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ARBEITSLOSIGKEIT: Bau und Gastgewerbe unter Rechtfertigungsdruck

Tausende von arbeitslosen Inländern stammen aus Berufen, die eine hohe Zuwanderung aufweisen. Wieso greifen die Arbeitgeber nicht auf einheimische Stellensuchende zurück, anstatt Leute aus dem Ausland zu rekrutieren?
Roger Braun

Es sind Zahlen, die selbst wirtschaftsfreundliche Politiker wie FDP-Ständerat Philipp Müller wütend machen. 5415 Service­angestellte waren im vergangenen Jahr in der Schweiz arbeitslos gemeldet – und trotzdem kamen 9008 Einwanderer in die Schweiz, um genau diese Arbeit zu verrichten. Und das ist noch nicht einmal das extremste Beispiel (siehe Kasten). Bei den «Sonstigen Berufen des Bauhauptgewerbes» – hauptsächlich Hilfsarbeiter – beträgt die Ar­beitslosigkeit 18 Prozent, was in absoluten Zahlen 3191 Arbeits­lose ausmacht. Und trotzdem: 6045 Arbeitnehmer wanderten just in diese Berufsgruppe ein. Müller sagt: «Es ist nicht auszuhalten, dass Branchen wie der Bau oder das Gastgewerbe weiterhin Leute aus dem Ausland holen, anstatt arbeitslose Inländer anzustellen.» Er spricht von einer letzten Chance für die Arbeitgeber. «Wenn sich deren Verhalten nicht ändert, wird die Politik gezwungen sein, den Inländervorrang deutlich zu verschärfen.»

Baumeister räumen Problem ein

Der Baumeisterverband aner­kennt, dass es in der Bauwirtschaft zu einer gewissen Verdrängung kommt. Schuld daran sei im Bauhauptgewerbe vor allem der geltende Gesamtarbeitsvertrag (GAV), der fixe Mindestlöhne für verschiedene Lohnklassen vorsieht, sagt Verbandspräsident Gian-Luca Lardi. Er stört sich daran, dass wenn eine Arbeitskraft erst mal eine höhere Lohnklasse erreicht hat, dies nicht mehr rückgängig gemacht werden darf. «Dies kann dazu führen, dass Personen in einer höheren Lohnklasse durch Einwanderer ersetzt werden, die bei der untersten Lohnstufe beginnen», sagt er. «Damit produziert der starre GAV Arbeitslosigkeit und heizt die Zuwanderung an.» Lardi kündigt an, das Problem mit den Gewerkschaften «möglichst schnell» zu lösen. Die Gewerkschaften jedoch haben bisher kein Entgegenkommen signalisiert. Sie beharren auf der bestehenden Abmachung und sehen in Lardis Avance einzig einen Versuch, die Löhne zu drücken.

Beim Gastgewerbe liegt der Fall etwas anders. Nicht der Lohn, sondern die fehlende Qualifikation und Motivation von arbeitslosen Inländern sei das Problem, sagt der Präsident von Gastrosuisse und Hotelbesitzer Casimir Platzer. «Unter den Arbeitslosen in der Schweiz finden wir kaum die Arbeitskräfte, die wir brauchen», sagt er. Das liege an der hohen Zahl der Langzeitarbeitslosen wie auch an der Definition der Berufsgruppen. Platzer nennt das Beispiel des ­Küchenpersonals, das insgesamt eine hohe Arbeitslosigkeit aufweist. «In dieser Gruppe befinden sich allerdings mehrheitlich Hilfskräfte und nur wenige gelernte Köche, die in der Schweiz kaum mehr zu finden sind.» Deshalb sei das Gastgewerbe auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen, sagt er. Platzer fühlt sich zu Unrecht beschuldigt. «Glauben Sie mir, fähige und motivierte Inländer finden im Gastgewerbe sofort eine Stelle.»

Roger Braun

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