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ABSTURZ: Politiker fordern rasch neue Kampfjets

Die Luftwaffe hat den abgestürzten F/A-18 im Sustengebiet geortet. Nach dem Verlust eines weiteren Kampfjets rückt die Frage nach Ersatz in den Vordergrund.
Kari Kälin
Felix Stoffel, Chef Berufsfliegerkorps, beantwortete Fragen zum abgestürzten F/A-18 an der gestrigen Medienkonferenz in Bern. (Bild: Keystone/Manuel Lopez)

Felix Stoffel, Chef Berufsfliegerkorps, beantwortete Fragen zum abgestürzten F/A-18 an der gestrigen Medienkonferenz in Bern. (Bild: Keystone/Manuel Lopez)

Kari Kälin

Gestern kurz nach Mittag hat sich die traurige Vermutung bestätigt: Der F/A-18-Kampfjet der Schweizer Armee, der seit Montagnachmittag als vermisst galt, ist abgestürzt. Von einem Heli­kopter aus entdeckte die Luftwaffe die Unfallstelle. Sie befindet sich im Grenzgebiet zwischen den Kantonen Uri und Bern, in der Nähe des 3440 Meter hohen Gipfels Hinter Tierberg im Sustengebiet. «Die Bilder sind schwer verdaulich», sagte Felix Stoffel, Chef des Berufsfliegerkorps und ehemaliger F/A-18-Pilot, gestern vor den Medien. In einem Bergkessel mit steilen Schnee- und Gletscherhängen kamen eine geschwärzte Fläche mit einem Durchmesser von rund 20 Metern sowie einige kleinere Trümmerteile zum Vorschein.

Pilot bleibt vermisst

Der Pilot konnte gestern bis Redaktionsschluss nicht gefunden werden. Die Suche läuft mit Hochdruck. Zu einer möglichen Unfallursache machte die Luftwaffe gestern keine Angaben, auch nicht zum Piloten. Die Militärjustiz untersucht den Fall.

Der Absturz vom Montag reiht sich ein in eine Serie von Unglücksfällen mit Kampfjets. In den letzten drei Jahren stürzten ein Tiger und drei F/A-18 ab. Die F/A-18-Flotte besteht damit noch aus 30 Fliegern, von den veralteten Tigern sind derzeit 25 Exemplare flugfähig. Gleichzeitig warten neue Aufgaben auf die Luftwaffe. Bis Ende 2020 baut sie den Luftpolizeidienst kontinuierlich auf einen 24-Stunden-Betrieb aus. Zwei bewaffnete Kampfjets werden ab dann rund um die Uhr innert höchstens 15 Minuten einsatzbereit sein.

Jets bald nicht mehr einsetzbar

Die Pechsträhne der Luftwaffe rückt die Frage nach neuen Kampfjets in den Vordergrund. Die F/A-18 erreichen zwischen 2025 und 2030 ihr Lebensende. Fest steht: Soll die Luftwaffe einsatzfähig bleiben, muss schon bald Ersatz her. Im nächsten Frühling will das Verteidigungsdepartement (VBS) eine Auslegeordnung präsentieren. Ab 2025 möchte Verteidigungsminister Guy Parmelin (SVP) die ersten neuen Kampfflieger in Betrieb nehmen.

Ist das angesichts der dezimierten F/A-18-Flotte früh genug? «Sollte sich zeigen, dass die F/A-18-Kampfjets schon früher als 2025 ihr Lebensende erreichen, stellt sich die Grundsatzfrage, ob man den Ersatz nicht rascher beschaffen muss», sagt Isidor Baumann, Urner CVP-Ständerat und Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK). Mit nur noch 30 Flugzeugen steige die Belastung der F/A-18-Flotte. An der morgigen Sitzung werden der Unfall und die Folgen für die Luftwaffe thematisiert. Baumann erwartet erste Einschätzungen von Bundesrat Parmelin. Mehr zu schaffen als die politischen Konsequenzen macht ihm aber die menschliche Tragödie: «Meine Gedanken sind bei der Familie des Piloten.»

40 bis 60 neue Jets

Die Frage nach einer Beschleunigung der Kampfjetbeschaffung stellt sich auch für Nationalrat Walter Müller (FDP, St. Gallen). Man müsse nun analysieren, was es bedeute, den Luftpolizeidienst mit weniger Fliegern rund um die Uhr zu garantieren. «Einen neuen Kampfjet zur Einsatzbereitschaft zu bringen, ist ein komplexes Unterfangen», sagt der Sicherheitspolitiker. Ergo müsse man nun Gas geben, um bei der Ausmusterung der F/A-18-Flotte bereit zu sein.

Für Alex Kuprecht, Schwyzer SVP-Ständerat und SiK-Mitglied, ist klar, dass das Thema Beschaffung neuer Kampfjets an Dringlichkeit gewinnt. Er geht davon aus, dass der Bundesrat in rund drei Jahren einen Typenentscheid fällt und die ersten neuen Exemplare ab 2025 geliefert werden. Offen bleibt, wie viele Kampfjets die Armee künftig haben soll. Kup­recht rechnet damit, dass der Bundesrat zwischen 40 und 60 neue Flieger kaufen möchte, um den Luftpolizeidienst und die Verteidigungsfähigkeit sicherzustellen.

