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1. AUGUST: Höhenfeuer: Einst bei Gefahr, heute fürs Gemüt

Feuer zum Nationalfeiertag haben bei uns Tradition. Ihr Ursprung führt bis ins 15. Jahrhundert zurück. Damals erfüllten sie allerdings noch einen völlig anderen Zweck.
Niels Jost
Höhenfeuer sind in der ganzen Schweiz beliebt - hier eine Aufnahme aus den Waadtländer Alpen. (Bild: Keystone/Laurent Gilliéron)

Höhenfeuer sind in der ganzen Schweiz beliebt - hier eine Aufnahme aus den Waadtländer Alpen. (Bild: Keystone/Laurent Gilliéron)

Niels Jost

Höhenfeuer gehören genauso zu unserem Nationalfeiertag wie Feuerwerk, Schweizer Fahnen auf dem Balkon und die Feier auf dem Rütli. Auf Hunderten Gipfeln erglühen die Feuer mit dem Verschwinden der Sonne hinter den Bergkämmen und dem Einbruch der Dämmerung. Ein Schauspiel sondergleichen, dessen ursprünglicher Zweck jedoch alles andere als der Freude der Bevölkerung im Tal galt.

Ab 1529: Männer mobilisieren

Der Ursprung des 1.-August-Feuers dürfte wohl in den Hochwachten liegen. Ab dem 15. Jahrhundert entflammte man an hoch gelegenen strategischen Punkten in der ganzen Schweiz ein Feuer, wenn Gefahr durch feindliche Truppen bestand oder um Männer zu mobilisieren. Einmal angezündet, wurde das Feuerzeichen von Berg zu Berg weitergegeben – ab dem Jahr 1529 auch in der ganzen Zentralschweiz, etwa auf dem Krienser Sonnenberg, in Meggen, Seelisberg, auch in Zug oder auf dem Bürgenberg in Nidwalden, wie Peter Xaver Weber im «Geschichtsfreund» von 1918 schreibt (siehe Hinweis).

In gewissen Gebieten wurden die Holzhaufen ganz simpel hergerichtet, indem etwa drei Tannen aneinandergelegt wurden. Dieses Gebilde war schnell mal 6 Meter hoch. Im Kanton Luzern bestanden die Hochwachtfeuer meist aus einem hohen Holzgerüst aus Stroh und dürren Stauden. Musste es tagsüber angezündet werden, legte man zudem grüne Tannenzweige bei, damit sich genügend Rauch bildete, der weit zu sehen war. Damit waren die Höhenfeuer wohl die erste und einfachste Form der Kommunikation über grössere Distanzen. Die Feuer brannten gut eine Stunde. Die Botschaft gelangte schnell vom Sender zum Empfänger: Von Luzern aus war etwa das 34 Kilometer entfernte Wikon in rund anderthalb Stunden alarmiert – dazwischen standen fünf Hochwachten.

«Gegen feindliche Konfessionen»

Das Netz der Hochwachten weitete man ständig aus, vor allem im 17. und im 18. Jahrhundert. Alleine im Kanton Luzern gab es damals 17 Hochwachten. Neben den Holzhaufen waren auch Wachthütten mit einer meist zwei- bis vierköpfigen Mannschaft auf den exponierten Punkten stationiert. Das Alarmsystem diente jedoch nicht bloss dem «Schutze der ganzen Eidgenossenschaft gegen einen gemeinsamen äusseren Feind», sondern auch «gegen etwaige feindliche Angriffe der gegnerischen Konfession», schreibt Weber. Die Hochwachten im Luzerner Hinterland waren deswegen besonders wichtig, grenzten sie doch an die reformierten Kantonsgebiete von Aargau und Bern.

Letztmals übermittelte man in Luzern im Jahre 1847 ein militärisches Signal via das Hochwachtensystem. Das heisst aber nicht, dass die Gefahren gebannt waren. Ersetzt wurden die Feuer durch die optische Telegrafie (durch ein bewegliches Balkensystem). Aber nur kurz: Denn noch im selben Jahr ihrer Einführung wurden sie 1851 durch die elektrische Telegrafie ersetzt.

Der Gründung gedenken

Die Hochwachten bleiben bis heute erhalten – etwa durch ihre Namen. So heisst heute etwa eine Anhöhe auf dem Zugerberg so.

Erhalten bleiben die Feuer auch durch die Feierlichkeiten zum 1. August. Seit 1891 wird der Nationalfeiertag an diesem Datum in der ganzen Schweiz gefeiert. Seither ist dieser Tag auch ein Feiertag. Wieso ausgerechnet zum Geburtstag der Schweiz wieder an exponierten Punkten Feuer gezündet werden, ist Webers Artikel nicht zu entnehmen. Fakt ist aber: Die Höhenfeuer, die in vier Tagen wieder vielerorts zu sehen sind, werden unter anderem im Gedenken an die Gründung der Eidgenossenschaft entfacht. Dies nennt zumindest Peter Niederberger (57) als Grund, wieso er seit 15 Jahren auf dem Stanserhorn am Abend des 1. August ein Höhenfeuer aus einem rund 3,5 Meter hohen Holzberg zündet. «Das Feuer frischt die Erinnerung an die Ursprünge unseres Landes auf», sagt der Dallenwiler. Seit wann auf dem Stanserhorn am Abend des Nationalfeiertags ein Feuer glüht, weiss Niederberger nicht. Er sagt aber: «Das 1.-August-Feuer ist eine Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.»

