ABSTIMMUNGEN: Manipulationsverdacht: SRF streicht Online-Voting

Wurden die Ergebnisse manipuliert? Eine Online-Umfrage des Schweizer Fernsehens wirft Fragen auf.

Drucken
Eine Pflegefachfrau impft einen Mann gegen die Schweinegrippe. (Bild: Keystone)

Eine Pflegefachfrau impft einen Mann gegen die Schweinegrippe. (Bild: Keystone)

red. Das Schweizer Fernsehen verzichtet künftig ganz auf Online-Votings zu politischen Themen. Dies entschied der Sender, nachdem es am Sonntag vor einer Woche auf der Website der Sendung «Arena» des Schweizer Fernsehens zu Unregelmässigkeiten gekommen ist. Die Zuschauer konnten auf der Seite abstimmen, ob sie dem neuen Epidemiengesetz zustimmen wollen oder beabsichtigen, am 22. September ein Nein in die Urne zu legen. Zwei Tage nach der Sendung veränderte sich die Statistik auf dramatische Weise. Um etwa 20 Uhr lagen die Gegner des neuen Gesetzes mit 68 zu 28 Prozent deutlich in Führung. Nur drei Stunden später hatten sich die Vorzeichen verkehrt: Nun waren 57 Prozent der User für das Gesetz und nur 40 Prozent dagegen.

Das Schweizer Fernsehen bestätigt gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag» den Vorfall. «Technische Abklärungen haben ergeben, dass wir eine Manipulation nicht ausschliessen können», so Sprecher Stefan Wyss. Zu Details – etwa, von wo aus die Manipulation begangen worden sein könnte – hüllt er sich in Schweigen. «Wir wollen keine Anleitung zur Manipulation geben», erklärt er.

Dennoch bleibt die Frage: Haben die Befürworter des Epidemiengesetzes ein unliebsames Umfrageergebnis manipuliert? «Wir haben damit nichts zu tun», sagt Pro-Kampagnenleiter Walter Stüdeli. Ihm sei der Vorfall aber ebenfalls aufgefallen. «Schon die 68 Prozent Nein-Anteil waren erstaunlich», sagt er. «Dass der Trend innert drei Stunden komplett gedreht hat, ist nicht nachvollziehbar.»

Viel mehr als an der Online-Umfrage stört sich Stüdeli aber an der Auswahl der «Arena»-Gäste. Besonders stossend sei gewesen, dass neben Daniel Koch, einem Mitarbeiter des Bundesamts für Gesundheit (BAG), die Juristin Marianne Wüthrich auf der Experten-Bank gesessen sei. «Das ist nicht sauber gelaufen. Frau Wüthrich ist klar für das Nein-Komitee tätig», sagt er. Tatsächlich schreibt sie Artikel und Abstimmungsempfehlungen auf einschlägigen Websites impfkritischer Kreise.

Beim SRF lässt man das nicht gelten. «In Abstimmungs-Arena-Sendungen gibt es keine neutralen Experten. Man kämpft entweder für ein Ja oder für ein Nein», so Sprecher Wyss. «Das war auch bei der letzten Sendung so. Marianne Wüthrich kämpfte für ein Nein und Daniel Koch für ein Ja.»

Aktuelle Nachrichten