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ZUGVÖGEL: Für Vögel geht’s nun südwärts

Wer fliegt in den Süden und wohin genau? Wie lange dauert die Reise, und wann ist Rückflug? Fragen über Fragen. Sophie Jaquier von der Vogelwarte Sempach hat die Antworten.
Susanne Holz
Derzeit sammeln sich die Weissstörche. Ihr Ziel: dem Winter davonfliegen. (Bild: Getty)

Derzeit sammeln sich die Weissstörche. Ihr Ziel: dem Winter davonfliegen. (Bild: Getty)

Interview: Susanne Holz

Sophie Jaquier, warum gibt es überhaupt Zugvögel?

Die im Winter fehlende Nahrung zwingt die Zugvögel, im Herbst in den Süden zu ziehen. Insektenfresser müssen am weitesten fliegen. Dorthin, wo sie Insekten finden, ans Mittelmeer oder nach Afrika. Körner- und Beerenfresser, aber auch die meisten Greifvögel und Enten, können nördlich der Sahara überwintern.

Wie viele Vögel aus der Zentralschweiz fliegen in den Süden?

Unserer groben Schätzung nach könnten es etwa 2 Millionen sein.

Welche sind schon weg, und seit wann?

Als Erste verlassen uns Ende Juli die Mauersegler, im Moment sammeln sich die Weissstörche in grossen Gruppen, um nach Süden zu ziehen. Grundsätzlich verlassen uns die «Langstreckenzieher», also Vögel wie die Mauersegler, die südlich der Sahara überwintern, früher als die «Kurzstreckenzieher», die den Winter im Mittelmeerraum verbringen.

Welche fliegen erst noch weg, und wann?

Später im Herbst ziehen auch Vögel, die sich von Samen, Nüssen oder Beeren ernähren. Wie der Buchfink oder die Ringeltaube, die als Kurzstreckenzieher im September/Oktober/November fliegen.

Wohin fliegen sie alle?

Die Rauchschwalbe beispielsweise ist eine Langstreckenzieherin. «Unsere» Rauchschwalben fliegen bis ins tropische Westafrika, manche sogar nach Angola. Andere Rauchschwalben, etwa aus Osteuropa, ziehen nach Ostafrika. Der Mauersegler ist den ganzen Winter in Afrika in der Luft unterwegs. Er landet nie und ist dort anzutreffen, wo er viele Insekten in der Luft schnappen kann.

Wie lange brauchen die Vögel? Fliegt die eine Art schneller als die andere?

Vögel können sehr schnell sehr weit fliegen. Im Herbst lassen sie sich aber viel Zeit. Anders im Frühling, wenn sie so rasch wie möglich zurückkommen wollen, um hier ein gutes Revier zu finden. Mit Satellitensender ausgerüstete Weissstörche flogen in 33 Tagen von der Schweiz nach Mauretanien (4500 km). 12 Tage Rast inklusive. Sie flogen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von bis zu 45 km/h. Skandinavische Fischadler flogen schneller nach Afrika: mit etwa 56 km/h. Sie brauchten 60 Tage für 8000 km, 27 Tage davon rasteten sie.

Machen alle Vögel Pausen? Wie und wo schlafen und essen sie?

Die meisten Arten machen immer wieder Pausen, um ihre Energiereserven wiederaufzubauen. Die meisten Langstreckenzieher fliegen nachts und rasten und ernähren sich tagsüber. Anders die Schwalben: Sie sind zwar auch Langstreckenzieher, aber da sie Insekten im Flug fressen, fliegen sie tagsüber. Kurzstreckenzieher, die tagsüber fliegen, finden abends einen Platz zum Schlafen, ausser sie überqueren gerade das Meer: Dann heisst es weiterfliegen! Die Mauersegler wiederum verbringen ihr ganzes Leben in der Luft (ausser beim Eierbebrüten). Während sie schlafen, sorgt ein Teil ihres Gehirns dafür, dass die Flügel in Bewegung bleiben.

Fliegen die Vögel in Familienpulks? Schaffen junge Vögel die Reise?

Man geht davon aus, dass die meisten Kleinvogelarten nicht in Familiengruppen ziehen. Bei Gänsen und Kranichen hingegen folgen die Jungen ihren Eltern bei der ersten Reise gen Süden. Bei den Gänsen bleiben die Familien sogar den ganzen Winter zusammen und auch bei der Rückreise noch. So lernen die Jungen den Weg. Bei den Arten, die nicht von der Erfahrung der Eltern profitieren, wissen die Jungen instinktiv, in welche Richtung und wie lange sie ungefähr fliegen müssen. So kommen sie im richtigen Wintergebiet an.

Wann kommen die Vögel zurück?

Die ersten Zugvögel, die im Frühling am Brutplatz auftauchen, sind jene, die im vergangenen Herbst als letzte wegzogen: die Kurzstreckenzieher also. Amseln, Stare und Buchfinken, die in Südeuropa überwintert haben, kehren bereits ab Februar wieder zurück. Im April und Anfang Mai treffen die Hauptmassen der Langstreckenzieher ein, die den Winter südlich der Sahara verbracht haben. Wer früh ankommt, kann die besten Reviere besetzen. Deshalb besteht beim Frühlingszug ein enormer Druck, zum richtigen Zeitpunkt im Brutgebiet zu sein. Einerseits sollte man vor der Konkurrenz da sein, andererseits auch nicht zu früh, um nicht von Kälteeinbrüchen und Nahrungsmangel überrascht zu werden. Die Kurzstreckenzieher bauen darauf, dass die steigenden Temperaturen im Winterquartier in direktem Zusammenhang mit dem Einzug des Frühlings im Brutgebiet stehen. Für die Langstreckenzieher gibt es südlich der Sahara keine Möglichkeit, zu spüren, wie weit der Frühling in Europa fortgeschritten ist. Allein ihre innere Uhr bestimmt, wann sie aufbrechen.

Wie alt werden Vögel überhaupt? Wie oft im Leben zieht ein Vogel folglich in den Süden?

Generell kann man sagen, dass Singvögel bis und mit Drosselgrösse etwa eine durchschnittliche Lebenserwartung von bis zu 2 Jahren haben. Der Wert ist darum so niedrig, weil viele Vögel (60–80%) dieser Arten bereits im ersten Lebensjahr sterben. Haben sie dieses einmal überlebt, liegt die weitere jährliche Sterblichkeit bei rund 50%. Manche leben 5 oder mehr Jahre. Das Höchstalter kann bis zu 15 Jahre betragen.

Und welche Vögel bleiben hier? Sind diese robuster als die Zugvögel?

Die Vögel, die im Winter bei uns bleiben, sind die, die hier Futter finden. Zum Beispiel die Meisen, die im Winter Samen fressen. Greifvögel wie Mäusebussarde und Turmfalken jagen Mäuse auch im Winter hier. Bei sehr viel Schnee kann es sein, dass manche Vögel temporär in mildere Gegenden ausweichen. Der Tannenhäher jedoch, welcher sehr viele Arvennüsse (bis zu 100 000 pro Vogel) im Waldboden versteckt, findet diese Nüsse auch bei einer sehr dicken Schneedecke wieder.

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