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Amherd empfiehlt sich als Brückenbauerin

Viola Amherd präsentiert sich als Gegenmittel gegen den populistischen Zeitgeist. Zugleich muss sich die CVP-Nationalrätin gegen Stimmen wehren, die ihr Habgier vorwerfen.
Roger Braun
Viola Amherd warb gestern für ihre Kandidatur. (Bild: Jean-Christophe Bott/KEY (Brig, 8. November 2018))

Viola Amherd warb gestern für ihre Kandidatur. (Bild: Jean-Christophe Bott/KEY (Brig, 8. November 2018))

Der Ort war ungewöhnlich für eine Politikerin, die sich als seriöse und stille Schafferin versteht. Im Club Perron 1 in Brig, wo gewöhnlich «lebensfrohe Menschen zu guter Musik tanzen», erklärte Viola Amherd am Donnerstag, wieso sie Bundesrätin werden will. Der Auftritt selbst war typisch für die Walliser CVP-Nationalrätin. Bevor sie ein Wort über sich verlor, bedankte sie sich bei der abtretenden Bundesrätin Doris Leuthard. Dann sagte sie, die Schweiz sei das Land der Demokratie, des Dialogs und der Zusammenarbeit. Mit ihrer Erfahrung als Briger Stadtpräsidentin und langjährige Nationalrätin wolle sie sich einbringen für eine «sichere, prosperierende und ­offene Schweiz». Amherd sprach wiederholt von Brücken, die zu bauen sind; von Lösungen, die es zu suchen gilt; von der Notwendigkeit, Andersdenkenden zuzuhören. Sie präsentierte sich als perfekte Mittepolitikerin, die den Sinn der Politik vor allem darin sieht, Kompromisse zu finden, mit denen alle leben können.

Amherd nutzte die Medienkonferenz auch, um Vorbehalten gegenüber ihrer Kandidatur entgegenzutreten; zum Beispiel dem medial vermittelten Eindruck, dass konservative Kreise im Wallis ihre Kandidatur torpedierten.

Grossaufgebot versichert die Unterstützung des Wallis

Die CVP-Präsidenten des Unter- und Oberwallis, der konservative CVP-Ständerat Beat Rieder sowie der Fraktionschef der Oberwalliser CVP versicherten alle: das Wallis stehe voll und ganz hinter Amherd. Rieder räumte ein, dass er einzelne Positionen wie jene zur Homo-Ehe nicht mit Amherd teile, das ändere aber nichts daran, dass sie bundesrätliches Format habe. «Als Bundesratskandidatin taugt sie zu 100 Prozent», sagte er.

Rieder war es auch, der die politischen Erfolge von Amherd hervorstrich. Als Verkehrspolitikerin engagiere sie sich für die Randregionen, damit diese nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung in den Zentren abgehängt würden, sagte er. So habe sie als Geschäftsführerin des Lötschberg-Komitees einen grossen Anteil daran, dass der Bundesrat den Ausbau der Lötschbergstrecke auf zwei Spuren ins neue Eisenbahnprogramm aufgenommen habe. Daneben erwähnte Rieder auch den Kinderschutz. «Das ist kein Randthema, sondern ein Kernthema für jeden CVP-Politiker.» Rieder nahm damit indirekt Bezug auf kritische Stimmen aus dem Parlament, die Amherd vorwerfen, in ihren zwölf Jahren in Bern kaum Spuren hinterlassen zu haben. Amherd selbst sagte, sie habe viele Vorstösse durchgebracht. Im Übrigen liege ihre Aufgabe als Vize-Fraktionschefin nicht darin, sich selber zu präsentieren, sondern ihren Parteikollegen Plattformen zu geben.

Amherd betonte wiederholt, wie sehr ihr die Politik am Herzen liege. Ihre Körpersprache drückte dasselbe aus. Sie wirkte frisch und gut gelaunt. Ihr verpatzter Kampagnenstart schien weit zurück. Eigentlich wollte sie schon vor Wochen vor die Medien treten, um ihre Kandidatur für den Bundesrat bekannt zu geben. Dann wurde publik, dass Amherd in einem Mietstreit um 250000 Franken erstinstanzlich verurteilt worden war. Einige Tage später musste sie wegen Nierensteinen ins Spital eingeliefert werden.

Steuerabzüge bis vor Bundesgericht gebracht

Amherd argumentierte, dass es sich beim Mietstreit um eine zivilrechtliche Auseinandersetzung handle, die im Wirtschaftsleben häufig vorkomme. Sie äusserte sich auch zu anderen finanziellen Angelegenheiten, die medial thematisiert wurden. Wie es komme, dass sie sich bis vor Bundesgericht für die Abzugsfähigkeit ihrer Auslagen für die Wahlkampagnen gewehrt habe, fragte ein Journalist. «Das war für mich eine Rechtsfrage», sagte die Rechtsanwältin und Notarin. So gebe es Kantone wie Zürich oder Graubünden, welche die Abzugsfähigkeit bejahten. «Ich musste übrigens auch keinen Franken nachzahlen, weil ich alles im Voraus bezahlt hatte», sagte sie. Andere Darstellungen der «Weltwoche», wonach sie sich geweigert habe, in einem Fall die Notariatsgebühren mit anderen zu teilen oder in einem Erbschaftsfall unsorgfältig gearbeitet habe, wies sie in aller Form zurück.

Im CVP-Kandidatenfeld ist Amherd die einzige, die sich vor den Medien zu ihrer Kandidatur geäussert hat. Auch dies unterstreicht, dass Amherd neben dem Zuger Ständerat Peter Hegglin die besten Aussichten hat, in die Fussstapfen von Leuthard zu treten. Ob es im «Perron 1» bald etwas zu feiern gibt, entscheidet sich am 5. Dezember. Dann wählt die Bundesversammlung den neuen Bundesrat.

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