ARMEE: Verzweifelt gesucht: Rüstungschef

Der alte ist seit vier Monaten weg, ein neuer nicht in Sicht: Bundesrat Ueli Maurer findet keinen Chef für die Armasuisse. Parlamentarier werden langsam unruhig.

Eva Novak
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Verteidigungsminister Ueli Maurer bei einem Kasernengespräch im vergangenen August. Bis Mitte 2015 sollte der neue Rüstungschef im Amt sein. Doch langsam läuft Maurer die Zeit davon. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Verteidigungsminister Ueli Maurer bei einem Kasernengespräch im vergangenen August. Bis Mitte 2015 sollte der neue Rüstungschef im Amt sein. Doch langsam läuft Maurer die Zeit davon. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Es ist einer der bestbezahlten Jobs in der Bundesverwaltung. Wer ihn bekommt, braucht nicht über mangelnden Einfluss zu klagen: Der Armasuisse-Chef befehligt 1000 Mitarbeiter und jongliert mit Milliardenbeträgen für Drohnen, Radschützenpanzer und Kommunikationssysteme. Trotzdem sucht Verteidigungsminister Ueli Maurer seit bald einem halben Jahr vergeblich einen neuen Rüstungschef.

Abgang versüsst

Der bisherige Amtsinhaber Ulrich Appenzeller warf kurz nach dem Absturz des Gripen das Handtuch. Nur drei Jahre hatte er es an der Spitze des für Rüstungsbeschaffungen und Armeeimmobilien zuständigen Bundesamtes gegenüber der Berner Kaserne ausgehalten. Der Abgang per Ende Juni wurde ihm insofern versüsst, als er noch anderthalb Jahre lang etwa 22 000 Franken Lohn pro Monat erhält.

Appenzeller hatte sein Büro noch nicht geräumt, da wurde die Stelle schon ausgeschrieben. An eine «starke Führungspersönlichkeit mit einem ausgeprägten Umsetzungswillen, guten Kommunikationsfähigkeiten und überzeugendem Auftreten» erging die Aufforderung, sich bei Bundesrat Ueli Maurer persönlich zu bewerben. Die Anforderungen wären zu schaffen gewesen: Führungserfahrung, Kenntnisse der Armee, der Technologien und des politischen Systems der Schweiz sowie ein Hochschulabschluss. Ferner muss der künftige Rüstungschef zwei Landessprachen sprechen und die dritte verstehen. Englischkenntnisse, die Appenzeller abgingen, werden nicht ausdrücklich gefordert.

Luftwaffenchef winkt ab

In der Berner Gerüchteküche, wo bei derlei Gelegenheit jeweils reihenweise mögliche Nachfolger herumgeboten werden, herrscht seitdem erstaunliche Ruhe. Es kursieren nur wenige Namen, etwa jener von Luftwaffenchef Aldo C. Schellenberg, der aber gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag» dementierte: Er habe keinen Augenblick daran gedacht, sich zu bewerben, und sei auch nicht angefragt worden. Gefallen ist auch der Name von Fabian Ochsner, Präsident der Gesellschaft der Luftwaffen-Offiziere Avia und Vizedirektor bei der Rüstungsfirma Rheinmetall. Oder derjenige von Ruag-Chef Urs Breitmeier.

Verschiedentlich genannt wird zudem der Stellvertreter des Rüstungschefs, Martin Sonderegger, der den Job seit Juli zur allgemeinen Zufriedenheit interimistisch ausübt und die Armasuisse im In- und Ausland vertritt. Doch Sonderegger wolle wieder ins zweite Glied treten, heisst es aus gut informierten Quellen. Deshalb habe er sich nicht beworben.

Es hätten sich keine valablen Kandidaten gemeldet, musste das VBS an der letzten Sitzung der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) des Nationalrats vermelden. Und jene, die man angefragt hätte, seien zu teuer. Der Armasuisse-Chef ist zwar in der zweitobersten Lohnklasse der Bundesverwaltung eingereiht, was einem Jahreslohn bis zu 312 265 Franken zuzüglich Zulagen entspricht. Dennoch sei das Lohngefälle zur Industrie zu gross, wurde den besorgten Parlamentariern beschieden.

Lohn: Warnung vor Präjudiz

Es gehe um eine Schlüsselposition für die Sicherheit des Landes, sagt der St. Galler Christdemokrat Jakob Büchler. Deshalb müsse sie mit einem «absoluten Top-Mann» besetzt werden. Und zwar rasch, ergänzt Thomas Hurter, Präsident der nationalrätlichen SiK: «Man kann nicht mehr lange zuwarten.»

Notfalls müsse man über eine Erhöhung des Lohns diskutieren, findet Büchler. Ein Vorschlag, der nicht nur auf Begeisterung stösst: So warnt Alex Kuprecht (SVP, Schwyz), Präsident der ständerätlichen SiK, vor einem «heiklen Präjudiz». Der Lohn sei «angenehm», erklärt die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher. Ausserdem: «Es wäre nicht richtig, wenn man bei der Armee unten sparen und oben die Löhne erhöhen würde.»

Angst, sich Finger zu verbrennen

Vielleicht ist es aber auch gar nicht der Lohn. Gemäss Insidern könnte die erfolglose Suche nach dem Supermann auch an der laufenden Restrukturierung der Armasuisse liegen, welche Maurer zur Chefsache erklärt hat. Oder an der Sandwichposition zwischen Bund und Industrie, in welcher der Rüstungschef steckt: «Vielleicht will sich niemand an der Aufgabe die Finger verbrennen», rätselt der Luzerner Grünliberale Roland Fischer. «Im VBS hat es viele Gärtli», führt der St. Galler freisinnige Sicherheitspolitiker Walter Müller ins Feld. «Alle zu giessen, ist nicht einfach.»

Maurer läuft die Zeit davon

Er gehe davon aus, dass der neue Rüstungschef bis spätestens Mitte 2015 im Amt sei, hatte Maurer nach Appenzellers Abgang erklärt. Langsam läuft ihm die Zeit davon. Ausser der SVP-Bundesrat folgt dem Rat seines Parteikollegen Borer – und nimmt einen Ausländer. Es müsse ja nicht gerade ein Schwede sein, frotzelt der Solothurner Nationalrat mit Blick auf das Herstellerland des Gripen-Kampfjets. In Finnland, Norwegen oder Holland gebe es auch gute Leute.

Und das wäre nicht einmal ein Novum: An die Spitze der Swisscom habe man seinerzeit mit Jens Alder auch einen Dänen gesetzt.