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ANSICHTEN: Tschüss, Pionierrolle

Eva Novak über Drogenabgabe-Versuche.
Eva Novak
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Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will nichts vom Versuch der Universität Bern mit kontrollierter Cannabis-Abgabe wissen. Das ist bemerkenswert. Denn diesem Amt und seinem früheren Direktor Thomas Zeltner hat die Schweiz ihre langjährige Pionierrolle in der Drogenpolitik zu verdanken. Bis heute gilt das unter ihm etablierte Viersäulenmodell, das auf Prävention, Repression, Therapie und Überlebenshilfe setzt, weltweit als Vorbild.

Entwickelt wurde es in den 1990er-Jahren – unter beträchtlichem Leidensdruck. Rund 400 Drogentote waren damals Jahr für Jahr zu beklagen, und Bilder von verwahrlosten Süchtigen aus der reichen Schweiz, die sich am Platzspitz und später am Letten ihren Schuss setzten und nicht selten mit ihrem Leben dafür bezahlten, gingen um die Welt. Verbote konnten dagegen ebenso wenig ausrichten wie zahllose Versuche, die Drogenabhängigen zu verjagen. Erst die kontrollierte Heroin- und Methadonabgabe setzte dem Elend ein Ende. Offene Drogenszenen samt der sie begleitenden Beschaffungskriminalität gehö­ren seitdem der Vergangenheit an; die Zahl der Drogentoten ist ebenso drastisch zurückgegangen wie jene der Neukonsumenten harter Drogen.

Auch bei der weichen Droge Cannabis war die Schweiz auf dem besten Weg, den weltweiten Lead zu übernehmen. 1999 schlug die Kommission für Drogenfragen vor, Konsum, Handel und Anbau straffrei zu machen. Denn ein Verbot sei kontraproduktiv: Es könne nicht verhindern, dass Hunderttausende von Schweizerinnen und Schweizern regelmässig kifften, lasse aber Riesensummen in den illegalen Markt fliessen, der nur mit einer Entkriminalisierung auszutrocknen sei. Die Gefahr sei überschaubar, da Cannabis zwar auch schädlich sei, aber nicht süchtig mache und insgesamt weniger schade als die legale Droge Alkohol.

Der Bundesrat nahm den Ball auf und schlug eine Legalisierung des Hanfkonsums vor. Der bürgerlich dominierte Ständerat schloss sich an. FDP-Präventivmediziner Felix Gutzwiller und der damalige Schwyzer CVP-Ständerat Bruno Frick warfen sich an vorderster Front für eine Legalisierung in die Bresche. Das Wunder schien fast perfekt – doch dann kamen die Wahlen 2003 dazwischen. Eine Mehrheit der CVP-Nationalräte bekam Angst vor dem eigenen Mut und schloss sich den skeptischen Westschweizern und der kritischen SVP an.

Eines der Hauptargumente lautete damals, der Rest der Welt werde ein Vorpreschen der Schweiz nicht goutieren. Inzwischen hat dieser die Schweiz längst links überholt. Allen voran die in Drogenfragen traditionell repressiven USA. 2012 haben Colorado und Washington den Hanfkonsum legalisiert, eine ganze Reihe weiterer Gliedstaaten ist dem Beispiel seitdem gefolgt. Sie verdienen sich eine goldene Nase am Cannabis. Dass es in den USA so rasch geht, liegt aber eher an den Erfahrungen mit negativen Folgen der Prohibition. Es war das Verbot des Alkoholkonsums nach 1920, das die Mafia in den Vereinigten Staaten gross werden liess.

Unser Land setzt derweil ausgerechnet bei der weichen Droge Hanf weiterhin auf Verbote. Das einst so mutige BAG versteckt sich hinter fadenscheinigen juristischen Bedenken. Die Dealer lachen sich ins Fäustchen, die Fachleute schütteln den Kopf, und Hunderttausende von Kiffern kiffen illegal weiter. Alles bleibt, wie es war. Ausser, dass sich die Schweiz ohne Not von ihrer Pionierrolle verabschiedet hat.

Eva Novak

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