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Andermatt – ein Dorf erfindet sich neu

Einst Bollwerk gegen fremde Mächte, entwickelt sich Andermatt zum alpinen Spielplatz. Den Einheimischen hätte nichts Besseres passieren können.
Dominik Buholzer
Ein Dorf im Wandel: Andermatt im Kanton Uri. (Bild: Boris Bürgisser, 8. November 2018)

Ein Dorf im Wandel: Andermatt im Kanton Uri. (Bild: Boris Bürgisser, 8. November 2018)

Andermatt ist wieder hip. Im Urner Bergdorf wird wie wild gebaut. Gleich neben dem Bahnhof ziehen Arbeiter eine beeindruckende Hotel- und Ferienwohnungslandschaft hoch. Glücklich kann sich schätzen, wer schon vor Jahren eine Immobilie erworben hat. Mittlerweile haben die Grundstückpreise ungeahnte Höhen erreicht.

Der Ort hat einen eigenen Charme. Das Klima ist rau. Oft zieht ein Wind durchs Tal. Die Landschaft ist vom Grau der Felsen geprägt. Selbst den Bäumen ist es hier auf 1447 Metern über Meer fast zu karg. Franz Widmer meint:

«Hier kann man das Wetter noch hautnah fühlen. Das ist etwas ganz anderes als das Leben in den Städten. Deshalb ist Andermatt so ein spezieller Ort.»

Ein Wachstum wie schon lange nicht mehr

Widmer ist beim Schweizer Berg- und Wandersportausrüster Mammut zuständig für die Mammut Alpine School, die Bergschule von Mammut. Bei der kann man sich nicht nur über Routen und Bergführer informieren, sondern auch noch gleich das passende Equipment für den Abstecher in die Berge kaufen. Concept store nennt sich dies, und den ersten dieser Art hat Mammut im vergangenen Dezember in Andermatt eröffnet.

Der Zeitpunkt dazu war ideal. Der Ort erlebt gerade seinen zweiten Frühling als Tourismusort. Im vergangenen Winter registrierte Andermatt 30 Prozent mehr Gästekontakte und 36 Prozent mehr Skierdays. Ein solches Wachstum verzeichnete man schon seit Jahren nicht mehr. Grund dafür ist sicherlich die Ausweitung des Skigebiets über den Oberalppass bis nach Sedrun und Disentis sowie ein dynamisches Ticketsystem, das Frühbucher belohnt.

Von dem Aufschwung profitiert auch das «Radisson Blu», neben dem «The Chedi» das grösste Haus im Ort. Im vergangenem Dezember nahm das Vier-Sterne-Superior-Hotel seinen Betrieb auf, und die Gelassenheit von Melanie Horn, Cluster Direktor of Sales & Marketing verrät: Es ist alles im Lot. «Wir sind mit der Wintersaison sehr zufrieden», sagt die Hotelmanagerin. Für ein erfolgreiches erstes Jahr fehlt jetzt nur noch ein guter Sommer.

Am Sonnenschein dürfte es nicht mangeln. An der Wetterscheide zum Süden gelegen stehen die Urschner, wie die Einheimischen des Tales genannt werden, oft auf der Sonnenseite. Und einen Golfplatz hat es auch. Zwar gab es schon früher einen in Realp, am Fusse des Furkapasses. Doch der zählte nur neun Loch. Mit dem Bau des Ferienresorts wurde ein 18-Loch-Platz gebaut. Nun kann in Andermatt richtig Golf gespielt werden. Bei Naturliebhabern war der Ort schon länger hoch im Kurs. Andermatt ist ein idealer Ausgangspunkt für Bergwanderungen jeglicher Art. Das Wandernetz erstreckt sich über insgesamt 500 Kilometer, es gibt Routen für Einsteiger wie auch Fortgeschrittene, für solche, die bouldern, oder jene, die sich am Klettersteig versuchen wollen. Es gibt wahrlich gute Gründe, in Andermatt «herumzuhängen».

Das ist nicht selbstverständlich. Früher, als noch nicht die Chinesen, sondern die Engländer den Tourismus in der Schweiz ankurbelten, war Andermatt ein gefragter Ferienort. Die Zäsur kam mit den Kriegsjahren. Statt der Touristen war es die Armee, die den Ort am Leben hielt. Das Militär haute Geheimgänge ins Gotthardmassiv und betrieb in Andermatt einen der grössten Waffenplätze der Schweiz. Einen pulsierenden Ort stellt man sich anders vor.

