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ASYL: Steiniger Weg zurück ins Berufsleben

Fehlende Dokumente oder Abschlüsse erschweren es Flüchtlingen trotz guter Qualifikationen, sich beruflich zu integrieren. Mit einem Pilotprojekt greift ihnen der Bund unter die Arme.
Eveline Rutz
Asylbewerber warten im Empfangszentrum Chiasso auf den Entscheid, ob sie aufgenommen werden. (Bild: Keystone/Carlo Reguzzi)

Asylbewerber warten im Empfangszentrum Chiasso auf den Entscheid, ob sie aufgenommen werden. (Bild: Keystone/Carlo Reguzzi)

In ihrer Heimat waren sie anerkannte Berufsleute, in der Schweiz müssen sie fast bei null anfangen: Selbst gut qualifizierten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen fällt der Berufseinstieg hierzulande schwer. Meist kommen sie nicht darum herum, ihre beruflichen Ambitionen zu senken und sich neu zu orientieren. Dies dokumentiert der Zwischenbericht des Pilotprojekts «Potenziale nutzen – Nachholbildung», der am Wochenende publiziert wurde, anhand von sechs Porträts. Er lässt beispielsweise einen biomedizinischen Analytiker aus Eritrea zu Wort kommen, der inzwischen eine Lehre als Oberflächenpraktiker macht.

Ausbildungen kaum vergleichbar

Mit dem Pilotprogramm, das von 2013 bis 2018 dauert, will das Staatssekretariat für Migration (SEM) Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene mit guten Qualifikationen rascher in den Arbeitsmarkt integrieren. Eine enge Begleitung soll es ihnen ermöglichen, auf ihren spezifischen Kenntnissen aufzubauen. In acht Kantonen (ZH, GE, VD, GL, GR, SG, SH, TG) werden zurzeit 47 Personen betreut. Sie haben ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen und stammen aus 14 Ländern – mehrheitlich aus Eritrea und Syrien.

Die Motivation der Teilnehmenden sei riesig, sagt Kaspar Schneider, Leiter Supported Employment und Nachholbildung bei der Zürcher Fachorganisation AOZ. «Sie fühlen sich wertgeschätzt.» Damit Flüchtlinge in der Schweiz im gleichen Bereich arbeiten könnten, wie sie dies in ihrer Heimat getan hätten, brauche es ein grosses Engagement. «Ihr Vorwissen lässt sich nicht eins zu eins umsetzen.» Viele verfügten zwar über eine spezialisierte und langjährige Berufserfahrung, nicht jedoch über einen Abschluss. «Die Bildungssysteme ihrer Herkunftsländer lassen sich nur beschränkt mit jenem der Schweiz vergleichen.» Anerkennungsverfahren seien in den seltensten Fällen erfolgreich, berichtet auch Fa­bienne Zannol, Projektleiterin bei der Stiftung Arbeitsgestaltung. «Es fehlt meistens etwas.» Bei nicht reglementierten Berufen bestehe zwar die Möglichkeit, beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) eine Niveaubestätigung einzuholen. Auf eine solche reagierten viele Arbeitgeber allerdings mit Skepsis.

Realistische Ziele anvisieren

Gemäss den beiden Coaches bleibt den Migranten daher meist nichts anderes übrig, als tiefer einzusteigen, die Ausbildung zu wiederholen oder in eine andere Branche zu wechseln. «Sie müssen von ihren ursprünglichen beruflichen Zielen abrücken und Neues in Angriff nehmen», sagt Schneider. Die intensive und ganzheitliche Begleitung, in der auch psychosoziale Themen zur Sprache kämen, erleichtere ihnen dies.

«Meine Aufgabe ist es, ihnen einen neuen Weg aufzuzeigen», sagt Zannol. Dass dieser letztlich zum Erfolg führen werde, könne sie allerdings nicht garantieren. Der Einstieg erfolge häufig über Schnuppertage oder Praktika. «Je grösser der Nachwuchsmangel in einer Branche ist, desto eher sind Firmen bereit, Flüchtlingen trotz sprachlicher und fachlicher Lücken eine Chance zu geben», sagt sie. Die Teilnehmenden wiederum bräuchten Durchhaltewillen und Frustrationstoleranz. Sie müssten zudem sehr selbstständig sein.

Sprache erschwert Integration

Die Sprache sei für viele ein Stolperstein, stellen die beiden Coaches fest. «Es ist oft ein Teufelskreis», sagt Zannol. Wer nur schlecht Deutsch spreche, finde kaum eine Stelle. Mit viel Aufwand liessen sich zwar Praktika finden; ungenügende Sprachkenntnisse schränkten die Vermittlung von Fachwissen jedoch ein. Die Teilnehmenden machten in den drei bis maximal sechs Monaten sprachlich zwar gewisse Fortschritte. Diese reichten für eine Festanstellung aber oft nicht aus, sodass die Betroffenen erneut in einem Sprachkurs landeten.

Hinzu kommen administrative Hürden, eine eingeschränkte Stellenauswahl sowie das Beharren vieler Arbeitgeber auf Schweizer Leistungsnachweisen. «Unser Berufsbildungssystem sollte modularer aufgebaut und durchlässiger sein», findet Schneider von der AOZ.

Der Bundesrat will unter anderem bei den administrativen Hürden ansetzen und etwa das aufwendige Bewilligungs- durch ein Meldeverfahren ersetzen. Vorläufig aufgenommene Personen sollen zudem keine Sonderabgabe mehr leisten müssen, wenn sie erwerbstätig sind.

Resultate fliessen ein

Die Erkenntnisse aus der Pilotphase würden laufend in die Arbeiten und Projekte aufgenommen, heisst es beim SEM. Dank der Berichterstattung könnten die Kantone die entwickelten Methoden und Massnahmen in ihre Integrationsprogramme sowie Regelstrukturen übernehmen. Pro Fall entrichtet das SEM den drei ausführenden Organisationen Pauschalen von 12 000 bis 17 000 Franken. Insgesamt hat das SEM Kosten von rund 1 Million Franken budgetiert.

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