Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ARMEE: Obwaldner übernimmt die Führung der Luftwaffe

Seit 40 Jahren ist er bei der Luftwaffe, doch kaum einer will ihn näher kennen: Der Obwaldner Bernhard «Beni» Müller soll als oberster Pilot den Kampfjetkauf ins Trockene bringen.
Bernhard Müller ist ab dem 1. Januar 2018 der neue Kommandant der Schweizer Luftwaffe. (Bild: Pius Amrein (Alpnach, 23. November 2017))

Bernhard Müller ist ab dem 1. Januar 2018 der neue Kommandant der Schweizer Luftwaffe. (Bild: Pius Amrein (Alpnach, 23. November 2017))

Das Büro im Berner Pentagon, eng und ohne besondere Kennzeichen, passt gut zum Offizier, der von dort aus die Schweizer Luftwaffe leitet. Bernhard Müller, besser bekannt unter seinem Pilotennamen «Beni», ist klein und drahtig. Unauffällig. Wer sich bei Sicherheitspolitikern nach ihm erkundigt, bekommt meist zu hören: «Ich kenne ihn kaum.» Dabei tritt der stellvertretende Luftwaffenkommandant und Einsatzleiter regelmässig vor den sicherheitspolitischen Kommissionen der Räte an. Und das nicht erst, seit er vom Bundesrat zum Luftwaffenkommandanten ernannt wurde.

Dieser unscheinbare «General» soll das Parlament und am Ende auch das Volk überzeugen, 8 Milliarden Franken in neue Kampfjets, Raketen und Radars zu investieren, ganz wie es der Bundesrat beantragt hat? Obwohl sie vorgeben, ihn nicht wirklich zu kennen, trauen die Sicherheitspolitiker dem 60-Jährigen das anscheinend zu. «‹Beni› ist der Richtige dafür, weil er kein Blender ist und glaubwürdig erklären kann, warum die Luftwaffe erneuert werden muss», sagt der Pilot und Schaffhauser SVP-Nationalrat Thomas Hurter. «Er wird das kompetent machen», gibt sich Ida Glanzmann überzeugt. Einige mögen finden, dem neuen Fliegerchef fehle es an Charisma – die Luzerner CVP-Nationalrätin attestiert ihm genau jene «gute Ausstrahlung», die es brauche, um die Beschaffung diesseits des Röstigrabens mehrheitsfähig zu machen, nachdem mit Guy Parmelin und Philipp Rebord zwei Romands an der Spitze des Verteidigungsdepartements und der Armee stehen.

«Wir müssen wieder lernen, dass Staaten keine Freunde haben, sondern nur Interessen», sagt Müller im Gespräch. Den Schweizern sei völlig klar, dass der Wirtschaftsminister mit Dutzenden von Wirtschaftskapitänen nach Peking reisen müsse. Bei der Sicherheit aber höre unser Denken oft an der Landesgrenze auf. Das erstaune ihn immer wieder, schliesslich habe sich die Situation massiv verändert, sei es in Russland, den USA oder Nordkorea: «Präsidenten drohen einander, Waffen einzusetzen, nicht gegen die Schweiz, aber möglicherweise über die Schweiz.» Weil diese als schwacher Punkt erscheinen könnte auf der Landkarte der Mächtigen. Dagegen müsse sich das Land wappnen mit Kampfjets, Raketen und Radars: Diese Botschaft wird Bernhard Müller verkünden, wenn er am Montag die Führung der Luftwaffe übernimmt. Von Aldo C. Schellenberg, dem Aussenseiter, der Müller im ersten Anlauf überrundet hatte. Damals, vor fünf Jahren, als Markus Gygax in Pension ging. Alle hatten damit gerechnet, dass sein Stellvertreter «Beni» in die Kränze kommen würde. Der Helikopterpilot, der seit 40 Jahren in der Luftwaffe dient. Der fleissige, strebsame Berufsoffizier ohne sichtbare Ecken und Kanten, der vor 30 Jahren den Superpuma als Cheffluglehrer einführen half. Der bei seinen Untergebenen als analytisch, besonnen, verlässlich, herzlich – und als ganz schön trocken gilt. Doch zur allgemeinen Überraschung holte Verteidigungsminister Ueli Maurer den Betriebswirtschafter Schellenberg, der vom Fliegen keine Ahnung hatte, dem die Herzen der Piloten bis zuletzt nicht zufliegen wollten.

Falls «Beni» Müller dem Vorgänger etwas nachträgt, so zeigt er es nicht. Für die beispiellose Unfallserie, welche die Luftwaffe unter Schellenberg getroffen hat, könne der Kommandant nichts. Das Risiko fliege immer mit, und: «Wenn Sie schon auf jemanden zielen, dann auf mich.» Denn die direkte Verantwortung liege beim Chef Operation der Luftwaffe. Also bei ihm selber.

Loyal gibt sich der neue Luftwaffenchef auch in Sachen Weiterentwicklung der Armee alias WEA. Jener Reform, die der Luftwaffe gegen ihren Willen aufgezwungen wurde. Weil sie keine Teilstreitkraft mehr ist und einem Operationskommando unterstellt wird, bekommt ihr Kommandant keinen dritten Stern mehr. Bernhard Müller ist der Erste seit über einem halben Jahrhundert, der Divisionär bleiben und nicht in den Rang eines Korpskommandanten befördert wird. Zu hadern scheint er damit nicht: «Sterne haben mich noch nie interessiert», beteuert er.

Und schickt sich an, die ungeliebte Reform umzusetzen, als wär’ sie auf seinem eigenen Mist gewachsen. Wohl wissend, dass Schweden und Österreich wieder zurückbuchstabieren. In der Schweiz dauere nun mal manches länger, meint er nur, und dass man nicht hadern, sondern nach vorne blicken müsse. Er lässt sich auch nicht dazu hinreissen, Bodluv zu kritisieren, die milliardenteure Beschaffung von Raketen und Radar zur bodengestützten Luftverteidigung, die durch Verteidigungsminister Parmelin abgebrochen wurde, als sie in die Irre zu führen drohte.

Auch als Kommandant will «Beni» Müller in Alpnach wohnen bleiben und täglich nach Bern pendeln. Er kann das «im Wissen, dass ich eine Organisation leite, die den Alltag ohne mich bewältigen kann». Nach Obwalden verschlagen hat es den gebürtigen Aargauer schon 1982, später kommandierte er den dortigen Flugplatz. Als begeisterter Pilot, der zweimal pro Monat Helikopter fliegt, schätzt er die zentrale Lage der Zentralschweizer Basis. Dort sei sein Lebensmittelpunkt, dort könne er sich am besten erholen.

Ein Helikopterpilot sei ein kreativer Mensch, sagt er gegen Ende des Gesprächs. Das wird er in seiner neuen Funktion nach dem Umzug ins frisch gestrichene Chefbüro auch brauchen.

Eva Novak

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.