ARMEE: Ebola-Einsatz vor dem Aus

Die Schweiz findet keinen Partner für die Mission in Liberia. Zurzeit werden in Stans Freiwillige ausgebildet. Doch die Chancen für ihren Tropeneinsatz schwinden.

Eva Novak
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Ein Mann betrachtet die Ebola Sensibilisierungskampagne in der Hauptstadt Monrovia. (Bild: Keystone)

Ein Mann betrachtet die Ebola Sensibilisierungskampagne in der Hauptstadt Monrovia. (Bild: Keystone)

«Die Armee ist parat – wir haben am Montag mit der Ausbildung für den Ebola-Einsatz begonnen», sagt Renato Kalbermatten, Sprecher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Dennoch konnte der Bundesrat an seiner gestrigen Sitzung nicht über den Einsatz von Schweizer Armeehelikoptern zu Gunsten der UNO-Mission gegen Ebola (UNMEER) im Seuchengebiet entscheiden, welche gemäss den ursprünglichen Plänen dieser Tage hätte beginnen sollen. Denn «trotz intensiver Bemühungen», so das VBS, habe sich bis jetzt kein militärischer Partner finden lassen.

USA bekunden wenig Interesse

Dabei hat die Suche mehr als einen Monat gedauert. Woran sie bisher gescheitert ist, wollte das VBS offiziell nicht bestätigen. Aus gut unterrichteten Quellen verlautete, dass die Schweizer Helikopter in einem US-Camp in der Region hätten untergebracht werden sollen. Doch die Amerikaner hätten bisher wenig Interesse an einer Kooperation gezeigt. Als anderer möglicher Partner wurde unter anderem die Ukraine genannt, die aber ebenfalls nicht über die nötige Infrastruktur verfüge.

Ziel der Mission wäre die Verteilung von Medikamenten und Hilfsgütern sowie der Transport von humanitärem Personal in abgelegene Gebiete gewesen. Zwei bis drei Helikopter, so der Plan, sollten dazu nach Westafrika verfrachtet werden. Die Schweiz könnte da einen für ihre humanitäre Tradition typischen Beitrag leisten, hatte Ueli Maurer nach dem Bundesratsentscheid vor Monatsfrist im Interview mit unserer Zeitung erklärt. Er verwies auf die Mission im Kosovo, wo die Schweiz mit den USA zusammenarbeitet.

Guter Ruf half bisher wenig

«Wir haben international den Ruf, über hervorragende Piloten und zuverlässige, vielsprachige Leute zu verfügen», sagte der Verteidigungsminister. Weil man aber nicht über genügend Mittel verfüge, um alleine eine Helikopter-Basis zu betreiben, sei man auf logistischen Support eines anderen Landes angewiesen. Dieses hat sich bis jetzt trotz des guten Rufs der Schweizer Hilfsleistungen nicht finden lassen.

Darf man aus den Problemen bei der Partnersuche schliessen, dass die Schweizer Hilfe in Afrika nicht erwünscht ist? «Überhaupt nicht», winkte Kalbermatten ab. Weitere Einzelheiten zur Anzahl und zum Training der Freiwilligen wollte der VBS-Sprecher nicht bekannt geben. Er erklärte nur, die materiellen und personellen Voraussetzungen für einen Einsatz seien gegeben.

Ausbildung in Stans hat begonnen

Insgesamt braucht es dazu gemäss früheren VBS-Schätzungen etwa 200 Armeeangehörige; dazu kommen noch etwa halb so viele zivile Helfer. Laut Insidern wird zurzeit in Stans ein erster Teil der Berufsmilitärs ausgebildet, die sich für den Einsatz gemeldet haben. Den gegen 100 Freiwilligen wird während fünf Tagen beigebracht, wie sie sich während eines humanitären Einsatzes in einem tropischen Land unter besonderen gesundheitlichen Bedingungen zu verhalten haben.

VBS: «Noch bestehen Chancen»

Die erworbenen Fertigkeiten könnten sie auch ohne Einsatz in Liberia nutzen, heisst es aus dem Umfeld der Freiwilligen. Doch ganz aufgegeben hat man die Hoffnung auf den Einsatz im VBS vorläufig nicht: «Noch bestehen Chancen», so Kalbermatten, «auch wenn der Bedarf immer weniger dringend wird und einmal der Punkt überschritten wird, nach welchem ein Einsatz der Schweizer Armee keinen Mehrwert mehr bringen würde.»

Dem Bundesrat und namentlich Verteidigungsminister Ueli Maurer drohen also die Felle davonzuschwimmen. Freuen kann sich hingegen seine Partei. Während sich Maurer mit Verve für die «längste humanitäre Aktion der Schweizer Armee» engagierte, wollte die SVP den Schweizer Soldaten die Reise nach Afrika verbieten, «da sie Gefahr laufen, selber zu erkranken und das Ebolavirus einzuschleppen».

Erkrankter wird in Genf behandelt

sda. In der Schweiz wird zum ersten Mal ein Ebola-Kranker behandelt. Ein kubanischer Arzt, der sich bei einem Hilfseinsatz in Sierra Leone mit dem Virus angesteckt hat, wird in den nächsten Tagen ins Genfer Universitätsspital überflogen, um dort behandelt zu werden. Der 43-jährige Patient wird nach Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) von gestern in den nächsten 48 Stunden im Genfer Universitätsspital eintreffen. Er soll von einer privaten amerikanischen Fluggesellschaft aus Sierra Leone in die Schweiz gebracht werden, wie Gesundheitsminister Alain Berset gestern sagte.