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ARMEE: Umstrittene Bildungsoffensive

An einigen Hochschulen können sich die Studenten ihre militärische Führungsausbildung anrechnen lassen. Die Armee will das Angebot nun ausbauen. Das passt aber nicht allen.
Michel Burtscher
Wer in der Armee weitermacht, der profitiert unter gewissen Umständen im Studium. (Bild: VBS/DDPS)

Wer in der Armee weitermacht, der profitiert unter gewissen Umständen im Studium. (Bild: VBS/DDPS)

Michel Burtscher

Bald sind die Semesterferien vorbei und es gilt wieder ernst für die Studentinnen und Studenten in der Schweiz. Einige von ihnen starten mit einem Punktevorsprung – und zwar jene, die in der Armee weitermachen: Offiziere und höhere Unteroffiziere können sich ihre militärische Führungsausbildung unter gewissen Umständen ans Studium anrechnen lassen. Entsprechende Vereinbarungen hat die Armee in den vergangenen Jahren mit Hochschulen abgeschlossen. Das Ziel: die militärische Laufbahn wieder attraktiver machen und den Kadernachwuchs sichern.

Vereinbart sind bislang Kooperationen mit sechs Universitäten, acht Hochschulen und einer Pädagogischen Hochschule – so etwa mit der Universität Zürich, der Universität St. Gallen und der Hochschule Luzern. Das erklärte Ziel der Armee ist es jedoch, bis Ende des kommenden Jahres mit allen Hochschulen in der Schweiz Verhandlungen aufzunehmen und möglichst viele Kooperationsvereinbarungen abzuschliessen. Berücksichtigt werden Studiengänge, in denen Führungskompetenzen eine Rolle spielen – also vorab im Bereich Wirtschaftswissenschaften.

Über die bisherigen Erfahrungen zieht die Armee ein positives Fazit: Diese seien «höchst erfreulich», schreibt Armeesprecherin Delphine Allemand auf Anfrage. Wie viele höhere Unteroffiziere und Offiziere sich ihre militärische Ausbildung schon an ihr Studium anrechnen liessen, kann die Armee zwar nicht sagen. Sie betont aber, dass das Bedürfnis «erwiesen» sei. Eine Umfrage unter einigen bereits beteiligten Hochschulen zeigt, dass es zwar durchaus eine Nachfrage gibt, diese aber nicht überall gleich gross ist. Die Universität Zürich beispielsweise kooperiert seit einem Jahr mit der Armee. Dort können sich Studenten der Wirtschaftswissenschaften oder Informatik drei bis sechs ECTS-Credits anrechnen lassen. Ein Bachelorstudium umfasst in der Schweiz 180, ein Masterstudium 90 oder 120 solcher Punkte. Genutzt haben das Angebot gemäss der Universität Zürich bisher 13 Studenten.

Wertvolle Erfahrung oder unfair?

Die Universität St. Gallen hat bereits 2012 eine Vereinbarung mit der Armee abgeschlossen. Dort haben sich laut Mediensprecher Jürg Roggenbauch in den vergangenen Jahren im Schnitt jährlich rund 26 Bachelor- und Masterstudenten ihre militärische Kaderausbildung anrechnen lassen. Die Erfahrungen aus der militärischen Kaderausbildung seien wertvoll für die Studenten, ist Jorge Sión von der militärischen Verbindungsstelle der Universität St. Gallen überzeugt: «Dadurch bringen Sie praktische Führungserfahrung mit – und wissen nicht nur aus den Büchern, was das ist», sagt er. Bei der Universität Zürich heisst es auf Anfrage, dass die höhere militärische Kaderausbildung einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leiste und junge Menschen in ihrer persönlichen wie beruflichen Entwicklung fördere.

Kritischer über die Bildungsoffensive der Armee äussert man sich bei der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA): «Wir finden diese problematisch und unfair», sagt Sekretär Lewin Lempert auf Anfrage. «Wieso sollte eine militärische Ausbildung mehr wert sein als andere Tätigkeiten, die Studenten neben dem Studium ausüben? Wieso können sie sich also beispielsweise ihr gemeinnütziges Engagement nicht anrechnen lassen?», fragt er. Lempert bezweifelt zudem, dass die strikten Hierarchien und der Gehorsam, den man im Militär lerne, noch zur heutigen Situation in der Privatwirtschaft passen. Die Armee sieht das anders: Man stelle «ein zunehmendes Interesse an solider Führung, wie sie die Armee seit Generationen bietet, fest», schreibt Sprecherin Delphine Alle­mand.

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