ZUG: Staraufgebot für Margrit und Gusti Villiger

Mit viel Glanz und Gloria wurde am Freitagabend im Zuger Casinotheater ein Intendanten-Ehepaar verabschiedet, das die Schweizer Showszene während Jahrzehnten mitgeprägt hat: Margrit und Gusti Villiger.

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Gusti Villiger beim Interview mit Sandra Studer. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Gusti Villiger beim Interview mit Sandra Studer. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Über 2000 Events hat Gusti Villiger in den letzten 30 Jahren als Intendant der Theater- und Musikgesellschaft Zug mit seiner Ehefrau auf die Beine gestellt, rund 20?000 Künstlerinnen und Künstler wurden von ihnen betreut, weit über 500?000 Fans waren bei ihnen zu Gast. Nächsten Sommer nun treten Margrit und Gusti Villiger ab von den Brettern, die ihr Leben waren. Bereits jetzt, nämlich anlässlich der Generalversammlung der Gesellschaft, erwiesen ihnen über ein Dutzend Stars und sogar der 130-köpfige Chor «Audite Nova» an der von Sandra Studer pfiffig moderierten Abschiedsgala mit 850 Gästen die Ehre. Der Zuger Stapi Dolfi Müller, Stadtrat Ulrich Straub und Regierungsrat Patrick Cotti brachten Geschenke, Reise- und Theatergutscheine.

Die meisten Lacher heimste einer ein, der das Bühnentalent von Vater und Mutter geerbt hat: Satiriker Lorenz Keiser, der Sohn von Margrit Läubli (sie trat ebenfalls auf und las herrliche Limericks) und dem verstorbenen, unvergesslichen Cés Kesier. Als witziger Vorsteher der Eidgenössischen Bankenkommission, Abteilung Frühpensionierung und Rentenbetrug, trat Lorenz Keiser an, um die Pensionierung der Villigers von der Bühne aus zu überprüfen. Zynisch brachte er Vergleiche zu Bundesrats-Pensionierungen: «Samuel Schmid geht in Stücken in Pension – zuerst seine Galle und dann er selber. Bundesrat Merz ist – ganz im Gegensatz zu seinen anderen Ratskollegen – wieder aus dem Koma erwacht und am schlimmsten ist es bei Christoph Blocher: Er steht wieder vor der Tür!»

Ein Star aus Dänemark
Köstlich war auch Liedermacher Linard Bardill, der einmal mehr sein Talent auch als Komiker unter Beweis stellte. Der Bündner hielt eine witzige Laudatio auf das Ehepaar Villiger und gab sich das Motto gleich vor: «Rede über alles, aber nicht über zehn Minuten?» Harfenstar Andreas Vollenweider erzählte, wie und warum er in seinen frühen Jahren vor allem musikalisch «enorm viel» von Gusti Villiger mitbekommen hat: «Weil wir damals bei ihm zu Hause bis morgens um vier Uhr eine Platte nach der anderen hörten.» Sängerin Kristine Yde Erikson reiste eigens aus Dänemark an. Sie führte grad vor, was sie als Musicalstar in Zug gelernt hat und sang ein Schweizer Mundartlied. Das Mummenschanz-Duo Bernie Schürch und Floriana Frassettoüberzeugte mit seinem gewohnt feinen Szenenhumor und Opernstar Noëmi Nadelmann liess sich von Pianist André Desponds begleiten, der die ganze Show inszenierte.

Rosen zum Abschied
Und am Schluss triumphierte: Ohne einmal geprobt zu haben, traten alle Stars nochmals auf die Bühne und sangen aus voller Kehle den Frank-Sinatra-Hit «My Way» - adaptiert und gewidmet dem Ehepaar Villiger, das vom scheidenden Gesellschafts-Präsident Toni Luginbühl und von der neuen Präsidentin Daniela Hausheer auch noch ein digitales Gästebuch geschenkt bekam. Toni Vescoli, Dodo Hug, Georges Gruntz, Isabelle Flachsmann– alle sangen und spielten sie zum Abschied noch einmal für Margrit und Gusti Villiger. Den Schlusspunkt aber setzten die Villigers, ganz ihrer langjährigen Tradition folgend, selber: Sie verteilten nämlich auf der Bühne allen Künstlerinnen und Künstler weisse und rote Rosen. Eine tolle Geste, ein unvergessliches Markenzeichen!

André Hälfiger, Zug.