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ALARMIERUNG: Im Notfall informiert der Briefkasten

Der Bund sucht nach neuen Wegen, um die Bevölkerung bei einer Katastrophe zu informieren. Er prüft den Einsatz smarter Briefkästen der Post. Technisch würde diese Lösung funktionieren, wie ein Pilotversuch gezeigt hat.
Maja Briner
Der intelligente Briefkasten ist mit einem Display und Sensoren ausgestattet. (Bild: . Bild: St. Galler Stadtwerke)

Der intelligente Briefkasten ist mit einem Display und Sensoren ausgestattet. (Bild: . Bild: St. Galler Stadtwerke)

Maja Briner

Auch Briefkästen können smart sein. Um dieses Prädikat zu erhalten, brauchen die gelben Boxen der Post ein elektronisches Display: Dieses wird unterhalb der Klappe angebracht, wo normalerweise ein Papier über die Leerungszeiten Auskunft gibt. Interesse an diesen smarten Briefkästen kommt von überraschender Seite: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) prüft, ob die Displays genutzt werden könnten, um insbesondere bei einem grossen und langanhaltenden Stromausfall die Bevölkerung weiterhin informieren zu können. In der Praxis hiesse das: Wer bei einem Sirenenalarm kein funktionierendes Radio und keinen Zugriff aufs Internet hat, könnte zum nächstgelegenen Briefkasten der Post gehen. Dort würde angezeigt, weshalb der Alarm ausgelöst wurde – und ob es beispielsweise nötig ist, Schutz zu suchen.

Eine erste Hürde hat das Projekt bereits genommen: Post und Bund haben die smarten Briefkästen diesen Sommer in St. Gallen und Bern getestet. «Ziel des Versuchs war es, die technologische Machbarkeit zu prüfen», sagt Babs-Sprecher Kurt Münger. Das Resultat: «Rein technisch würde die Lösung funktionieren.» Für das Display wird DynPaper genutzt, das fast wie echtes Papier aussieht. Gemäss Post funktioniert es mit autonomer und geringer Energieversorgung.

Nur Radio reicht nicht mehr

Offen sei, wie hoch die Kosten ausfallen würden, sagt Münger. Zudem stelle sich die Frage, wie die smarten Briefkästen ins Gesamtsystem der Alarmierung passten. Klar ist nach Ansicht des Babs aber, dass es neue Wege braucht, um die Bevölkerung zu informieren. «Früher war das Radio das Leitmedium», sagt Münger. Heute seien die Nutzungsgewohnheiten sehr unterschiedlich. «Daher ist es sinnvoll, verschiedene Kanäle zu haben», sagt er.

In den vergangenen Jahren haben die Behörden unter dem Namen «Alertswiss» bereits eine Internetseite und eine App aufgebaut. Geplant ist im kommenden Jahr die Einführung einer Push-Mitteilung: All jene, welche die Alertswiss-App installiert haben, sollen im Katastrophenfall eine Meldung auf ihrem Smartphone erhalten. Eine Alarmierung per SMS wird hingegen aktuell nicht realisiert, wie Münger sagt: «Wenn viele SMS versendet werden, gibt es Verzögerungen von Minuten oder sogar Stunden.»

Mit einer Push-Meldung via App können dagegen bis zu vier Millionen Menschen in kürzester Zeit informiert werden. Der Nachteil dabei: Die Behörden erreichen nur jene, welche die App Alertswiss installiert haben. In Zukunft will das Babs auf Kanäle setzen, welche die Bevölkerung aus dem Alltag kennt. Geplant ist unter anderem, künftig die App von Meteo Schweiz zu nutzen. Denkbar ist laut Babs auch, via Autoradio-Display zu informieren. Noch ist das aber – ebenso wie die smarten Briefkästen – erst eine Idee unter anderen. «Für das Babs steht momentan die Weiterentwicklung von ‹Alertswiss› im Vordergrund», sagt Münger. Die Nutzung von weiteren Kanälen werde ab 2019 geprüft.

Ob die smarten Briefkästen zum Zug kommen, dürfte auch von der Post abhängen – und ob diese weitere Partner für das Projekt findet. In Frage kämen etwa Gemeindebehörden, die Informationen auf den Displays anzeigen wollen, aber auch Wetterdienste. Die smarten Briefkästen sind mit Sensoren ausgestattet, die unter anderem Temperatur und Luftdruck messen.

Werbung auf dem Briefkasten-Display?

Für die Post ist der Test mit dem Babs ein erster Schritt. Sobald sie aussagekräftige Erkenntnisse gesammelt habe, könnten weitere Kooperationen und Partnerschaften in Betracht gezogen werden, erklärt die Post. Ob die Displays auch als Werbeflächen dienen könnten, hat sie nach eigenen Angaben noch nicht entschieden. Man stehe erst ganz am Anfang, teilt Sprecher Oliver Flüeler mit. Derzeit würden die Resultate der Tests zur technischen Machbarkeit ausgewertet.

Ein ähnliches Projekt wurde nach der Pilotphase eingestellt: Postauto ersetzte 2014 und 2015 versuchsweise an mehreren Haltestellen den Fahrplan aus Papier durch ein elektronisches Display. Das funktionierte zwar, doch weil es an Partnern mangelte, stellte es sich als zu teuer heraus.

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