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Ärger wegen AfD-Spende: Kunden distanzieren sich von Zürcher Apotheke

Über eine Zürcher Apotheke soll eine verbotene Parteispende an die Rechtspartei AfD geflossen sein. Nun distanzieren sich Kunden und Lieferanten.
Pascal Ritter
Wegen der Spendenaffäre unter Druck: die AfD-Fraktionschefin Alice Weidel . (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

Wegen der Spendenaffäre unter Druck: die AfD-Fraktionschefin Alice Weidel . (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

Deutsche Journalisten bekommen das Nobelquartier Fluntern am Zürichberg eigentlich nur zu Gesicht, wenn sie auf dem Weg zum Fifa-Sitz aus dem Fenster schauen. Diese Woche ist dies anders. Am Montag belagerten Journalisten eine Apotheke bei der Tramhaltstelle Kirche Fluntern. Grund dafür ist eine Affäre um die deutsche Rechtspartei Alternative für Deutschland (AfD).

Am Montag machte die «Süddeutsche Zeitung» zusammen mit den TV-Sendern NDR und WDR publik, dass die AfD eine verbotene Spende aus der Schweiz bekam. 130000 Euro sind laut Kontoauszügen, aus denen die Deutschen Medien zitieren, auf das Konto des AfD-Kreisverbandes Bodensee geflossen. Absender des Geldes ist die Firma PWS Pharma Whole Sale International AG, die ihren Firmensitz im Zürcher Flunternquartier hat.

Ungemach vom Lieferanten

Geschäftsführer ist Kurt Häfliger, der an der gleichen Adresse eine Apotheke betreibt. Die Afd-Spende wird für Häfliger nun zum Problem. Zum einen musste die Apotheke am Montag Umsatzeinbussen hinnehmen. Laut dem geschäftsführenden Apotheker mieden Stammkunden das Geschäft. Zum anderen droht Häfliger als Geschäftsführer von PWS Pharma Ungemach. Ein langjähriger Lieferant von Nahrungsergänzung, welche Häfliger vertreibt, sagte auf Anfrage, er werde die Geschäftsbeziehung überdenken. Er wolle nicht, dass sein Name mit der umstrittenen Rechtspartei in Verbindung gebracht werde.

Dabei ist immer noch schleierhaft, woher die Spende wirklich kommt. Denn die ins Kreuzfeuer der Kritik geratene Firma PWS soll laut dessen Verwaltungsrat Balz Jegge nicht Urheber der Zahlung sein. Geschäftsführer Häfliger habe das Geld «treuhänderisch» im Auftrag eines «Geschäftsfreundes» überwiesen, sagt er der «Süddeutschen Zeitung». Er habe nicht gewusst, dass das Geld für die AfD bestimmt gewesen sei. Die Frage, von wem die Spende stamme, liessen die beiden gestern aber weiterhin offen.

Auslöser für den Wirbel ist, dass Parteispenden in Deutschland Regeln unterstehen. So dürfen Parteien keine Spenden aus dem nicht europäischen Ausland annehmen. Die 130000 Euro flossen in Tranchen von je 9000 Euro über Zürich-Fluntern nach Deutschland. Offenbar realisierte auch die AfD, dass die regelmässig eintreffenden Spenden nicht rechtens sind. So hat sich die Schatzmeisterin des Kreisverbands Bodensee bei der nationalen Partei danach erkundigt, wie mit den Spenden zu verfahren sei. Dies geht aus E-Mails hervor, die ebenfalls den Weg in die Deutsche Presse gefunden haben. Eine Antwort habe sie aber lange nicht erhalten. Bestimmt waren die Spenden, die im Jahr 2017 in den Monaten Juli bis September flossen, für die Spitzenkandidatin und Co-Vorsitzende Alice Weidel. Den zu Journalisten durchgesickerten Kontoauszügen zufolge wurden mit dem Geld aus der Schweiz mehrere Anwaltsrechnungen in insgesamt fünfstelliger Höhe bezahlt.

Im April 2018 wurde die Spende wieder in die Schweiz zurücktransferiert. Weidel kommt deswegen nun parteiintern unter Druck. Der baden-württembergische AfD-Landeschef Ralf Özkara sagte, die Verantwortung für diese Grossspende trügen alle, die davon wussten. Sollte Weidel davon gewusst haben, trage sie die Hauptverantwortung. Sollte die Spende illegal sein, erwarte er, dass Weidel «von allen Ämtern und Mandaten» zurücktrete. Weidel wies die Forderung zurück. Die Spende sei nicht auf ihrem Konto gelandet, sondern auf dem des Kreisverbandes.

Namen hinter Balken

Für die Apotheke wäre die Geschichte beinahe glimpflich ausgegangen. Der Name der PWS-Pharma war in den ersten Berichten der deutschen Medien mit schwarzen Balken zensiert gewesen. Findige Rechercheure machten den mit Filzstift überdeckten Namen aber mittels einem Bildbearbeitungsprogramm und ein paar Kniffs sichtbar und verbreiteten den Firmennamen über die sozialen Medien.

Es ist nicht das erste Mal, dass die AfD Unterstützung aus der Schweiz erhält. Alexander Segert, der SVP-Werber, der die Schäfchenplakate erfunden hat, half einem AfD-Unterstützungsverein bei der Konzeption einer Wahlkampfzeitung. 2016 gestaltete Segert zudem für den Co-Parteichef Jörg Meuthen Wahlplakate und eine Webseite. Ein Geldfluss konnte allerdings nicht nachgewiesen werden. Sowohl die unterstützten AfD-Politiker als auch Segert selber betonten, es habe sich um Freundschaftsdienste gehandelt.

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