F/A-18 schonen

Der Zuger FDP-Ständerat Joachim Eder bringt einen anderen Punkt ins Spiel. Ihm schwebt vor, die Ausmusterung der Tiger-Flotte hinauszuzögern, um die F/A-18 zu schonen. «Man muss die Flugtüchtigkeit der besten Tiger erhalten, um Zeit für die Beschaffung von neuen Kampfjets zu gewinnen», sagt das SiK-Mitglied. Über den Zeitpunkt der faktisch beschlossenen Ausmusterung der Tiger entscheidet das Parlament.

Dass die Luftwaffe neue Flieger braucht, zieht nicht einmal der Zürcher Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne) in Zweifel. Der Sicherheitspolitiker will aber nur so viele beschaffen, wie für den Luftpolizeidienst nötig sind. «Und es muss kein Flugzeug sein, mit dem man sich der Illusion hingibt, man könnte einen koordinierten Luftangriff auf unser Land abwehren», sagt er.

Keinen Kontakt zum Piloten

Felix Stoffel von der Luftwaffe erklärte gestern, der geplante 24-Stunden-Betrieb der Luftpolizei sei wegen des Verlusts einer weiteren Maschine nicht in Gefahr. Die Durchhaltefähigkeit für den Ernstfall hat sich aber reduziert.

Das verunglückte Kampfflugzeug war am Montag um 16.01 Uhr in Meiringen BE zu einem Trainingsflug gestartet. Um 16.05 Uhr verlor die Einsatzzentrale den Kontakt zum Piloten. Die abgestürzte Maschine hätte zusammen mit einem weiteren F/A-18 den Luftkampf gegen einen F-5-Tiger üben sollen. Wegen Wolken hatten die Piloten keinen Sichtkontakt und flogen nach Instrumentenflugregeln.

Wieso stürzen so viele F/A-18 ab?

Der langjährige Aviatikjournalist Rolf Müller (69) hat schon mehrere F/A-18-Einsätze in der Schweiz und im Ausland miterlebt. Im Interview ordnet der Redaktor beim Aviatikmagazin «Cockpit» den jüngsten Absturz ein.

Wie kann ein F/A-18-Jet einfach so vom Radar verschwinden?

Rolf Müller:Ein Grund ist: wenn er abstürzt. Das ist die Regel. Ausnahmsweise könnte es sein, dass eine Maschine kurz nicht mehr sichtbar ist, weil sie in einem äusserst tiefen Tal unterwegs ist, oder wenn der Peilsender ausfällt.

Was, denken Sie, ist vorgestern in der Luft über dem Susten passiert?

Müller: Da kann man momentan nur spekulieren. Was man weiss, ist: Der Pilot war per Funk auf einmal nicht mehr erreichbar, dann stiegen die Sender aus – das deutet bereits auf einen Absturz hin. Der grosse schwarze Flecken, den man gefunden hat, lässt mich vermuten, dass die Maschine unkontrolliert und frontal in den Berg geprallt ist. Doch was im Detail passiert ist, kann nur die angelaufene Untersuchung zeigen.

Wie kann es zu einem solchen Absturz kommen?

Müller:Möglich sind zwei Gründe. Erstens: ein technischer Fehler, also auch ein Aussteigen der Elektronik. Das kann bei einem Instrumentenflug extrem schnell gefährlich werden. Oder zweitens: Es war ein Pilotenfehler, etwa eine Fehleinschätzung der Situation durch Desorientierung.

Für wie wahrscheinlich halten Sie diese zweite Möglichkeit?

Müller:Auch da müsste ich spekulieren. Fakt ist: Die Schweizer Luftwaffenpiloten haben ein enorm hohes Niveau, auch bei internationalen Treffen erhalten die Schweizer stets Höchstnoten.

Was kann der Pilot denn noch tun, wenn das Flugzeug abstürzt?

Müller:Grundsätzlich versucht der Pilot, die Maschine zu retten. Wenn er merkt, dass das nicht geht, hat er den Schleudersitz. Doch diese Entscheidungen müssen dann oft in Sekundenbruchteilen geschehen. Manchmal ist es aber zu spät.

Denken Sie, man hat den Piloten noch nicht gefunden, weil er den Schleudersitz betätigte?

Müller:Das ist möglich. Auch am Schleudersitz ist ein Sender. Sollte dieser noch Signale abgegeben haben, wäre dies ein Zeichen dafür, dass der Pilot ausgestiegen ist.

Die Schweizer Luftwaffe hat in den letzten drei Jahren drei F/A-18 durch Abstürze verloren. Woran liegt das?

Müller: Ich denke, das ist eher Zufall. Wenn man die Absturzstatistiken auf der ganzen Welt anschaut, steht der F/A-18 sehr gut da. Wenn man noch das hohe Niveau der Piloten und der Wartung in der Schweiz anschaut, dann ist dies wohl auch einfach Pech.

Sie sehen keinen Zusammenhang zwischen den Abstürzen?

Müller:Nein. Der Absturz am Lopper 2013 geschah wegen eines Orientierungsfehlers, der Grund für den letzten Absturz in Frankreich 2015 war ein Triebwerkfehler. Der einzige gemeinsame Punkt, den ich sehe, ist das schlechte Wetter.

Livio Brandenberg

Bild: Grafik Neue LZ

Bild: Grafik Neue LZ

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