ASYL: Gemeinden wollen mehr als «nur» Geld

Der Caritas-Chef fordert, dass die Gemeinden für Asylzentren vom Bund finanziell entschädigt werden. Im Grunde ein guter Vorschlag, sagen Betroffene – aber er greife zu kurz.

Léa Wertheimer
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Asylbewerber kommen am 17. Januar in Nottwil an, wo sie das Asylzentrum beziehen. (Bild Dominik Wunderli)

Asylbewerber kommen am 17. Januar in Nottwil an, wo sie das Asylzentrum beziehen. (Bild Dominik Wunderli)

Finanzielle Entschädigungen soll Asylzentren für Gemeinden schmackhaft machen. So jedenfalls die Idee des Direktors der Caritas, Hugo Fasel, in einem Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag». Wer bereit ist, Asylsuchende aufzunehmen, soll pro Platz und Jahr 10 000 Franken in die Gemeindekasse erhalten. Dafür aufkommen soll der Bund. Das Geld soll den reflexartigen Widerstand der Gemeinden brechen. Die Aargauer Gemeinde Bettwil wehrte sich erfolgreich gegen ein geplantes Asylzentrum und machte damit vor über einem Jahr national Schlagzeilen. Seither wiederholen sich die Szenen: Kaum kündigt das Bundesamt für Migration an, in einer Gemeinde ein neues Bundeszentrum eröffnen zu wollen, geht die Bevölkerung auf die Barrikaden.

Erst kürzlich verkündete der Bund, dass er ein Truppenlager in Alpnach als Bundeszentrum für Asylsuchende nutzen will. In der Armeeunterkunft sollen rund 100 Personen Platz finden. Ginge es nach Hugo Fasel, würde die Obwaldner Gemeinde vom Bund 100 000 Franken erhalten. Dieser Vorschlag stösst bei der Gemeindepräsidentin nicht nur auf Zustimmung: Im Prinzip ginge der Vorschlag in die richtige Richtung, sagt Kathrin Dönni-Eggerschwiler (CVP). Aber: «Ich glaube nicht, dass es reicht, einfach mit Geld zu locken.» Viel mehr wünscht sie sich eine sachliche Diskussion über geeignete Standorte. «Gerade in unserem Fall befindet sich die geplante Unterkunft unmittelbar angrenzend an ein Wohnquartier und sehr nahe der Schule», führt sie aus. «Da helfen 100 000 Franken nicht, um die Bedenken zu zerstreuen.»

Nicht nur Unkosten decken

Für die Alpnacher Gemeindepräsidentin ist aber klar, dass es nicht reicht, wenn der Bund für die gesamten Unkosten der Bundeszentren aufkommt. «Betroffene Gemeinden müssten unbedingt darüber hinaus entschädigt werden.» Kathrin Dönni-Eggerschwiler erhält Unterstützung vom Obwaldner Nationalrat Karl Vogler. Auch er findet die Idee des Caritas-Direktors prüfenswert. Er gibt aber zu bedenken, dass die Abgeltung ganz schön ins Geld gehen könnte. «Es stellt sich auch die Frage, woher es kommen soll», sagt Karl Vogler. Bei 28 000 Asylbewerbern wie im vergangenen Jahr würde die Forderung von Caritas Kosten von 280 Millionen Franken ausmachen – zusätzlich zu den 1,3 Milliarden Franken, die heute an Kosten im Asylbereich anfallen.

Standorte überdenken

Aber sei Geld nicht das einzige Mittel, welches die Akzeptanz steigern könnte, sagt der CSP-Nationalrat. Vielmehr setzt er auf Gespräche. «Der Bund sollte auf die verständliche Abwehrhaltung der betroffenen Gemeinden eingehen und ehrlich hinhören.» Besonders im Fall der Obwaldner Gemeinde Alpnach solle der Bund den Standort überdenken. «Das Zentrum käme unmittelbar am Wohngebiet zu stehen.»