Korruptionsbarometer

Auch in der Schweiz wird geschmiert

In der weltweiten Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger hat die Korruption in den letzten drei Jahren zugenommen. In der Schweiz werden der Privatsektor, die Medien und die politischen Parteien als am korruptesten eingeschätzt.

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Keystone

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Korruption hat Transparency International (TI) den Korruptionsbarometer 2010 veröffentlicht. Dieser beruht auf den Ergebnissen einer Befragung von 91'000 Menschen in 86 Ländern. Insgesamt sind 60 Prozent der Ansicht, die Korruption habe weltweit zugenommen. In Europa sind gar 73 Prozent dieser Meinung.

Privatsektor und Parteien gelten als besonders anfällig

Gesamthaft gesehen sind 80 Prozent der Befragten überzeugt, dass politische Parteien korrupt oder extrem korrupt sind. In der Schweiz hingegen wird der private Sektor als besonders korrupt wahrgenommen, gefolgt von den Medien; erst an dritter Stelle werden die politischen Parteien genannt.

Bei einer Skala von 1 (für gar nicht korrupt) bis 5 (für sehr korrupt) haben die Schweizer dem Privatsektor im Durchschnitt die Bewertung 3,3 gegeben. Bei den Medien beträgt der "Korruptionsfaktor" 3,0 und bei den politischen Parteien 2,9.

54 Prozent der Schweizer Befragten halten die von der Regierung ergriffenen Massnahmen zur Bekämpfung der Bestechlichkeit als unwirksam. Letztes Jahr waren nur 26 Prozent dieser Meinung.

Unterschiedliche Meldebereitschaft

Weltweit wären 70 Prozent der Befragten bereit, korrupte Handlungen zu melden, wenn sie solche beobachten würden. Diese Bereitschaft sinkt aber auf einen Anteil von 35 Prozent, wenn die Betreffenden selbst Schmiergelder bezahlen müssen.

Tatsächlich gestand weltweit jeder vierte ein, im letzten Jahr jemanden bestochen zu haben. Am weitesten verbreitet sind Schmiergeldzahlungen in Afrika südlich der Sahara, wo mehr als die Hälfte der Befragten das Gehalt korrupter Beamter "aufbessern" musste.

Im Nahen Osten und in Nordafrika gab jeder dritte an, solche Zahlungen geleistet zu haben. In Europa und in Nordamerika sind es 5 Prozent der Befragten.