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ÄRZTEEINKOMMEN: Der Groll der Ärzte gegen Cassis

Die Zürcher Ärzte greifen Nationalrat Ignazio Cassis an. Als Präsident eines Krankenkassenverbandes soll er schuld sein, dass Bundesrat Berset die Ärztetarife senken will.
Ignazio Cassis. (Bild: Keystone)

Ignazio Cassis. (Bild: Keystone)

Die Kampagne ist ungewohnt. Auf einem Plakat in Bern hält die Zürcher Ärztegesellschaft Ignazio Cassis vor, er habe eine Debatte über Ärztelöhne lanciert. Der Tessiner FDP-Nationalrat, früher Kantonsarzt und Vizepräsident des Ärzteverbands FMH, steht besonders im Rampenlicht, weil er als Favorit für die Nachfolge von Didier Burkhalter gilt. Grund für den Ärger sind Änderungen des ambulanten Ärztetarifs Tarmed, die Bundesrat Alain Berset im März in die Vernehmlassung geschickt hat. Die Hausärzte sollen damit leicht bessergestellt werden, während den Spezialisten Einbussen drohen. Berset rechnet mit Einsparungen von 700 Millionen Franken.

Der Bundesrat griff ein, nachdem sich Ärzte, Spitäler und Krankenkassen nicht auf eine kostenneutrale Revision einigen konnten. Der von Cassis präsidierte Krankenkassenverband Curafutura spielte beim bundesrätlichen Tarifeingriff eine wichtige Rolle. Dies bestätigen mehrere voneinander unabhängige Quellen. Nachdem die Revision gescheitert war, lud Alain Berset die Tarifpartner ein, Vorschläge einzureichen. Das tat Curafutura – wie andere Akteure auch.

Im Oktober 2016 schlug der Verband vor, dass Behandlungen nicht mehr nach dem alten Tarif vergütet werden, wenn moderne Technologien den Zeitbedarf reduziert haben. Namentlich nannte er etwa die Radiologie und die Augenheilkunde. Zudem forderte Curafutura von den Ärzten mehr Transparenz. «Der Eingriff soll die Tarifpartner aufrütteln, endlich den Ernst der Lage zu erkennen und konstruktiv an einem neuen Tarif mitzuwirken», sagte Verbandsdirektor Pius Zängerle damals. Er rechnete dank der Änderungen mit Einsparungen von rund 600 Millionen. Im März beschloss der Bundesrat den Tarmed-Eingriff. Er folgte dabei im Grundsatz der Linie von Cura­futura. Der Kassenverband begrüsste den Entscheid, der das Prämienwachstum um zwei Prozentpunkte dämpfe. Das Plakat der Zürcher Ärzte will Curafutura nicht kommentieren.

Kritik an persönlichen Angriffen

Innerhalb der Ärzteschaft kommt die Kampagne gegen Cassis nicht überall gut an. Die von Curafutura vertretenen Kassen hätten nur mit Vorschlägen zum Tarifeingriff beigetragen, sagt Urs Stoffel, Vorstandsmitglied der FMH. Den Entscheid hätten aber das Bundesamt für Gesundheit und der Bundesrat gefällt. «Es ist nicht gut, die Kritik an der Person von Cassis aufzuhängen.» Dieser habe immer versucht, Brücken zu bauen, sagt er. Die FMH arbeite daran, Lösungen für eine Tarifpartnerschaft zu finden. «Die anspruchsvolle Aufgabe wird mit persönlichen Angriffen noch schwieriger.» Josef Widler, Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft, sagt, die Kampagne habe nichts mit Cassis’ Person zu tun, sondern mit dessen Mandat bei Curafutura. Widler ist selber Grundversorger. Doch obwohl diese gestärkt werden sollen, lehnt er den Eingriff ab. So sei der Notfalldienst gefährdet, weil Zuschläge wegfallen sollen.

Schon als FMH-Vizepräsident wich Cassis bisweilen von der Linie der Ärzte ab. Er setzte sich etwa für die Managed-Care-Vorlage ein, die medizinische Netzwerke stärken sollte. Nachdem die FMH-Mitglieder diese trotz dem Ja des Vorstands ablehnten, zog er 2012 die Konsequenzen und gab sein Amt ab.

Tobias Gafafer

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