Mit dem Ende des Kalten Krieges zog sich auch das Militär immer mehr aus Andermatt zurück. Für den Ort war dies ein schmerzhafter Prozess. Manch ein Gewerbetreibender kämpfte plötzlich ums Überleben. Man versuchte, an die glanzvollen Zeiten des Tourismus anzuknüpfen, reaktivierte gar die alte Skisprungschanze wieder. Richtig abheben konnte man aber nicht. 1990 fand auf der kleinen Gurschenschanze das letzte Springen statt. Der Schanzenrekord von 1952 (69 Meter) blieb unangetastet. Aber man hinkte auch sonst in vielem nach. Da half auch nichts, dass 1964 in Andermatt eine Szene für den James-Bond-Film «Goldfinger» mit Sean Connery gedreht wurde.

Mehr Qualität am Fusse des Gotthards

Andermatt drohte in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, wäre 2005 nicht Samih Sawiris aufgetaucht. Der ägyptische Investor baute Eingang des Dorfes ein riesiges Ferienresort und löste damit im ganzen Tal einen Erneuerungsschub aus. «Andermatt und die Umgebung ist zwar gewachsen, aber nicht viel grösser geworden. Gewachsen ist vor allem die Qualität», lässt sich Skilegende Bernhard Russi, der in Andermatt aufwuchs und mit dem Ort auch heute noch eng verbunden ist, im «Mammut»-Magazin zitieren.

Erste chinesische Skitourengruppe

Heute steht der Ort am Fusse des Gotthards vor allem bei Schweizern wieder hoch im Kurs. Dies könnte in ein paar Jahren schon bald anders sein. Die Zahl der deutschen Gäste ist bereits heute stark im Steigen begriffen, zudem verspricht sich Mammut laut Widmer viel vom asiatischen Markt.

Insbesondere in China ist laut Widmer ein Wandel festzustellen. 2022 finden in Peking die Olympischen Winterspiele statt. Für unzählige Chinesen ist dies Anlass, sich selber im Wintersport zu üben. Anfang dieses Jahres buchte eine erste Gruppe von chinesischen Wintersportlern bei Mammut eine Skitour in Andermatt – und wurde eingeschneit. «Das war das Beste, was ihnen passieren konnte», meint Widmer. So hätten sie am eigenen Leib erfahren können, was es heisst, den Launen der Natur ausgeliefert zu sein und dem Bergführer zu vertrauen. Ein unvergessliches Erlebnis sei dies für die Chinesen gewesen, sagt er.

Dank der zentralen Lage, den schneereichen Wintern und den unzähligen Möglichkeiten im Sommer machen rüstet man sich in Andermatt für weitere Gruppen. Investiert wird nicht nur in die Infrastruktur, sondern ebenso sehr in den Service. Wer sich für eine Bergtour angemeldet hat, der soll direkt im Hotel vom Bergführer abgeholt werden. Aus diesem Grund spannen Mammut und Radisson Blu zusammen. Eine Win-win-Situation sei dies, betonen Widmer und Horn. Denn bei Radisson weiss man zu gut, dass man ein breites Freizeitangebot allein kaum mehr anbieten kann.

Doch ein solches ist heute unabdingbar. Horn sagt dazu:

«Die Gäste sind nicht mehr auf eine einzige Sportart fixiert, sondern wollen in den Ferien möglichst viel ausprobieren.»

Das heisst: Am einen Tag geht es aufs Bike, am anderen auf eine Wanderung und am dritten auf den Golfplatz. Mammut und «Radisson Blu» haben ihr Angebot entsprechend angepasst. Von Juni bis September kann man sich jeweils am Dienstag im Klettern üben, am Mittwoch steht eine Gletscherwanderung auf dem Programm und am Donnerstag Bouldern. Die Durchführung ist ab zwei Personen garantiert.

Ein weiterer Trend ist Fernwandern. Sei es der Jakobsweg oder die Grande Traversata delle Alpi: Zunehmend mehr Menschen entdecken das Weitwandern. In der Region Andermatt führt der Weg nicht ans angebliche Grab des Apostels Jakobus oder ans Mittelmeer, sondern zu den Quellen des Rheins, der Reuss, des Ticino sowie der Rhone. Vier-Quellen-Weg nennt sich diese Wanderung und umfasst total 85 Kilometer. Die Wanderung ist gut signalisiert und kann auch gut mit Kindern, in einer fünftägigen Wanderung oder in einzelnen Tagesetappen absolviert werden.

Im letzteren Fall bietet sich das «Radisson Blu» als sogenannte Homebase an. Es gibt ja mittlerweile mehr als nur einen Grund, um immer wieder nach Andermatt zurückzukehren.

Detaillierte Informationen zur Wanderung gibt es auf: vier-quellen-weg.ch, zu Mammut auf: mammutalpineschool.com und zu Radisson Blu auf: radissonblu.com/de/hotel-andermatt

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