Kommentar

Auch die Senioren brauchen eine Perspektive auf einen neuen Alltag

Maja Briner
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Die Coronakrise trifft die Senioren hart. Über 65-Jährige gehören zur Risikogruppe – auch dann, wenn sie sich fit fühlen, normalerweise jede Woche die Enkel hüten und ausgiebige Velotouren machen. Sie sollen möglichst zuhause bleiben, nicht einmal einkaufen gehen. In Alters- und Pflegeheimen wurde ein Besuchsverbot eingeführt.

Noch manchem dürfte die Empfehlung des Bundesrats im Ohr klingen, die ab Mitte März über Radio und TV verbreitet wurde: «Bleiben Sie zuhause, insbesondere wenn Sie alt oder krank sind.»
Inzwischen sind bald zwei Monate vergangen. Für viele Senioren und andere Personen, die zur Risikogruppe zählen, dürfte es eine einsame Zeit gewesen sein.

Nun, da die Zahl der gemeldeten Corona-Fälle zurückgegangen ist, muss der Bund auch ihnen eine Perspektive bieten. Das Virus wird so rasch nicht verschwinden – doch weitere Monate der Einsamkeit sind für viele nicht erträglich. Es ist daher erfreulich, wenn Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit erklärt, es sei ein Anliegen, dass auch Risikogruppen wieder zurück zu einem normalen Leben finden.

Vorsicht ist dabei richtig und wichtig, es braucht sie aber auf zwei Seiten: gegenüber dem Virus, aber auch gegenüber dem Leid und den Folgen der Einsamkeit. Es braucht ein Abwägen der Risiken durch den Bund; und es braucht Selbstverantwortung. Wenn wir uns alle an die Abstands- und Hygieneregeln halten, dann muss auch für Senioren ein Treffen in der Dorfbeiz wieder möglich sein.

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Christoph Bernet und Maja Briner