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Kommentar

ABB-Chef geht: Ein Abtritt zur Unzeit

Beim Industriekonzern ABB kommt es zu einem Wechsel an der Spitze. Der in den vergangenen Jahren immer wieder kritisierte Ulrich Spiesshofer gibt seinen Posten als Konzernchef per sofort ab.
Niklaus Vontobel

Lange wurde darüber spekuliert, nun muss Ulrich Spiesshofer seinen Posten als CEO von ABB doch aufgeben. Zwar stellt der Konzern den Abgang dar, als sei alles im besten Einverständnis gelaufen. Verwaltungsratspräsident Peter Voser dankte Spiesshofer nochmals herzlich für seine Dienste. Spiesshofer klang auch beim Abschied gewohnt euphorisch wortgewaltig. Er übergebe Voser ein «gut getrimmtes ABB-Schiff, dessen Kurs gesetzt ist und das Fahrt aufnimmt.»

Nur passt all das zur Schau getragene Einverständnis so gar nicht zum zeitlichen Ablauf. Ein Nachfolger von Spiesshofer ist noch nicht gefunden. Voser muss mit 61 Jahren nochmals vorübergehend als CEO ran. Und das ausgerechnet jetzt da, ABB in den nächsten Monaten gewaltige Aufgaben bevorstehen: Das mit den übrigen Sparten über Jahrzehnte verwachsene Stromnetzgeschäft muss abgespalten werden. Das Stromnetzgeschäft war historisch gesehen das eigentlich Herzstück des ABB-Konzerns.

Damit nicht genug. ABB hat sich zugleich noch zur Aufgabe gemacht, die Matrix-Organisation aufzulösen und so weitere Ersparnisse zu erzielen. Die Umstellung wird sehr viel Aufmerksamkeit des Managements auf sich binden. Aber mit Spiesshofer wird der Mann nicht mehr an Bord sein, der ABB auf diesen Kurs gesetzt hat. Mit Spiesshofer gehen auch fünf Jahren an Erfahrung auf dem CEO-Posten weg sowie 14 Jahre an Erfahrung in diversen Management-Positionen.

Und der Konzern scheint auch sonst nicht zur Ruhe zu kommen. Bereits hat sich ein neuer aktivistischer Investor eingekauft, die amerikanische Investmentgesellschaft Artisan Partners. Deren Vertreter kündigten via Finanzmedien flugs an: Mit dem Verkauf der Stromnetzsparte sei es nicht getan, es müssten andere Sparten verkauft werden.

Und Artisan Partner hat auch schon sehr konkrete Vorstellungen was als Nächstes verkauft werden soll. «Das Unternehmen sollte sich noch in mindestens zwei weitere Geschäftseinheiten aufspalten», hiess es gegenüber der «Finanz und Wirtschaft». Die Sparte mit den Elektrifizierungsprodukten habe wenig gemeinsam mit den anderen Sparten, die vorwiegend auf Fabrikautomation fokussiert seien.

Da droht einem Weltkonzern mit langer industrieller Tradition in der Schweiz die Zerlegung in die Einzelteile. Peter Voser wird alle Hände voll zu tun haben.

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