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Arbeitsmediziner warnen vor flexibleren Arbeitszeiten

Die Gewerkschaften erhalten Unterstützung in der Debatte um flexible Arbeitszeiten.
Kari Kälin
Für Vorgesetzte und Fachspezialisten sollen ein neues Arbeitszeitmodell gelten. (Bild: KEYSTONE/DPA/Patrick Pleul)

Für Vorgesetzte und Fachspezialisten sollen ein neues Arbeitszeitmodell gelten. (Bild: KEYSTONE/DPA/Patrick Pleul)

Man soll die Arbeit erledigen, wenn sie anfällt – und dafür vorübergehend länger arbeiten dürfen. Deshalb plädiert die Mehrheit der Wirtschaftskommission in National- und Ständerat für Änderungen im Arbeitsgesetz. So soll etwa die maximale Höchstarbeitszeit von 45 Stunden pro Wochen durch eine Jahresarbeitszeit ersetzt werden. Die tägliche maximale Arbeitszeit soll von 12,5 auf 13,5 Stunden steigen. Gelten würde das Modell für Vorgesetzte und Fachspezialisten mit einem Lohn von mindestens 120'000 Franken pro Jahr oder einem Hochschulabschluss. Am Donnerstag befasst sich die Wirtschaftskommission des Ständerats mit der Idee des abtretenden Luzerner Ständerats Konrad Graber.

Jetzt schaltet sich die Schweizerische Gesellschaft für Arbeitsmedizin in die Debatte ein. Sie schlägt der ständerätlichen Wirtschaftskommission in einem Brief vor, als Fachexperten zu Anhörungen eingeladen zu werden, die vor der Wintersession geplant sind.

Die Arbeitgeber sprechen sich für die Flexibilisierung aus, die Gewerkschaften lehnen sie ab – zumal die schweizerische Gesundheitsbefragung zu Tage förderte, dass der Stress am Arbeitsplatz steigt.

Lange Arbeitszeiten: Risiko für Hirnschlag steigt

Die Arbeitsmediziner stellen sich gegen die avisierte Lockerung des Arbeitsgesetzes. Zum vorgeschlagenen Jahreszeitmodell sagt Präsident Klaus Stadtmüller: «Erholung und Regeneration – das entspricht auch dem Alltags- und Erfahrungswissen – müssen zeitnah zur ressourcenverbrauchenden Belastung erfolgen.» «Zeitnah» bedeute innerhalb von Tagen und nicht eines Jahres. Es sei längst erwiesen, dass lange Arbeitszeiten ohne genügend Möglichkeiten zur Erholung der Gesundheit schadeten. Stadtmüller verweist etwa auf aktuelle Studien, gemäss der lange Arbeitszeiten das Risiko für Hirnschlag und Alkoholmissbrauch erhöhen. Stadtmüller bezweifelt auch, dass die von den geplanten Gesetzesänderungen betroffenen Angestellten ihre Arbeitszeit tatsächlich autonom gestalten können. Der Präsident der Arbeitsmediziner verweist auf das Konzept der sogenannten «interessierten Selbstgefährdung». Es besagt, dass man sich wegen beruflicher Ambitionen quasi sehenden Auges selber schadet, indem man viel zu viel arbeitet und sich viel zu wenig Erholung gönnt.

Positive Auswirkungen auf die Work-Life-Balance

«Mehr Flexibilität reduziert den Stress», argumentiert hingegen Konrad Graber. Wissenschaftliche Studien hätten erhärtet, dass sich die Arbeitszeitautonomie positiv auf die Gesundheit und die Work-Life-Balance auswirke. Die Mehrheit der Ständeratskommission sieht das gleich. Viele Arbeitnehmer wollten ihre Arbeitszeiten anders gestalten als gesetzlich erlaubt, schreibt die Wirtschaftskommission in ihrem Bericht. Mit mehr Flexibilität könnten zum Beispiel Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefördert oder Pendlerströmen ausgewichen werden.

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