ARMEE: «Gripen ist für mich abgehakt»

André Blattmann, der Chef der Armee, sprach gestern in Altdorf. Das Gripen-Nein ist für ihn erledigt. Nun geht es um die Weiterentwicklung der Armee, die wohl 2016 vors Volk kommt.

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Für Armeechef André Blattmann (58) ist das Gripen-Geschäft erledigt. Im Januar besichtigte er in Emmen einen Gripen (Bild). (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Für Armeechef André Blattmann (58) ist das Gripen-Geschäft erledigt. Im Januar besichtigte er in Emmen einen Gripen (Bild). (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

André Blattmann, Sie bemängeln ein mangelndes Sicherheitsbewusstsein in der Bevölkerung und wünschen sich auch einen höheren Stellenwert der Sicherheit im Bildungssystem. Wie wollen Sie das anpacken?

André Blattmann: Ich mache ja keine Bildungspolitik. Aber es ist mir ein Anliegen, dass man den jungen Leuten das Thema Sicherheit vermittelt. Primarschülern bringt man bei, wie man über die Strasse geht oder dass man zu Fremden nicht ins Auto steigt. Das ist Sicherheitsdenken. Ich finde es ganz wichtig, dass man das auf allen Stufen wieder aufnimmt. Wohlergehen und Sicherheit gehören zusammen. Das muss man zum Thema machen. Wie man das macht, dafür bin ich nicht zuständig.

Ist ein mangelndes Sicherheitsbewusstsein auch Ihre Erklärung für den Widerspruch, dass die Armee zwar ein so hohes Ansehen hat wie seit Jahren nicht mehr und gleichzeitig ihre erste Abstimmung vor dem Volk verliert?

Blattmann: Ich sehe hier keinen Widerspruch, denn man kann die Situation nicht nur auf diese zwei Punkte reduzieren. Man müsste auch die Abstimmung zur Abschaffung der Wehrpflicht hinzunehmen. Dieses Bekenntnis der Schweizer zur Armee an der Urne hat in seiner Deutlichkeit sogar manche Optimisten überrascht.

Warum taten sich die Schweizer dann so schwer mit dem Gripen?

Blattmann: Der Gripen war eine Sachabstimmung. Das Volk musste Stellung zu einem Rüstungsgeschäft nehmen. Offensichtlich ist es nicht gelungen, hinreichend zu erklären, warum es den Gripen braucht. Darauf kann man es schlussendlich reduzieren. Das Volk hat die Notwendigkeit des Geschäfts nicht verstanden und darum abgelehnt. Aber der Entscheid war klar, und damit ist die Sache abgehakt. Man muss das nicht hinterfragen.

Im Vorfeld haben aber gerade die Befürworter die Gripen-Abstimmung zum Plebiszit über eine funktionierende Armee hochstilisiert. Gibt Ihnen das Nein nicht für die Zukunft zu denken?

Blattmann: Ich sehe das nicht wirklich als Einschnitt. Vermutlich 2016 werden wir spätestens über die Weiterentwicklung der Armee abstimmen. Ich bin überzeugt, dass die Schweizer Stimmbürger ihr Bekenntnis wie bei der Wehrpflicht wieder bestätigen werden. Die Leute wollen Wohlstand und Sicherheit.

Das Projekt «Weiterentwicklung der Armee» (WEA) ist eine grundlegende Reform des Schweizer Militärs. Wäre es im Nachhinein für den Bundesrat nicht besser gewesen, mit dem Gripen-Geschäft zu warten, bis die WEA umgesetzt ist?

Blattmann: Sagen wir es so: Das Nein hat sicher auch mit mangelnden Informationen zu tun, was ein Flieger konkret in einem Gesamtsystem bringt. Aber wie gesagt war der Gripen eine Sachentscheidung zu einem Rüstungsprojekt. Die WEA ist eine andere Geschichte – eine Grundsatzfrage. Aber auch hier werden wir genau informieren müssen.

Die Gegner werden sich nicht nur bei Armeeabschaffern finden. Auch in gewissen Militärkreisen sorgt die Armeereform für Unruhe.

Blattmann: Insgesamt sind die Einschnitte weniger dramatisch als bei der Armee XXI und werden darum auch für weniger Unruhe sorgen. Das ist auch eine Lehre aus dem Projekt Armee XXI. Es hat nicht gut getan, alles durcheinanderzuschütteln. Die Schweizerische Offiziersgesellschaft und der Unteroffiziersverband haben auch klar Ja zu WEA gesagt, ein Budget von 5 Milliarden Franken und 100 000 Mann vorausgesetzt. Andere Milizorganisationen sind aber noch skeptisch. Die müssen wir an Bord holen. Aber ich gehe fest da-­ von aus, dass wir am Schluss mit geschlossenen Reihen dastehen. Das ist wichtig.

Die Urner sagten mit 62 Prozent Ja zum Gripen. Sind Sie gerne in Altdorf?

Blattmann: Nach der Abstimmung vom 18. Mai tut es tatsächlich gut, hierherzukommen (schmunzelt). Hier bin ich gut aufgehoben. Ein bisschen mehr Uri würde der Schweiz gut tun.