Absage an Experimente

Chefredaktor Thomas Bornhauser zum Ausgang der eidgenössischen Wahlen.

Merken
Drucken
Teilen
Die SVP stellt künftig mehr Parlamentarier im Nationalrat. Im Ständerat hat sich die Zusammensetzung weniger stark verändert. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/EPA KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Die SVP stellt künftig mehr Parlamentarier im Nationalrat. Im Ständerat hat sich die Zusammensetzung weniger stark verändert. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/EPA KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Wahlen produzieren Sieger und Verlierer. Und damit Emotionen. Umso mehr lohnt sich ein Blick auf die nüchternen Fakten. Und die zeigen, dass die Wahlen in der Schweiz zwei Sieger hervorgebracht haben: die SVP und die FDP. Daneben gibt es zwei Nichtverlierer, die CVP und die SP.

Die Kleineren aber, insbesondere die Grünliberalen und die Grünen, verlieren. Gemessen an den Wähleranteilen sind die Verschiebungen zwar überschaubar. Gemessen an den Mandaten aber werden sie die Arbeit im Parlament verändern. Denn im Nationalrat erreicht der Bürgerblock mit SVP und FDP jetzt rund die Hälfte aller Mandate.

In ersten Stellungnahmen wird diese Veränderung vorab zu Gunsten der SVP vor allem mit dem Ansturm von Flüchtlingen auf Europa begründet. Aber die Rückbesinnung auf die herkömmlichen Parteien und vor allem auf die bürgerlichen Kräfte hat darüber hinaus mit dem Zustand dieser Welt zu tun. Vieles, und immer mehr, scheint aus den Fugen geraten. Sicherheit und Wohlstand wirken immer mehr gefährdet. Da wünscht man sich umso mehr Klarheit und Berechenbarkeit, viel mehr jedenfalls als Experimente.

Einen ersten Prüfstein für das neue Parlament liefern die Bundesratswahlen vom 9. Dezember. Darüber hinaus wird sich die Stärkung der Bürgerlichen zum Beispiel in der Energiepolitik zeigen. Auch hier sinkt die Lust auf (grüne) Experimente. Die Nagelprobe für die bürgerliche Renaissance aber wird dann mit Europa kommen. Denn da wird die SVP als stärkste Partei des Landes mit ihrem Anti-EU-Kurs auch im bürgerlichen Lager keine Partner finden.

Thomas Bornhauser, Chefredaktor