ALBERT RÖSTI: Senkrechtstarter soll SVP führen

Der Nationalrat ist designierter Nachfolger von Toni Brunner. Der umgängliche Berner Oberländer hat in der SVP eine atem- beraubende Karriere hingelegt.

Reto Wissmann
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Soll künftig als Parteipräsident sprechen: Albert Rösti, hier an einem Parteitag der SVP in Wauwil im Jahr 2009. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Soll künftig als Parteipräsident sprechen: Albert Rösti, hier an einem Parteitag der SVP in Wauwil im Jahr 2009. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Reto Wissmann

Albert Rösti ist ein gefragter Mann. Seit er als Wunschkandidat der SVP-Spitze für das Parteipräsidium präsentiert wurde, läuft sein Handy heiss. Gestern liess es sich der Berner Oberländer dennoch nicht nehmen, das Weltcup-Rennen in Adelboden zu verfolgen. «Trotz schlechter Verhältnisse ist die Stimmung gut», sagt Rösti am Telefon. Auch seine eigene: «Ich habe viele ermunternde Reaktionen bekommen.»

Noch vor wenigen Jahren kannte kaum jemand seinen Namen, heute wird dem 48-Jährigen fast jedes Amt zugetraut. Albert Rösti ist ein Senkrechtstarter. Ohne viel politische Erfahrung wurde er 2011 in den Nationalrat gewählt. Zwei Jahre später übernahm er die Leitung des SVP-Wahlkampfs. Erst kürzlich handelte man ihn als Bundesratskandidaten, und bereits im April soll er nun zum Präsidenten der grössten Partei des Landes gewählt werden.

Stramm auf Parteilinie

Doch Rösti kennt auch Niederlagen. Die Wahl in die bernische Kantonsregierung hat er ebenso verpasst wie den Sprung in den Ständerat. Seine Zeit als Direktor der Schweizer Milchproduzenten endete nach einem internen Richtungsstreit ziemlich abrupt. Und auch als eine treibende Kraft hinter der «Grün 19» ist er gescheitert – es konnte nicht genügend Geld für die nationale Grossausstellung aufgetrieben werden.

Innerhalb der Partei läuft Röstis Karriere allerdings wie am Schnürchen. Er ist das nette, unverbrauchte Gesicht der SVP, politisiert stramm auf Parteilinie und empfiehlt sich als Garant für Kontinuität. Mit Rösti und Adrian Amstutz als Fraktionspräsident werden künftig gleich zwei Berner an der Spitze der SVP stehen. Der Richtungsstreit zwischen Berner und Zürcher Flügel, der einst zur Abspaltung der BDP beigetragen hatte, ist längst Geschichte. Rösti kann unbelastet davon sein Amt antreten.

Umgänglich in seiner Art, hart in der Sache: So wird der designierte SVP-Präsident häufig beschrieben. Tatsächlich wirkt er im persönlichen Umgang und bei öffentlichen Auftritten zurückhaltend, leutselig und bodenständig. Rösti gilt als fleissig, gradlinig und zuverlässig, als Mann, gegen den man eigentlich nichts haben kann.

Gleichzeitig wird er nicht müde, seine Parteitreue zu betonen. «Ich stehe voll und ganz hinter der Durchsetzungsinitiative», sagt Rösti über das derzeit – auch parteiintern – am heissesten diskutierte Geschäft. «Wir müssen klare Signale aussenden: Ausländer, die sich nicht an die Regeln halten, haben hier nichts verloren.» Das Asylthema bezeichnet er gar als einen wichtigen Grund, warum er sich so stark für die Partei engagiere.

Albert Rösti ist als Bauernsohn in Kandersteg aufgewachsen. Heute trägt er die Titel Doktor der technischen Wissenschaften sowie Ingenieur Agronom und hat einen MBA-Abschluss. Man könnte also behaupten, auf einen Landwirt mit eigenem Hof folgt jetzt ein studierter Landwirt an der Spitze der SVP.

Lange in Verwaltung und Verbänden

Rösti betont zwar, dass ihm auch die Privatwirtschaft nicht fremd sei. Den überwiegenden Teil seines Berufslebens hat er allerdings in der bernischen Volkswirtschaftsdirektion und in staatsnahen Verbänden verbracht. Neben seinem Mandat als Nationalrat ist Albert Rösti Präsident der 6000-Einwohner-Gemeinde Uetendorf, führt ein Beratungsbüro und ist Vater von zwei Teenagern. Er habe zwar Respekt vor der Herausforderung, sei aber zuversichtlich, alles unter einen Hut zu bringen, so Rösti. Gestern am Chuenisbärgli in Adelboden konnte er schon mal beobachten, wie man auch bei widrigsten Verhältnissen ins Ziel kommt.