Ärzte müssen Corona-Fälle per Fax ans BAG melden – dieser Informatiker will mit einem Tool helfen

Das Bundesamt für Gesundheit stösst wegen veralteter Technologien beim Erfassen von positiv ausgefallenen Covid-19-Tests an Kapazitätsgrenzen. Ein Programmierer will jetzt rasch ein neues Erfassungssystem auf die Beine stellen.

Christoph Bernet
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Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit.

Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit.

Keystone

«Im Moment ist der Anstieg der Zahlen so schnell dass wir Mühe haben alle die Daten einzugeben um die Analyse zu machen»: Die Worte von Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) an der Medienkonferenz vom Dienstag liessen aufhorchen. Die Schweiz befindet sich in einer ausserordentlichen Lage, das öffentliche Leben ist im Kampf gegen das Corona-Virus weitgehend lahmgelegt – und die Behörden sind überfordert damit, die wichtigen Daten über durchgeführte Tests und positive Fälle zeitnah zu erfassen?

Ein Blick auf die Website des BAG liefert mögliche Erklärungen dafür. Unter der Rubrik «Meldepflichtige Infektionskrankheiten», zu denen auch Covid-19 gehört, heisst es, dass Ärzte ihre Meldungen ans BAG per Fax oder Post zu übermitteln haben. Das entsprechende Formular, welches das BAG Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung stellt, ist nicht maschinenlesbar, das heisst es muss ausgedruckt und von Hand ausgefüllt werden.

Ein Prototyp steht bereits

«Als ich die Aussage von Daniel Koch am Dienstag gehört habe, ist mir der Laden runter», sagt Dominik Rüttimann. Der 28-Jährige hat Elektrotechnik an der ETH studiert und ist als Informatiker für die Ategra AG tätig, die unter anderem Datenbanken programmiert und betreut.

«Als Reaktion auf das offensichtlich veraltete System, das beim BAG zum Einsatz kommt, habe ich gestern während rund zwei Stunden einen Prototyp für ein Meldesystem programmiert. Damit könnten Arztpraxen, Laboratorien, Kantonsärzte und das BAG die Testergebnisse schneller erfassen und hätten so diese wichtigen Informationen laufend und aktuell zur Verfügung.»

Informatiker Dominik Rüttimann hat einen Protoyp erstellt.

Informatiker Dominik Rüttimann hat einen Protoyp erstellt.

zvg

Natürlich müsse der Prototyp noch in Zusammenarbeit mit den Akteuren aus dem Gesundheitswesen angepasst werden. Doch Rüttimann ist überzeugt, dass sich rasch ein einsatzfähiges Tool entwickeln liesse: «In unserer Firma haben wir Erfahrung mit solchen Systemen, unter anderem haben wir für das Tiefbauamt des Kantons Zürich eine von den Anforderungen her vergleichbare Datenbank entwickelt.»

Bereits 2012 als Schwachstelle identifiziert

Dass eine solche beim BAG noch nicht zum Einsatz kommt, überrascht. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, wurde die Übermittlung per Fax bereits 2012 in einem vom BAG in Auftrag gegebenen Evaluationsbericht als «Schwachstelle im Hinblick auf die Datenqualität» bezeichnet. In einer Zusammenfassung des Evaluationsberichts kündigte das BAG an, ein elektronisches Meldesystem solle im Zeitraum 2012/13 für Laboratorien und im Zeitraum 2013/14 für Meldungen von Ärztinnen und Ärzten eingeführt werden.

Warum das nicht geschehen ist, ist unklar. Auf Anfrage teilt eine BAG-Sprecherin mit, dass die «digitale Weiterentwicklung des Meldesystems – auch für Ärzte – weit fortgeschritten» sei. Im Einklang mit der entsprechenden Verordnung zum Epdiemiengesetz sammelten die Kantone die Meldungen der Ärzte und leiteten diese an den Bund weiter: «Dazu stehen elektronische Wege zur Verfügung». Auch die Laboratorien würden ihre Daten elektronisch ans BAG und an die Kantone übermitteln, und zwar via E-Mail. Um die Kantone zu entlasten sei die Möglichkeit geschaffen worden, dasss sich die Ärzte direkt ans BAG wenden könnten: «Dies geschieht via Fax.»

Informatiker Dominik Rüttimann hat bis zur Stunde noch keinen Kontakt mit dem Bundesamt für Gesundheit gehabt: «Die haben natürlich sehr viel zu tun aktuell», das sei ihm bewusst. Mit externer Hilfe bei der schnellen Einführung eines elektronischen Meldesystems liesse sich diese Arbeitslast möglicherweise etwas reduzieren.