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ASYL: Migrationsprojekte: Bund läuft auf

Mit Migrationspartnerschaften will Justizministerin Simonetta Sommaruga die unerwünschte Migration eindämmen. Doch die Projekte kommen kaum voran.
Sermîn Faki
Im Rahmen der Migrationspartnerschaft der Schweiz mit Nigeria weilten erste afrikanische Drogenfahnder zu Ausbildungszwecken in der Schweiz. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Im Rahmen der Migrationspartnerschaft der Schweiz mit Nigeria weilten erste afrikanische Drogenfahnder zu Ausbildungszwecken in der Schweiz. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Hilfe für das Herkunftsland gegen bessere Kooperation im Asylwesen – so lässt sich die Überlegung hinter den sogenannten Migrationspartnerschaften zusammenfassen, die Aussen- und Justizdepartement im Jahr 2004 erfunden haben. Damit sollte der Zustrom von Asylsuchenden, die einen negativen Entscheid zu erwarten haben, eingedämmt und die Rückführung abgewiesener Asylbewerber erleichtert werden.

Justizministerin Simonetta Sommaruga hat die Migrationspartnerschaften wiederbelebt und zu einem ihrer besonderen Projekte gemacht. Die Herkunftsstaaten erklären sich zur Rückübernahme der Migranten bereit und kooperieren mit den Schweizer Behörden, etwa bei der Identifizierung der Asylsuchenden. Im Gegenzug engagiert sich die Schweiz – mit der Zahlung von Rückkehrhilfen, Ausbildungsprogrammen für die Grenz- und Polizeibehörden der Herkunftsstaaten und weiteren Massnahmen.

Automechaniker ausbilden

So war etwa in Nigeria, mit dem seit 2011 eine Migrationspartnerschaft besteht, geplant, Jugendliche mit Schweizer Hilfe zu Automechanikern auszubilden, wie die «Zentralschweiz am Sonntag» vor knapp eineinhalb Jahren berichtete. Bis zu 30 Personen pro Jahr sollten eine sechs- bis zwölfmonatige An- oder Zusatzlehre absolvieren, und zwar nach dem dualen System der Schweiz. Die Idee kam von der Schweizer Sektion des Vereins «Nigerians in Diaspora Organisation in Europe» (Nidoe), einem Verein für Exil-Nigerianer, vergleichbar mit der Auslandschweizer-Organisation. Im letzten September sollte die Ausbildung der ersten Jugendlichen beginnen. Kostenpunkt des gesamten Programms: 1,45 Millionen Franken.

Deza will Vorreiterrolle spielen

Bis heute ist allerdings kein einziger nigerianischer Jugendlicher ausgebildet worden. Das hat auch mit dem von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) gewählten Ansatz zu tun. Erstmals versucht man, mit der Nidoe eine Exilorganisation in ein Projekt einzubinden. «Der Einbezug der Diaspora als Entwicklungsakteur ist aktuell ein grosses Thema in internationalen Gremien wie der UNO», sagt Odile Inauen, stellvertretende Leiterin der zuständigen Deza-Sektion Globalprogramm Migration und Entwicklung. «Allerdings können nur wenige Entwicklungsagenturen konkrete Erfahrungen vorweisen. Mit dem Nidoe-Projekt kann die Deza eine Vorreiterrolle spielen.» Das Nigeria-Projekt dient also auch dazu, die Deza international zu profilieren.

Keiner kommt aus der Autobranche

Vordergründig mit Erfolg: Tatsächlich haben sich rund 50 Exilnigerianer aus ganz Europa für ein freiwilliges Engagement im Rahmen des Ausbildungsprojekts gemeldet, womit Inauen «sehr zufrieden» ist. Nach umfangreichen Abklärungen hat die Deza bis anhin drei geeignete Personen verpflichten können, darunter einen Kadermann der UBS. Aus der Autobranche kommt jedoch keiner, weshalb sich das Programm auf die Bereiche Catering und Hotellerie verlagert hat.

Die Freiwilligen unterrichten nicht die Auszubildenden selber, sondern beraten die Berufsschulen und trainieren deren Lehrkräfte. Die Einsätze in Nigeria dauern in der Regel vier bis fünf Monate, die Deza kommt für Flugkosten auf und zahlt eine Pauschale für Unterbringung und Essen.

«Praktische Erfahrungen sind rar»

Ob und wie vielen nigerianischen Jugendlichen schon konkret geholfen wurde, kann die Deza nicht beziffern. Durch Beratung und Training, welche gerade angelaufen seien, würden die Berufsschulen aber profitieren, sagt Inauen. Vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung: Nidoe und der Autogewerbeverband Schweiz (AGVS) haben in den letzten Monaten das nigerianische Ausbildungssystem genau angeschaut, nach Partnern gesucht und ein Konzept erarbeitet. Wie Jürg Fluri, Leiter der Abteilung Berufsbildung beim AGVS, bestätigt, werden sie der Deza vorschlagen, dass man eine Art Praktikumsinstitut baut. Darin sollen Lehrlinge der bestehenden Automechanikerschulen Praxismodule besuchen. «Die Ausbildung in Nigeria ist eher auf die Theorie fokussiert», sagt Fluri. «Praktische Erfahrungen sind rar.» AGVS und Nidoe hoffen, der Deza das Projekt in Kürze vorstellen zu können. Gemäss ihren Berechnungen dürften Kosten von 150 000 Franken entstehen.

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