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ARBEITSKAMPF: Streikpiraten gegen Linienschiff

Der Streik der Schweizer Angestellten der Schifffahrtsgesellschaft Lago Maggiore hält an. Italien garantiert einen Ersatzfahrplan. Zum Ärger der Streikenden, die auch vor dem Einsatz von Pedalos nicht zurückschrecken.
Gerhard Lob, Locarno
Pedalos stören das Linienschiff. (Bild: Pablo Gianinazzi/Ti-Press)

Pedalos stören das Linienschiff. (Bild: Pablo Gianinazzi/Ti-Press)

Der Arbeitskonflikt auf dem Lago Maggiore spitzt sich zu. Am Sonntag musste die Wasserpolizei eingreifen, nachdem Streikende und ihre Unterstützer mit Pedalos versuchten, das einzige internationale Linienschiff am Einfahren in die Schifflände von Locarno zu hindern. Die Aktion war von den Gewerkschaften eingefädelt worden. Die lokalen Medien sprechen mittlerweile von einer «Seeschlacht». Die Stimmung ist mehr als gereizt.

Tatsächlich zeichnet sich kein Ende des Streiks ab. Seit zehn Tagen befinden sich die Angestellten der italienischen Schifffahrtsgesellschaft Lago Maggiore (NLM) im Ausstand. Das Personal verlangt eine Rücknahme der auf Ende Jahr ausgesprochenen Entlassungen und eine Weiterbeschäftigung bei gleichen Bedingungen. Insgesamt 14 Festangestellte und 20 Saisonangestellte sind betroffen.

Die NLM hat vor Tagen die Streikenden aufgefordert, die Arbeit wieder aufzunehmen. Genauso äusserte sich die Tessiner Kantonsregierung. Vor Wochenfrist erklärte der Staatsrat, «der Streik hat ein klares Signal gesetzt». Doch jetzt brauche es Zeit, um sich für den Betrieb im Schweizer Becken ab 1. Januar 2018 zu rüsten. Dieser Betrieb soll neu von einem Konsortium erbracht werden, in dem die Schifffahrtsgesellschaft vom Luganer See (SNL) mit der NLM zusammenarbeitet. Im September werde der Businessplan vorliegen. Neben Linienverbindungen soll dieses Konsortium die gewünschte Verbesserung der touristischen Schifffahrt im Schweizer Becken bringen. Doch die Streikenden wollen sofortige Garantien, sie glauben nicht an Versprechungen. «Doch wir können diese Garantien nicht geben – wir sind ja nicht der Arbeitgeber», sagte Regierungspräsident Manuele Bertoli (SP) auf Anfrage. Angesichts des ruhenden Betriebs im Schweizer Seebecken hatte das Bundesamt für Verkehr (BAV) am vergangenen Freitag die NLM daran erinnert, dass sie aufgrund der Konzession das Recht wie die Pflicht habe, den publizierten Fahrplan einzuhalten. Falls höhere Gewalt vorliege, sei sie dazu verpflichtet, ein Ersatzangebot zu organisieren. «Das BAV hat diese Intervention in seiner Funktion als Aufsichtsbehörde über den öffentlichen Verkehr getätigt», präzisiert BAV-Sprecher Gregor Saladin. Im arbeitsrechtlichen Konflikt habe das Amt keine Funktion.

Bevölkerung ist solidarisch, Touristiker sind verärgert

Die NLM hat daraufhin einen Ersatzfahrplan erarbeitet, dank dem die Brissago-Inseln von Ascona, Brissago und Porto Ronco wieder erreicht werden können. Zudem ist täglich eine internationale Verbindung nach und von Arona im Angebot. Die Streikenden in der Schweiz sind erbost, da italienisches Personal diese Verbindungen garantiert. Tatsächlich dürfte es einmalig sein, dass Italiener als Streikbrecher von Schweizer Personal tätig sind.

Am Samstag demonstrierten in Locarno 800 Personen aus Solidarität mit den Streikenden. Auch eine Petition wurde von mehr als 2000 Personen unterzeichnet. In Tourismuskreisen herrscht indessen Verärgerung. «Ich empfinde Solidarität mit den Streikenden, aber auf den Brisssago-Inseln sind 20 Personen beschäftigt, die arbeiten wollen», sagt Paolo Senn, Gemeindepräsident von Ronco s/Ascona und VR-Präsident der Brissago-Inseln. Bei den Touristen herrscht derweil Verwirrung. Dies liegt auch daran, dass der Ersatzfahrplan schwer zu finden ist. Auf der NLM-Webseite ist dieser unter den amtlichen Bekanntmachungen publiziert.

Gerhard Lob, Locarno

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