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Wegen zu hoher Tarife: Osteopathen im Clinch mit Krankenkassen

Der Verband der Osteopathen stösst sich am Gebaren einzelner Krankenversicherer, Therapeuten von der Zusatzversicherungsliste zu streichen. Helsana und Visana rechtfertigen sich und weisen die Vorwürfe zurück.
Balz Bruder
Zwischen Osteopathen und einigen Krankenversicherern ist ein Streit um die Vergütung über die Zusatzversicherung entbrannt. (Bild: Getty)

Zwischen Osteopathen und einigen Krankenversicherern ist ein Streit um die Vergütung über die Zusatzversicherung entbrannt. (Bild: Getty)

Die Sache hatte mächtig Staub aufgewirbelt. Vor gut einem halben Jahr berichteten «Beobachter» und «Eco» über Osteo­pathen, die von Helsana von der Liste der Komplementärmediziner gestrichen wurden. Sie verrechneten Tarife, die dem Krankenversicherer zu hoch waren. Konkret: 170 Franken pro Stunde beziehungsweise 110 Franken pro halbe Stunde. Mit der Folge, dass Patienten, die bei betroffenen Alternativmedizinern in ­Behandlung waren, nicht länger von einer Rückerstattung ihrer Zusatzversicherung profitierten. Und dies, obwohl sie sich möglicherweise jahrelang eine solche geleistet hatten.

Sébastian Byrde, Präsident des Schweizerischen Verbands der Osteopathen (SVO), findet deutliche Worte: «Helsana spart auf dem Buckel der Patientinnen und Patienten. Gemeinsam mit dem Dachverband Schweizerischer Patientenstellen verurteilen wir das arrogante Vorgehen und den inakzeptablen Eingriff in das Recht der Patienten, ihren Therapeuten frei zu wählen.» SVO-Vorstandsmitglied Michael Stadler doppelt nach und sagt, das Vorgehen der Helsana sei ­unverantwortlich und gehe letztlich auf Kosten der Patientensicherheit. Dies, weil mitunter anerkannte Therapeuten von der Liste verschwänden und günstiger praktizierende, aber weniger qualifizierte Anbieter berücksichtigt würden. Ganz abgesehen davon, dass es für betroffene Patienten nicht immer einfach sei, die Zusatzversicherung mir nichts, dir nichts zu wechseln.

Was ist Osteopathie?

Die Osteopathie ist ein zur Alternativmedizin gehörendes therapeutisches Verfahren, das durch manuelle Techniken die Funktionsfähigkeit des Knochengerüstes aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen versucht. Das Ziel der osteopathischen Behandlung ist, die selbstheilenden Kräfte des Körpers anzuregen. Osteopathen mit Diplom der Gesundheitsdirektorenkonferenz sind im Register der Gesundheitsfachpersonen eingetragen. Zudem führt der Krankenversicherungsverban1053517d Santésuisse ein Vertragsregister. Die Versicherer können sich über beide Register darüber informieren, ob ein Osteopath die Voraussetzungen für eine selbstständige Ausübung des Berufs erfüllt. Nur Osteopathen mit GDK-Diplom erhalten eine kantonale Berufsausübungsbewilligung. (bbr)

Patientensicherheit «nicht beeinträchtigt»

Kritik, die Stefan Heini, Leiter der Helsana-Medienstelle, nicht gelten lässt. «Wir setzen uns im Sinne der Versicherten für nachhaltig bezahlbare Prämien ein», sagt er. Und weiter: «Unser Hauptinteresse gilt nicht der ­Ertragssicherung einzelner ­Osteopathen, sondern unseren Kunden und damit der Prämienentwicklung in der Zusatzversicherung.» Die Massnahmen in Bezug auf die überhöhten Tarife einer Minderheit der Therapeuten seien vor diesem Hintergrund «vollkommen gerechtfertigt» und beeinträchtigten die Patientensicherheit nicht.

Helsana ist in ihrem Umgang mit den Therapeuten nicht mehr allein. David Müller, Leiter Unternehmenskommunikation bei Visana, bestätigt, einzelne Therapeuten, deren Stundenansatz «deutlich über dem marktüblichen Tarif» liege, würden von Visana aufgefordert, ihre Tarife anzupassen. «Bleibt eine Tarifsenkung aus, so behalten wir uns das Recht vor, die entsprechenden Therapeuten von der Liste zu streichen», sagt Müller, «wir können in diesem Fall nicht mehr von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit ausgehen.»

Versicherer «diktieren faktisch Tarife»

In der Tat ist es so, dass die Versicherer frei sind, mit wem sie in der ambulanten Zusatzversicherung zusammenarbeiten. Es werden denn auch keine Tarife verhandelt. Vielmehr legen die Therapeuten die Tarife im Rahmen ihrer unternehmerischen Freiheit selber fest. Ein Faktum, das SVO-Vorstandsmitglied Stadler nicht bestreitet – gleichzeitig aber darauf hinweist, dass Versicherer wie Helsana und Visana mit ihrer Politik faktisch Tarife diktierten, um ihren Gewinn zu steigern. Umso mehr bedauert Osteopath und Verbandsfunktionär Stadler, «dass das Vorgehen der Krankenversicherungen juristisch nicht anfechtbar ist». Einen «Flächenbrand» beim Zusammenstreichen der Therapeutenlisten bei den Versicherern befürchtet er gleichwohl nicht. Wahrschein­licher ist, dass es noch vermehrt zu Leistungslimitierungen statt Tarifrestriktionen kommt. Was für Stadler mit Blick auf die Kosten- und Mengenentwicklung im Gesundheitswesen nachvollziehbar ist. Trotz Drucks von Versichererseite: Die 880 organisierten ­Osteopathen sehen sich im Aufwind. Eine Mitte Jahr veröffentlichte Studie im Auftrag der Swiss Osteopathy Science Foundation hat ergeben, dass jährlich 6,8 Prozent der Versicherten, das heisst 550000 Personen einen Osteopathen aufsuchen. Das ergibt nicht weniger als 1,7 Millionen Konsultationen. Und die Nachfrage steigt. In der Deutschschweiz stösst das Therapieangebot gar an seine Grenzen.

Wichtig ist für die organisierten Osteopathen deshalb das neue Gesundheitsberufe-Gesetz, das Anfang 2020 in Kraft tritt. Dieses festigt Bedeutung und Status des Osteopathen als Erstversorger mit Masterabschluss. Die ersten Absolventen der fünfjährigen Fachhochschulausbildung werden ihre Ausbildung in Freiburg 2019 abschliessen.

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