ARMEE: Ueli Maurer setzt den obersten Militärpolizisten ab

Der ehemalige Swisscoy-Kommandant wollte die Schweizer Delegation in Korea führen. Doch nun hat das VBS das Arbeitsverhältnis aufgelöst.

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Beat Eberle, Ex-Kommandant Militärische Sicherheit. (Bild: PD)

Beat Eberle, Ex-Kommandant Militärische Sicherheit. (Bild: PD)

Der Mann hat einen respektablen Leistungsausweis. Verteidigungsattaché in Stockholm, Kommandant der Swiss­coy-Truppen im Kosovo und des Kompetenzzentrums Swissint in Stans, Kommandant der Schwyzer und später der Bündner Kantonspolizei – dies sind nur einige Stationen der beruflichen Karriere von Beat Eberle, dem Kommandanten der Militärischen Sicherheit.

Ebenso eindrücklich sind die politischen Meriten des Christdemokraten, der 2004 als Verteidigungsattaché in den St. Galler Kantonsrat gewählt wurde. Er schaffte es damit nicht nur als erster Auslandschweizer in ein Kantonsparlament, sondern auch als erster Militär im Auslandeinsatz in ein politisches Amt.

VBS hüllt sich in Schweigen

Umso überraschender kam diese Woche der Karriereknick. An seiner Sitzung vom Mittwoch hat der Bundesrat den obersten Militärpolizisten auf Antrag von Verteidigungsminister Ueli Maurer abgesetzt. Warum soll geheim bleiben.

«Über die Auflösung des Arbeitsverhältnisses wurde Stillschweigen vereinbart», erklärt auf Anfrage Peter Minder, Informationschef des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Mehr sagt er nicht. Weder gibt er den Zeitpunkt der Auflösung bekannt, noch, wer die Führung der Armeepolizei künftig übernehmen soll.

Eberle selbst war nicht erreichbar. Gemäss Recherchen der «Zentralschweiz am Sonntag» hatte sich der Ostschweizer schon vor Monaten mit seinen Vorgesetzten überworfen. In Militärkreisen gilt er je nach Quelle als «renitent», «intrigant» oder als «aufmüpfig».

Sicherheitspolitiker aus dem Nationalrat zeichnen ein differenziertes und positiveres Bild: «Soweit ich es beurteilen kann, hat er seine Sache als Chef der Militärischen Sicherheit gut gemacht», sagt Eberles Parteikollege, der St. Galler CVP-Nationalrat Jakob Büchler.

Verärgerung in Chur

Weniger begeistert klingt es aus dem Kanton Graubünden, wohin der damalige Swissint-Chef vor fünf Jahren berufen worden war. Nach dem Suizid des langjährigen Polizeikommandanten Markus Reinhardt sollte er Ruhe in das verunsicherte Polizeikorps bringen. So lautete zumindest der Auftrag – der aber nie erfüllt wurde.

Zu Beginn bekundeten die Kantonspolizisten Mühe mit dem militärischen Führungsstil ihres neuen Chefs. Bevor man sich allerdings aneinander gewöhnen konnte, warf dieser das Handtuch: Ein gutes Jahr nach Amtsantritt wechselte Eberle wieder zurück ins VBS.

Divisionär als Ziel

Dies wiederum nahm die damalige Bündner Justizministerin Barbara Janom Steiner dem Mann übel, den sie ins Polizeikorps nach Chur geholt hatte. Seitdem heisst es im Bündnerland, das VBS habe seinen ehemaligen Mitarbeiter mit der Aussicht auf einen «Generals-Stern» zurückgelockt, und dieser sei der Versuchung erlegen.

Dazu muss man wissen: Der Kommandant der Militärischen Sicherheit ist im Rang eines – mit einem Stern dekorierten – Brigadiers eingestuft. Schliesslich befehligt er nicht nur eine Abteilung mit über 540 Mitarbeitern. Ihm sind auch rund 1300 Armeeangehörige unterstellt, die in den Milizformationen eingeteilt sind.

Einen zweiten Stern bekommen nur Divisionäre, denen normalerweise als Kommandanten die Führung von mehreren tausend Armeeangehörigen obliegt. Eine Ausnahme von dieser Regel bildet die Schweizer Delegation, welche seit über 60 Jahren den Waffenstillstand zwischen Süd- und Nordkorea überwacht. Dieser gehören zwar nur fünf Offiziere an. Ihr Chef aber wird in den Rang eines Divisionärs erhoben und kann den zweiten Stern manchmal auch nach der Pensionierung behalten.

Vereitelter Karrieresprung

Genau dahin wollte der 55-jährige Jurist dem Vernehmen nach Anfang 2016 wechseln. Korea sei sein Ziel gewesen, berichten mehrere Quellen. Doch VBS-Sprecher Minder dementiert: Der ehemalige Chef der Militärischen Sicherheit werde nicht die Leitung der Schweizer Delegation in Korea übernehmen, versichert er. Der Plan ist also offensichtlich nicht aufgegangen.

Eva Novak