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33 FRAGEN: Cédric Wermuth: «Ich halte es überall aus»

SP-Nationalrat Cédric Wermuth sagt, was es mit der Affenhitze auf sich hat, wo es ihn in den Sommerferien hinzieht und worauf er auch in dieser Zeit nicht verzichten kann.
Cédric Wermuth. (Bild: Keystone)

Cédric Wermuth. (Bild: Keystone)

Cédric Wermuth, was ist der Sommer für Sie? Zeit der Musse oder des Müssens?

Es ist in den letzten Wochen vor den Ferien ein ziemlicher Krampf. Alle wollen noch alles reinquetschen. Aber sobald ich mit meiner Familie weg bin – definitiv Musse.

Gönnen Sie sich in diesen Wochen bewusste Nachlässigkeit? Und wie?

Ganz einfach dadurch, für einige Wochen Herr der eigenen Agenda zu sein.

Was geht trotz etwas lockerer Sitten gar nicht?

Auf den Kaffee am Morgen verzichten. Ich habe es in den Ferien auch schon versucht, aber es geht partout nicht.

Für die einen ist der Sommer Traumzeit, für die anderen Übergangszeit zwischen Frühling und Herbst. Für Sie?

Definitiv meine Zeit. Ich bin kein Freund von kalt und nass.

Bleiben Sie überzeugt daheim? Oder gehen Sie unverdrossen in den Süden?

Zweiteres. Ich muss wirklich weg, um abschalten zu können. Es muss allerdings nicht immer der Süden sein, mir gefällt der Sommer auch im Norden.

Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb sich die Affenhitze im Ausland besser aushalten lässt als zu Hause?

Als Parlamentarier habe ich sowohl viel Erfahrung mit Affen als auch viel Erfahrung mit heisser Luft. Von daher halte ich es überall aus.

Wohin führt Sie der Sommer heuer?

Südfrankreich. Ich könnte behaupten, weil man dort traditionell links wählt. Das wäre aber gelogen, tatsächlich war der Apéro ausschlaggebend.

Was ist Ihr Sommersehnsuchtsort?

Die Hängematte im Schatten, egal wo. Mit Apéro.

Und wohin wollten Sie schon immer einmal?

Uff. Da gibt es vieles. Ich reise für mein Leben gern. Im südlichen Afrika war ich eben, da möchte ich unbedingt wieder hin.

Wenn Sie wählen können: Eistee oder Cüpli? Oder etwas ganz anderes?

Bier.

Gazpacho oder Wassermelone oder ...?

Geheimtipp: Wassermelone pürieren und zur Gazpacho geben.

Vitello tonnato, T-Bone-Steak oder Couscous-Salat?

Etwa in dieser Reihenfolge.

Sind Sie der Sonnen- oder der Schattentyp?

Der Schattentyp, definitiv.

Gilt das auch im übertragenen Sinn? Nein, ich sitze auf der Sonnen­seite des Parlaments.

Und wie ist es mit dem Wasser? Lieber drinnen oder draussen?

Eher draussen, mit kurzen Sprüngen zur Abkühlung.

Sind Sie der Pool- oder der Wildwassertyp?

Der Wildwassertyp, ganz klar.

«An einem Sommermorgen, da nimm den Wanderstab, es fallen deine Sorgen wie Nebel von dir ab», schrieb Theodor Fontane. Ein gutes Motto?

Kommt darauf an, was man mit dem Stab nachher vorhat.

Was ist Ihr Sommermotto?

Handy abschalten.

Apropos Lektüre: Haben Sie Thriller, Sommerschnulze oder ernsthafte Gegenwartsliteratur in der Badetasche?

Verschiedene. Ich lese meist mehrere Bücher. Alles, was sich so zwischen den Ferien ansammelt.

Wenn Sie wählen müssten: «Der Fall Deltschev» von Eric Ambler, «Das kleine Inselhotel» von Sandra Lüpkes oder «Hagard» von Lukas Bärfuss?

Genau 100 Jahre nach der Russischen Revolution beschäftige ich mich mit der Geschichte des Stalinismus. Da passt Ambler.

Was lesen Sie gerade?

Ich lasse mich am Morgen vor der Abreise noch in meiner Stammbuchhandlung beraten.

Sommer – Zeit des Glücks. Des eigenen? Oder jenes der andern? Oder gar niemandes? Die meisten Ehen werden nach den Sommerferien geschieden.

Bisher waren die Sommerferien als Familie immer grossartig. Drücken Sie mir die Daumen!

Umgekehrt: Was braucht es für Sie, damit die Sommer­frische nicht ein Phantom bleibt, das in der schwülen Nacht verdampft?

Meine Frau, meine Tochter, einen Grill und ein Glas französischen Weissweins.

Apropos Illusion am Sommernachthimmel: Möchten Sie im Open-Air-Kino «Die göttliche Ordnung» sehen oder doch lieber wieder einmal «Pretty Woman»?

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich «Die göttliche Ordnung» noch nicht gesehen habe. Aber ich hole es nach!

Hand aufs Herz: Ist die Vorfreude auf den Sommer nicht regelmässig grösser als die Befriedigung darüber, was er am Ende gebracht hat?

Nein, gar nicht. Meine schönsten Erinnerungen sind fast alle im Sommer verortet.

Vielen geht es so: Sie kommen anscheinend erfrischt aus den Ferien. Sie wollen so viel wie möglich in den Alltag retten. Und eine Woche später erinnern Sie sich kaum daran, wo sie gewesen sind. Wie geht es Ihnen?

Genau so. Am Ende der ersten Woche nach den Ferien habe ich oft Lust, alles hinzuschmeissen und wieder abzureisen.

Können Sie in den Sommer­ferien abschalten von der Arbeit? Oder bleibt es beim Vorsatz?

Ja, heute kann ich das.

Beunruhigt Sie die Abwesenheit der Arbeit, des Alltags manchmal?

Nein, keine Sekunde.

Und die Arbeitskollegen, die von einem Tag auf den anderen durch Familie und Freunde ersetzt wurden: Sehnen Sie sich insgeheim nach ihnen?

Ich muss jetzt aufpassen, wer das liest, aber wenn ich ganz aufrichtig bin: Nein, in den Ferien nicht.

Verschicken Sie noch Post­karten? Oder haben Sie einen Ferienchat?

Ich mache beides. Moderne Grosseltern wollen Live-Berichterstattung und Kinderzeichnung.

Frank und frei: Was schreiben Sie Donald Trump auf die Postkarte, die Sie nie abschicken werden?

Naja, einerseits wäre das wohl strafrechtlich relevant, deshalb kann ich es hier nicht schreiben. Andererseits wäre mir der Franken dafür zu schade.

An welches Sommerferien­erlebnis erinnern Sie sich besonders gern?

An viele. Aber ich hoffe immer, dass der nächste Sommer der beste wird!

Und an welches erinnern Sie sich mit Schaudern?

Als auf einem Segelboot auf offener See zwischen Panama und Kolumbien mitten in der Nacht bei Windstille der Motor ausfiel. Das war nicht so angenehm.

Fragenkatalog: Balz Bruder

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