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ALPHONS EGLI: Das Waldsterben prägte seine Amtszeit

Als Ständerat macht er sich mit Rechts- und Wirtschaftsfragen einen Namen, als Bundesrat durch seine Umweltpolitik. Alphons Egli verstarb am Freitag im Alter von 91 Jahren.
Balz Bruppacher
Entspannt sitzt Alphons Egli im Bundeshaus in Bern – eine Porträtaufnahme aus dem Jahre 1986. (Bild: Keystone/Karl-Heinz Hug)

Entspannt sitzt Alphons Egli im Bundeshaus in Bern – eine Porträtaufnahme aus dem Jahre 1986. (Bild: Keystone/Karl-Heinz Hug)

Balz Bruppacher

Schon manches Mitglied der Landesregierung ist dem Ruf, der ihm bei der Wahl vorauseilte, nicht gerecht geworden. Das gilt auch für Alphons Egli. Das Parlament wählte den konservativen Luzerner CVP-Politiker am 8. Dezember 1982 als Nachfolger seines Zentralschweizer Parteikollegen Hans Hürlimann in den Bundesrat. Zusammen mit dem Zürcher Freisinnigen Rudolf Friedrich. Die Schweiz mache rechtsumkehrt, wurde links der Mitte moniert.

Es sollte in doppelter Hinsicht anders kommen. Zum einen blieb Friedrich nicht einmal zwei Jahre im Amt. Zum anderen wurde Egli als Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) schon im ersten Amtsjahr von einem Phänomen eingeholt, das sich im Nachhinein zwar als stark übertrieben herausstellen sollte, das aber der vierjährigen Amtszeit des Luzerners den Stempel aufdrückte: das Waldsterben.

Der Anwalt und Notar, der sich als Ständerat vor allem Rechts- und Wirtschaftsfragen widmete, rief zur Waldbesichtigung auf und liess sich zusammen mit Dutzenden von Politikern und Medienleuten die Symptome der sterbenden Bäume erklären. Der im Vorfeld der Wahl auch als «Mann der Wirtschaft» apostrophierte Luzerner liess es aber nicht bei medienwirksamen Auftritten bewenden. Egli machte sich für Sofortmassnahmen gegen die Luftverschmutzung stark und bot der Auto-Lobby die Stirn, die den Zusammenhang mit den Waldschäden bestritt.

Sein Übername: «Tempo-Egli»

1984 beschloss der Bundesrat auf Antrag des EDI ein Zehn-Punkte-Programm und verbot als Voraussetzung für die Einführung der Katalysatortechnik das bleihaltige Normalbenzin. Nach einem Hin und Her, das dem EDI-Vorsteher den Spitznamen «Tempo-Egli» eintrug, wurden 1985 die Höchstgeschwindigkeiten im Strassenverkehr auf 120 (Autobahnen) und 80 (ausserorts) gesenkt. Im Februar 1985 kulminierte die Waldsterben-Debatte in einer Sondersession der eidgenössischen Räte.

Dass Egli vor allem als Umweltminister in Erinnerung blieb, hängt auch mit zwei Ereignissen in seinem letzten Amtsjahr 1986 zusammen, das zugleich auch sein Präsidialjahr war. Am 26. April explodierte im ukrainischen Atomkraftwerk von Tschernobyl ein Reaktor, und am 1. November kam es zur Brandkatastrophe im Werk Schweizerhalle des Sandoz-Konzerns. Egli leitete eine Revision der Strahlenschutzverordnung ein und bekannte vor dem Parlament freimütig, dass man im Bereich Chemie nicht gewappnet sei.

Revision der Familienzulagen

Akzente setzte Egli in seinem weitläufigen Departement – die Umwelt wechselte inzwischen ins Verkehrs- und Energiedepartement – mit dem einheitlichen Herbstschulbeginn im Bildungsbereich sowie mit den Revisionen der Familienzulagen und der AHV-Ergänzungsleistungen im Sozialwesen. Eine Abstimmungsniederlage setzte es für den EDI-Chef hingegen in der Kulturpolitik ab: Im Herbst 1986 verwarfen Volk und Stände sowohl die «Kultur-Initiative» wie auch den Gegenvorschlag des Bundesrats für einen Kulturartikel in der Verfassung.

Marcos-Gelder eingefroren

Unverhofft ging Egli in die Geschichte des Finanzplatzes ein. Am Rande eines Staatsbanketts für den finnischen Präsidenten Koivisto rief er als Bundespräsident am 24. März 1986 seine Regierungskollegen zusammen. Per Präsidialbeschluss und gestützt auf die Notrechtskompetenzen in der Verfassung wurden die in der Schweiz liegenden Gelder des gestürzten philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos eingefroren. Damit vollzog die Regierung in der Frage der Potentatengelder einen Paradigmenwechsel. Mit dem Finanzplatz hatte Egli nach seinem Rücktritt am Rande noch zu tun, als Präsident der Aufsichtskommission über die Sorgfaltspflichtvereinbarung der Banken.

Sein Rücktritt überraschte alle

Die Rücktrittsankündigung Eglis im September 1986 nach nur einer Amtszeit war überraschend gekommen. Nicht nur die Karikaturisten, die einen Charakterkopf verloren, bedauerten das Ausscheiden des Luzerner Magistraten. Er machte gesundheitliche Gründe geltend. Beobachter glaubten aber auch eine gewisse Amtsmüdigkeit zu erkennen und vermissten den Witz und den Sarkasmus, die Egli ausgezeichnet und unter anderem in legendäre Grabsprüche auf lebende Zeitgenossen gemündet hatten.

Der Boulevardpresse lieferte der scheidende Magistrat noch willkommenen Stoff, als er Ende Oktober 1986 beim Start aus dem Parkplatz vor dem Bundeshaus mit seinem Personenwagen einen Unfall baute und mehrere parkierte Autos beschädigte. Verletzt wurde niemand; über die Ursache – technischer Defekt oder Fahrfehler? – wurde schliesslich der Mantel des Schweigens ausgebreitet.

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