wird seit Montag früh um 4 Uhr ein Hochsee-Hafenkran aufgebaut. (Bild: Keystone)
Die umstrittene, 600'000 Franken teure Kunstaktion spielt mit der Fantasie, dass es in Zürich einst einen Hafen gab, der allmählich ausgegraben wird. (Bild: Keystone)
Das undatierte Handout des Hochbaudepartements der Stadt Zürich zeigt eine Fotomontage des geplanten Hafenkrans am Limmatquai in Zürich im Rahmen des Kunstprojektes "zuerich- transit maritim". (Bild: Keystone)
Bis Gründonnerstag wird das 30 Meter hohe grünliche Eisen-Ungetüm Stück für Stück aufgebaut. Neun Monate lang wird es dann an der Limmat stehen. (Bild: Keystone)
Stadtrat Martin Waser (rechts) und Künstler Jan Morgenthaler begrüssen sich zum Aufbau der Kunstinstallation. (Bild: Keystone)
Für die Künstlergruppe, die hinter dem Projekt «zürich transit maritim» steht, kommt der aus 26 Teilen bestehende Kran aus einem «archäologischen Depot». Er erinnere an die Zeit vor 17 und vor 31 Millionen Jahren, als Zürich von Meeren überflutet gewesen sei, sagt Jan Morgenthaler, Sprecher der Künstlergruppe. (Bild: Keystone)
Ab 10. Mai wird «die Freilegung des Hafenkrans» mit einem Festakt gefeiert. Mit einem grossen Hafenfest wird dann gemäss den Organisatoren vom 4. bis 6. Juli entlang der Limmat «eine maritime Atmosphäre aufleben». Klein aber fein, nicht-kommerziell und voller Überraschungen soll es das Zürcher Kulturereignis in diesem Sommer werden. (Bild: Keystone)

Der Kran wird so gedreht, dass der Arm über die Limmat hinausragt. In welchem Winkel der Ausleger in die Höhe ragt, bestimmen die Künstler, die dieses Projekt angeregt haben. (Bild: Keystone)

«Teuer und politisch»

Roland Scheck, SVP-Kantons- und Gemeinderat, will dennoch nicht von einer rein symbolischen Abstimmung sprechen. «Der Stadtrat hat sich mit dem Kran ein Denkmal gesetzt; es ist nicht auszuschliessen, dass er dies in einigen Jahren wieder tun will.» Der Präsident des Komitees «Hafenkräne Nein» lehnt Kunst im öffentlichen Raum nicht grundsätzlich ab. Er stört sich aber an der «politischen Botschaft», welche die Projektverantwortlichen mit dem rostigen Koloss aussenden. Nämlich die einer weltoffenen Stadt. Scheck kritisiert zudem, dass der Kran ausgerechnet an einem touristisch wichtigen Ort stehe und das Bild der Altstadt verschandle. Ebenso ärgert ihn, dass die Steuerzahler zur Kasse gebeten werden.

Schlussabrechnung im Februar

600 000 Franken hat die Stadt in den Projektwettbewerb und die Durchführung investiert. Erwartete Mehrkosten werden von Privaten gedeckt. Als die Installation zu scheitern drohte, stellte der inzwischen zurückgetretene SP-Stadtrat Martin Waser 120 000 Franken aus seinem privaten Vermögen in Aussicht. Er wird aber wesentlich weniger zahlen müssen, wurden die Mehrausgaben doch deutlich nach unten korrigiert. Genaue Zahlen wird die Schlussabrechnung im Februar liefern.

Kunst dürfe durchaus etwas kosten, finden die Jungsozialisten. Ginge es nach ihnen, würde der Stahlkoloss, der im April 2014 neben dem Rathaus installiert wurde, das Stadtbild dauerhaft prägen. «Kunst im öffentlichen Raum bereichert unser aller Leben», sagt Juso-Pressesprecher Oliver Heimgartner. Sie lasse Zürich weniger grau und tot erscheinen.

6000 Unterschriften in fünf Wochen

«Genau solche Diskussionen wollten wir auslösen», sagt Jan Morgenthaler, der das Projekt «Zürich Transit Maritim» mit drei Gleichgesinnten realisiert hat. Die Wucht der Emotionen habe allerdings alle Erwartungen übertroffen. «Die SVP war unsere treuste Begleiterin», sagt er. Immer, wenn es um die Installation wieder ruhig geworden sei, habe die Partei den Diskurs befeuert. «Mit ihrer Initiative wird sie nun das Vermächtnis des Hafenkrans lebendig halten.»

Bis am 25. November 2014 hat die angestrebte Änderung der Bau- und Zonenordnung (BZO) öffentlich aufgelegen. Der Stadtrat hatte dies erst unterlassen, da er davon ausgegangen war, dass die Initianten ihr Anliegen angesichts der bescheidenen Erfolgsaussichten zurückziehen würden. Nun muss er einen Bericht über allfällige Einwendungen verfassen. Danach gelangt das Geschäft in den Gemeinderat, wo es kaum eine Mehrheit finden dürfte es sei denn aus taktischen Gründen. Aller Voraussicht nach wird es zu einer Abstimmung kommen. SVP-Politiker Scheck geht davon aus, dass dies noch in diesem Jahr der Fall sein wird. Wie sich der Stadtrat mit dem Kran selbst verwirklicht habe, störe viele Zürcher, ist er überzeugt. Immerhin seien in nur fünf Wochen 6000 Unterschriften zusammengekommen.

Beliebtes Fotosujet für Touristen

Der Kran habe sich in kürzester Zeit zu einem Wahrzeichen und Treffpunkt entwickelt, sagt der Künstler Morgenthaler. Er sei von Touristen aus aller Welt besucht und x-fach fotografiert worden. Zu Beginn hätten sich viele Leute gefragt, wie man nur so ein rostiges Ding aufstellen könne. Nun bedauerten sie, dass es schon wieder entfernt werde.

Hinweis

Zum Ende des Hafenkrans findet am 13. Januar von 17.30 bis 19 Uhr im Kulturhaus Helferei in Zürich ein Podium statt.