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17 tödliche Lungenembolien nach der Pille

Der «Fall Céline» hat die Risiken der Antibabypille in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt. Seither verzeichnet Swissmedic, die Aufsichtsbehörde für Arzneimittel, ein Vielfaches an Meldungen wegen unerwünschter Nebenwirkungen.
Kari Kälin
Kann mitunter schwere Nebenwirkungen haben: die Antibabypille. (Bild: Tanya Joy/Getty)

Kann mitunter schwere Nebenwirkungen haben: die Antibabypille. (Bild: Tanya Joy/Getty)

Mitte Januar 2008 erhielt die ­damals 16-jährige Céline Pfleger die verschreibungspflichtige Antibabypille «Yasmin», ein Produkt der Pharmafirma Bayer. ­Wenige Wochen später erlitt sie eines Morgens vor den Augen ihrer Mutter einen Zusammenbruch, wurde notfallmässig ins Spital gebracht. Die Ärzte diagnostizierten eine beidseitige Lungenembolie. Diese führte zu einem Sauerstoffmangel und zu schweren Hirnschäden. Céline ist heute spastisch gelähmt. Die junge Frau lebt in einem Heim für schwerbehinderte Menschen in Schaffhausen.

Céline und ihre Familie verklagten Bayer mit Unterstützung der Krankenkasse CSS auf 5,3 Millionen Franken Schadenersatz und eine Genugtuung von 40 000 Franken. Das Unternehmen, so die Begründung, habe nicht ausreichend auf die Risiken des Verhütungsmittels hingewiesen. Die Richter in Lausanne wiesen die Forderung jedoch ab.

«Meldebewusstsein hat sich deutlich verbessert»

Das Drama um Céline befeuerte eine lange anhaltende öffentliche Diskussion über die Nebenwirkungen der Pille. Das schlägt sich jetzt in der Statistik von Swissmedic nieder. Erhielt die Schweizer Aufsichtsbehörde für Arzneimittel zwischen 2004 und 2012 jährlich 170 bis 270 Meldungen über unerwünschte Nebenwirkungen nach der Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln, so hat sich diese Zahl seither fast verdoppelt. «Das Meldebewusstsein hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert», teilte Swissmedic neulich mit. Die Aufsichtsbehörde erfasst seit 1990 sogenannte Spontanmeldungen zu unerwünschten Folgen der Antibabypille.

Swissmedic erhielt seit 1990 insgesamt 17 Berichte über tödliche Lungenembolien, die letzte im Oktober 2015. Die Frauen waren zwischen 17 und 49 Jahre alt. Zehn Betroffene wiesen mindestens einen Risikofaktor für eine venöse Thromboembolie auf. Bei Letzterer gerinnt Blut in einer Vene zu einem Pfropfen. Löst sich zum Beispiel ein Pfropfen im Bein und wird in die Lunge geschwemmt, dann spricht man von einer Lungenembolie. Wenn das in der Lunge mit Sauerstoff angereicherte Blut nicht mehr weitertransportiert werden kann, kommt es im Gehirn zu einem Sauerstoffmangel.

Erhöhte Thrombosengefahr besteht zum Beispiel bei Frauen über 35 Jahren, Übergewichtigen, Rauchern, nach langen Flug- oder Autoreisen oder genetischer Veranlagung. Wie oft Frauen nach Einnahme der Pille schwere Behinderungen davon tragen wie Céline, ist nicht bekannt. Dazu verfügt Swissmedic über keine Statistik.

«Yasmin» gehört zu den sogenannten Kombinationspräparaten, die zwei Hormone enthalten. Von 1000 Frauen, die während eines Jahres auf hormonelle Verhütung dieser Art setzen, erleiden 0,5 bis 1 Frau eine Throm­bose. Bei einem Teil davon führt das zu einer Embolie. «Sehr wenige dieser Embolien enden in einem Todesfall», sagt Professor Bruno Imthurn, der das Kinderwunschzentrum am Universitätsspital Zürich leitet.

Risiko mit Pille erhöht, aber immer noch gering

Das Thromboserisiko sei unter Einnahme der Pille erhöht, aber immer noch gering. «Es ist wichtig, dass die Pille nur an Frauen ohne Risikofaktoren verschrieben wird und dass sie auch wissen, dass es sich bei der Pille um ein Medikament und nicht ein harmloses Sugus handelt», sagt er.

Dass die Frauen und die Gesellschaft durch den Fall Céline ­verstärkt für das Thema Verhütung sensibilisiert worden sind, beurteilt Imthurn als eine «sehr gute Entwicklung». Er weist aber auch darauf hin, dass zum Beispiel bei einer Schwangerschaft ein mehrfach erhöhtes Throm­boserisiko bestehe als bei der Einnahme einer modernen Pille. Sehr gute Alternativen zur Kombinationspille seien etwa die Gestagenpille oder die Spirale.

Ob die unerwünschten Ne­benwirkungen, die Swissmedic zu Ohren kommen, tatsächlich direkt auf die Einnahme der Pille zurückzuführen sind, bleibt offen. Bruno Imthurn sagt: «Was im Einzelfall die Ursache oder die Summe von Ursachen für eine Thrombose war, ist häufig schwer zu sagen.» Swissmedic taxiert beim Spontanmeldesystem eine Kausalität je nach Fall als wahrscheinlich, möglich oder unwahrscheinlich. «Eine wichtige Rolle bei der Beurteilung spielen einerseits die Vorgeschichte der Anwenderin und andererseits all­fällige bestehende Risikofaktoren wie etwa das Rauchen», sagt Sprecherin Danièle Bersier.

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