Der Freude und Schönheit halber

Ein weiterer zentraler Grund, wieso man heutzutage ein Höhenfeuer am 1. August zündet, ist das gemütliche Beisammensein und Feiern. «Anders als ein Feuerwerk ist das Feuer ruhig und besinnlich», sagt Peter Niederberger. Auch «für die dort unten im Tal» sei es etwas Schönes.

Der Freude und Schönheit halber entfacht auch die Hängifeld-Mannschaft jährlich ein 1.-August-Feuer am Pilatus. Über hundert kleine Feuer zündet sie an der östlichen Flanke des Berges, beim Hängifeld, zu einem riesigen Schweizer Kreuz an. Dieses misst in der Vertikalen 120 Meter, in der Horizontalen 90 Meter, um im runsendurchsetzten Gelände eine bildhafte Symmetrie zu erreichen. 20 Männer entzünden das Kreuz Punkt 21.30 Uhr – heuer zum 64. Mal. «Damit wollen wir allen eine Freude machen – und natürlich des Nationalfeiertags gedenken», sagt Pius Keiser, Obmann der Hängifeld-Mannschaft, die dem Verein der Hergiswiler Alpenfreunde angegliedert ist. Auch er hat die Tradition des 1.-August-Feuers schon als Kind mit auf den Weg bekommen – und möchte sie weiterhin pflegen.

Hinweis

Quelle: «Der Geschichtsfreund», Mitteilungen des historischen Vereins der Fünf Orte Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug. Band LXXIII, 1918.

Hier sehen Sie in unserer Region Feuerwerke

Am Sonntag und am Montag werden in vielen Gemeinden der Zentralschweiz Feuerwerke gezündet. Hier finden Sie eine Auswahl:

31. Juli

Flüelenbietet ein Feuerwerk auf dem Urnersee, dieses findet am 31. Juli um 22.30 Uhr statt. Gleichentags steigt auch in Lungern um 22 Uhr auf dem See ein Feuerwerk.

1. August

Ein grosses Feuerwerk gibt es am 1. August auf dem Vierwaldstättersee vor Brunnen. Es beginnt um 21.45 Uhr. Ein weiteres Feuerwerk ist wenig später in der Vitznauerbuchtvorgesehen; Beginn: 22.30 Uhr.

Auch in Sempachfindet zum Abschluss der 1.-August-Feier ein Feuerwerk statt.

In Hergiswil NW steigen am Hängifeld um 21.30 Uhr Raketen in den Himmel. Ebenso auf der Bannalpbeim Bannalpsee um 22.30 Uhr. In Flüeli-Ranft findet ein Feuerwerk im Rahmen des Festakts statt, in Giswilbeim Camping um 21.30 Uhr, in Sarnenum 22 Uhr.

In Andermattist im Anschluss an die 1.-August-Feier beim Hotel The Chedi ein Feuerwerk zu sehen. Ausserdem können diverse Höhenfeuer erlebt werden. So zum Beispiel auf der Rigi, in Engelberg, auf der Klewenalp, auf Melchsee-Frutt, auf dem Stanserhornund auf dem Fronalpstock.

Vorsicht mit Feuerwerk

Laut der Beratungsstelle für Brandverhütung verletzten sich im letzten Jahr am 1. August nicht weniger als 250 Personen im Umgang mit Feuerwerk. Wer also ein eigenes Feuerwerk abbrennt, sollte Vorsichtsmassnahmen beachten. Speziell Kinder sind einem hohen Risiko ausgesetzt. Die Beratungsstelle hält die folgenden Tipps bereit:

  • Informieren Sie sich beim Kauf über den Gebrauch und lesen Sie die Gebrauchsanweisung.
  • Lagern Sie Feuerwerk immer kühl und trocken.
  • Platzieren Sie Feuerwerk auf einem stabilen Untergrund, mit den vorgeschriebenen Sicherheitsabständen zu Menschen, Tieren und Gebäuden.
  • Feuern Sie Raketen nur aus gut gesicherten Flaschen oder Rohren ab.
  • Zünden Sie Feuerwerk nie in Menschenmengen an.
  • Halten Sie Kinder von Feuerwerk fern. Lassen Sie Jugendliche nur unter Aufsicht Feuerwerk zünden.
  • In der Nähe von Feuerwerk gilt absolutes Rauchverbot.
  • Nähern Sie sich Blindgängern erst nach zehn Minuten, und zünden Sie diese nie nach.
  • Gebrauchtes Feuerwerk vor dem Entsorgen mit Wasser übergiessen.
  • Schützen Sie Häuser vor unkontrollierten Feuerwerkskörpern. Schliessen Sie Türen, Fenster und Dachluken.
  • Halten Sie Löschmittel bereit – zum Beispiel einen Feuerlöscher, eine Löschdecke oder einen Kübel Wasser.
Der Lichterzauber über dem Urnersee ist am 31. Juli wieder in Flüelen zu bewundern. (Archivbild Sven Aregger)

Der Lichterzauber über dem Urnersee ist am 31. Juli wieder in Flüelen zu bewundern. (Archivbild Sven Aregger)

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