Oberanlage

Ab nächster Woche sondiert die Nagra an der Oberfläche

Die Nagra macht Feldbegehungen in den sechs Regionen, die als Standorte für ein Tiefenlager zur Lagerung radioaktiver Abfälle infrage kommen. Sie will so geeignete Standorte für Oberflächenanlagen finden. Nächste Woche ist Begehung in «Nördlich Lägern» dran.

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Ohne Oberanlage kein Tiefenlager

Ohne Oberanlage kein Tiefenlager

Andreas Bannwart

«Mit den Feldbegehungen verifizieren wir, was wir im Büro ausgearbeitet haben», sagt Susanne Haag, Verantwortliche für Raumplanung und Umweltverträglichkeit der Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle). Die Nagra hat die Aufgabe, dem Bundesrat konkrete Standorte für zwei Oberflächenanlagen vorzuschlagen.

Eine Anlage für hochaktive, eine für mittel- bis schwachaktive Abfälle – oder kombiniert in einer Anlage. Dort würden radioaktive Abfälle von Kastorbehältern in Endlagerbehälter umverpackt und über einen Tunnel ins Tiefenlager geführt. Die Verpackungsanlage hielte dabei einem Flugzeugabsturz stand.

Gemeinden kommen zu Wort

In den Feldbegehungen vergleicht die Nagra zusammen mit Ingenieuren und weiteren Fachpersonen ihre Standortpläne mit den Gegebenheiten in den Regionen. Damit vertieft sie ihre Datengrundlage, um diese ab Mitte 2011 den regionalen Interessengruppen als Diskussionsgrundlage vorzulegen. «Ein Oberflächenlager soll technisch umsetzbar und vernünftig sein; wir treffen keine Vorentscheide», sagt Haag.

Bei der Standortwahl für eine Oberflächenanlage habe die Gemeinde zudem ein Mitspracherecht, was beim Tiefenlager nicht der Fall sei. Der Standort eines Tiefenlagers werde nicht automatisch auch Standort einer Oberflächenanlage, unabhängig der Tunnellänge. Als Standorte wären brache Industriegegenden und alte Abbaugebiete besonders begünstigt. Auch Waldstücke, Hangfusslagen sowie Siedlungsgrenzen mit genügend Fläche kämen infrage. Zu meiden sind Wohnzonen und Schutzgebiete.

Begrenztes Sicherheitsrisiko

Unabhängig vom Standort erfüllt eine Oberflächenanlage überall die gleichen Sicherheitskriterien. Die Verantwortung dafür obliegt dem Eidgenössischen Nuklear-Sicherheitsinspektorat (Ensi). Heinz Sager, Kommunikationsleiter der Nagra, sieht für Anwohner kein besonderes Risiko: «Kastorbehälter sind etwas vom Massivsten, was es gibt.» Dies hätten Tests mit Hitze, Druck und Aufschlag gezeigt.

Zudem sei hochaktiver Abfall weder brennbar noch könne er explodieren. «Weltweit ist kein Fall bekannt von einem Kastorbehälter, aus dem radioaktive Strahlung ausgetreten ist», führt Sager weiter aus. Selbst im GAU-Fall (grösster anzunehmender Unfall) kann mit erprobten Massnahmen eine Strahlenausbreitung verhindert werden.

Begehungen im September

Frühester Baubeginn für ein Tiefenlager ist 2040, erste Abfälle könnten 5 Jahre später eingelagert werden. Ab dann könnte alle 2 Monate ein Transport mit radioaktiven Abfällen bei einer Oberflächenanlage ankommen. Die Begehungen in «Nördlich Lägern» finden vom 20. September bis 1. Oktober statt.