Anwalt für die heiklen Fälle

Valentin Landmann verteidigt Prostituierte und Politiker, Rocker und Rechtsextreme. Jetzt setzt er sich für den mutmasslichen Schweizer Steuer-Spion ein.

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Anwalt Valentin Landmann. (Bild: Urs Jaudas)

Anwalt Valentin Landmann. (Bild: Urs Jaudas)

Die Kameras waren diese Woche wieder einmal auf den Mann mit der Glatze gerichtet: Valentin Landmann, Jahrgang 1950, schillernder Anwalt für alle Fälle. Es ging um den Schweizer Spion Daniel M., der mutmasslich für den Nachrichtendienst des Bundes (NDB) die deutschen Finanzbehörden ausgehorcht haben soll und nun in Haft sitzt. Landmann vertritt ihn in einem älteren Fall in der Schweiz – ergriff aber auch jetzt das Wort für seinen Mandanten. Landauf, landab war daraufhin von Landmann zu lesen, aufgrund der Brisanz des Falles schaffte er es sogar in deutsche Medien. Doch das Scheinwerferlicht macht dem eigenwilligen Anwalt nichts aus, er ist es sogar gewohnt.

Immer wieder schnappt sich Landmann spektakuläre und damit medienträchtige Fälle: Zu seinen Mandanten gehören etwa auch der liebestrunkene Gefängnisausbrecher Hassan Kiko, die rechtsextreme Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) oder der renitente Rentner Peter Hans Kneubühl, der 2010 bei der angekündigten Räumung und Zwangsversteigerung seines Elternhauses einem Polizisten in den Kopf schoss. Er berät den Schwyzer SVP-Nationalrat und Kesb-Gegner Pirmin Schwander und verteidigte den Thurgauer SVP-Politiker Hermann Lei in der Affäre Hildebrand. Während andere Anwälte gegenüber den Medien eher zurückhaltend sind, geht Landmann in die Offensive.

Landmann sagte einmal, dass er den Kontakt mit der Presse nicht suche, die Presse komme zu ihm. Das mag man ihm aber nicht ganz abkaufen. Denn Landmann weiss genau, wie er sich inszenieren muss: Als die «Schweizer Illustrierte» vor ein paar Jahren ein Interview mit ihm abdruckte, posierte er für das Foto in einem Bordell – mit vier nackten Prostituierten an seiner Seite. Er habe Freude an der Atmosphäre in den Sexclubs, er schätze diese Frauen sehr, sagte er. Bekannt wurde Landmann denn auch als «Milieuanwalt», als Verteidiger von zwielichtigen Gestalten aus der Unterwelt, von Prostituierten, Biker- und Rockerbanden. Zum ersten Mal in Kontakt mit dieser Welt kam er Anfang der 1980er-Jahre, als er in Hamburg weilte und dort an seiner Habilitation über Produkthaftpflicht schrieb. Er lernte bei seinen Streifzügen durch die Reeperbahn die Hells Angels kennen – und war fasziniert von den»Querköpfen», wie er sagt.

Landmann schredderte daraufhin seine fast fertige Habilitation und beendete seine akademische Karriere. Für ihn war es ein Bruch mit der Vergangenheit, mit seinem akademischen Elternhaus. Aufgewachsen ist er als Einzelkind am noblen Rosenberg in St. Gallen. Seine Mutter war die bekannte deutsch-jüdische Schriftstellerin Salcia Landmann, sein Vater Philosophieprofessor an der Universität Berlin. Den sah er aber nur selten. Dass er selber nicht aus der Unterwelt kommt, das merkt man, wenn man Landmann im Gericht beobachtet. Sein Auftreten passt nicht wirklich zu seinem Image: Er spricht ruhig, überlegt, ist höflich und wird selten laut. Er selbst beschreibt sich als sehr harmoniesüchtigen Menschen, der Streit nicht mag. Im Juni wird Landmann 67. Die meisten sind in diesem Alter schon im Ruhestand – doch Landmann, der ist umtriebig wie eh und je.

 

Michel Burtscher