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Neuer Streit um Handystrahlung: 5G-Skeptiker beklagen Bubentrick

Antennengegner werfen dem Bundesrat vor, den Schutz vor der Handystrahlung durch die Hintertüre zu lockern. Sie warnen vor einer Vervielfachung der Belastung.
Roger Braun
Telekomanbieter machen vorwärts mit dem Bau von 5G-Antennen. Bild: Keystone (Chêne-Bougeries, 5. April 2019)

Telekomanbieter machen vorwärts mit dem Bau von 5G-Antennen. Bild: Keystone (Chêne-Bougeries, 5. April 2019)

Schnell ist es, das Mobilfunknetz der fünften Generation. In zwei Sekunden lässt sich ein Spielfilm herunterladen. Doch wird 5G auch bald in der Schweiz verfügbar sein? Seit der Ständerat zweimal Nein gesagt hat zur Lockerung des Strahlenschutzes, sehen die Telekomanbieter den Ausbau des 5G-Netzes gefährdet. Derzeit macht sich eine Arbeitsgruppe Gedanken, wie das ultraschnelle Internet künftig flächendeckend verbreitet werden kann.

Der Bundesrat bleibt in der Zwischenzeit nicht untätig. Vergangene Woche verschickte er eine Medienmitteilung mit einem harmlos klingenden Titel: «Bundesrat genehmigt Änderungen an sechs Verordnungen.» Eine davon betraf technische Anpassungen zu 5G-Antennen. Der Schutz vor Strahlung sei davon nicht betroffen, beteuerte der Bundesrat. Kaum jemand nahm von der Mitteilung Notiz. Bis sich gestern der Verein «Schutz vor Strahlung» zu Wort meldete. Der Verein warnte:

«Entgegen der Medienmitteilung aus dem Bundeshaus führen diese Anpassungen zu einer starken Schwächung des Schutzniveaus vor Mobilfunkstrahlung.»

Der Entscheid sei «ein Ostergeschenk» für die Telekomanbieter, kritisierte der Verein, eine «Grenzwerterhöhung durch die Hintertüre».

Lockerer Umgang mit maximalen Grenzwerten

Um was geht es? Sendeanlagen der neusten Generation strahlen anders als herkömmliche Antennen. Sie richten die gesteigerte Leistung gezielt auf den aktiven Mobilfunknutzer, während das restliche Umfeld der Antenne deutlich weniger belastet wird. Der Bundesrat hat deshalb entschieden, für diese «adaptiven Antennen» eine spezielle Rechtsgrundlage zu erstellen. Dürfen herkömmliche Antennen den maximalen Grenzwert für den Strahlenschutz zu keinem Zeitpunkt überschreiten, soll bei adaptiven Antennen «die Variabilität der Senderichtungen und der Antennendiagramme berücksichtigt werden», wie es in der Verordnung heisst, die ab 1. Juni gilt.

Wie die variable Belastung konkret gemessen wird, muss das Bundesamt für Umwelt noch in einer Vollzugshilfe an die Kantone regeln. Klar ist, dass adaptive Antennen mit grösseren maximalen Strahlungen werden operieren können. Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz sehen hier ähnlich wie der Verein «Schutz vor Strahlung» ein Einfallstor für die Schwächung des Strahlenschutzes: Markus N. Durrer, der die Umweltschutzorganisation in der Arbeitsgruppe des Bundes vertritt, spricht von einem «Bubentrick» des Bundesrats. Er warnt davor, dass die Verordnungsänderung den Weg frei macht für eine Erhöhung der effektiven Sendeleistung um den Faktor 10 bis 40.

Misstrauen auch im Parlament

Auch Mitglieder des Parlaments sind aufgeschreckt. «Hier wird das Potenzial geschaffen, um den Strahlenschutz empfindlich zu schwächen», sagt der Zürcher SP-Nationalrat Thomas Hardegger. Er befürchtet, dass das Bundesamt für Umwelt unter Druck geraten wird, eine telekomfreundliche Vollzugshilfe zu formulieren. Unverständlich ist für ihn der Zeitpunkt des Entscheids:

«Ich verstehe nicht, wieso der Bundesrat vorprescht, bevor die Arbeitsgruppe im Sommer ihre Ergebnisse präsentiert hat.»

Für ihn herrscht keine Eile, so komme die 5G-Technologie in der Schweiz ja noch gar nicht zur Anwendung. Eigenartig mutet ihm auch die Art der Kommunikation an. «Kurz vor Ostern, verpackt mit fünf anderen Verordnungen – das lässt vermuten, dass der Bundesrat möglichst wenig Aufsehen erregen wollte», sagt Hardegger.

Ganz anders sieht das Peter Grütter, der Präsident des Verbands der Telekomanbieter Asut. «Das ist keine Lockerung durch die Hintertüre, sondern die Anwendung des Vorsorgeprinzips auf eine neue Antennentechnologie», sagt er. Für ihn ist es nichts als logisch, dass adaptive Sendeanlagen anders behandelt werden als die herkömmlichen. Grütter:

«Wenn Antennen nicht mehr strahlen wie Giessekannen, muss man die Belastung auch anders messen.»

Es gehe um nichts anderes, als eine angemessene Messmethodik zu finden. Die Befürchtungen des Vereins «Schutz vor Strahlung» hält er für überzogen. Der Bundesrat habe ja erst entschieden, dass es neue Messmethoden für eine neue Technologie brauche, sagt er. Welche das im Detail sein werden, sei Gegenstand von Diskussionen in der Arbeitsgruppe, wo auch Vertreter von Umwelt- und Gesundheitsorganisationen vertreten seien. «Das Klagen auf Vorrat ist unangebracht», sagt Grütter.

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